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Guben: Stadthirten sammelten Vieh der Züchter ein

24. Januar 2009 | Von | Kategorie: Bilder aus dem alten Guben | | Teilen

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Triftstraße und Osterberg

Triftstraße erinnert an fast vergessenen Altag von Ackerbauern und Viehzüchtern
Die Lösung auf unserem Rätselfoto hatten wir natürlich entfernt – trotzdem war die Straße von den Guben-Kennern kein schweres Rätsel. Viele erkannten die Triftstraße wieder, die heute in ihrer Gestaltung ein wenig der Berliner Straße ähnelt.
Reiner Ladewig sandte uns einen ausführlichen Brief und schreibt: „Das Foto der Triftstraße ist von Norden aufgenommen in Richtung Osterberg, von der Schwanstraße kommend.
Viele Einwohner der Stadt Guben waren im Mittelalter Ackerbürger und Viehzüchter. Die Scheunen waren in der Regel außerhalb der Stadtmauern. Die eigens bestellten Stadthirten sammelten morgens das Vieh der Bürger ein und trieben es auf die Weiden, abends ging es zurück. Der Name Triftstraße erinnert an diese Gepflogenheit. Das Dreieck war der Kuhplatz.
Rechts in der Nummer 1 hatte Fleischermeister Richard Merker sein Geschäft, dann begann die Henzengasse. In der Nummer 2 folgten die Gemüsegärtner Paul und Karl Heinze, sie besaßen zwei Häuser, sind aber später in die Eichholzstraße 6 gezogen. Im Haus mit dem Schaufenster hatte mein Großonkel Bruno Heinze eine
Auslage für Polstermöbel, die
Werkstatt für Sattlerei und Polstermöbel befand sich auf dem Hof der Nummer 6, übernommen von Reinhold Jeschke, Sattler und Tapezierer. Davor war das Schreibwarengeschäft Mudrack.
Nicht mehr im Bild ist links der Kaisergarten, der sich über die Ecke zum Breiten Steig entlang erstreckte. Da war ich nach der Grenzöffnung 1972 selbst einmal zu Gast, heute ist das Haus leider abgerissen. Dem Breiten Steig gegenüber steht das Geburtshaus von Wilhelm Pieck, des ersten Präsidenten der DDR – es ist heute ein Museum. Auch nicht mehr im Bild ist die Osterbergschule, in die meine Mutter von der 8. Klasse bis zur
1. Klasse ging – damals war das so. Rektor war damals Herr Bernhard Masche, der viele
Heimatgedichte verfasste, meist mundartlich (Gub’nasch!). Von dort führte ein schmaler Weg vom Schulhof u.a. auch in die Triftstraße, weiter zur Neißestraße, dort war auch ein Bäcker, und zur kleinen Teichborn-
straße.“
Bärbel Koschack erzählte am Telefon. „Man sieht die Triftstraße in Richtung Osterberg. Das große Haus links hinten ist die Nummer 10, da war früher ‘Kaisers Garten’, eine ganz beliebte Gaststätte mit großen Festsälen. Geführt wurde das Restaurant von Richard Nelleng, es war die beste Gaststätte weit und breit, und viele Gäste kamen auch von weit her.
In der Triftstraße wohnten früher Ackerbürger, Winzer und Viehhalter. Daher kommt ja auch der Name; hier wurde das Vieh der einzelnen Bauern auf die Weide vor der Stadt getrieben. Das sagt ja schon das Wort ‘Trift’ – von Treiben. Man ging hier in Richtung der Gubener Berge durch den Breiten Steig und die Winzerstraße zu Engelmanns Berg. Engelmanns Berg war ebenfalls eine be-
liebte Ausflugsgaststätte. Weiter war der Bismarck-Turm und die Bismarck-Baude – alles alte Sehenswürdigkeiten von Guben.“


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