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Cottbus: DEFA filmte die Ernte

24. November 2012 | Von | Kategorie: Bilder aus dem alten Cottbus | | Teilen

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Zu sehen ist die Chaussee- Abzweig Schwanstraße in Ströbitz – B war richtig

 

DEFA filmte die Ernte / Ströbitzer Landleben noch vor 60 Jahren
Hagen Ruhland aus Cottbus ist Fan historischer Ansichten. Doch diese Aufnahme brachte ihn förmlich aus dem Häuschen: „Es strahlt dörfliches und (klein-) städtisches Idyll aus. Der gefragte Standort war mir völlig unbekannt. Mangels Zeit warte ich einfach die Auflösung ab. Diesmal hat der Tipp, wonach die Gebäude ‘noch unversehrt’ sind, sowie die erkennbare Straßenführung meine Neu- gier überstrapaziert und den Ehrgeiz geweckt. Ich bediente mich einer Luftaufnahme aus dem Internet. Die 15-minütige Suche startete bei meinem ursprünglichen Favoriten Madlow, gefolgt von Schmellwitz, und erst dann kam ich zum Lösungswort Ströbitz. Es ist die Ecke Karl-Liebknecht- und Ströbitzer Hauptstraße. Wir schauen in Richtung Osten. Hinter den Bäumen in der Mitte befindet sich die Shell-Tankstelle. Rechts folgen unzählige Bahnübergänge, die Straße nach links ist derzeit Schauplatz umfangreicher Straßenarbeiten.
Hier komme ich auf dem Weg zur Arbeit beinahe täglich vorbei und bin sehr auf die Zuschriften anderer Leser gespannt.“ Die kommen per Mail beispielsweise von Bodo Wunderlich aus der Zittauer Straße: „Nach meiner Geburt 1941 lebte ich einige Monate im damaligen Haus Schwanstraße 1a (rechter Häuserblock). Meine Großmutter lebte bis 1955 dort, ich war oft zu Gast. Damals wie heute beherbergte das Haus eine Fleischerei, die damals noch Schlachtungen vornahm. Im hinteren Teil des Hofes befand sich die Tischlerei Fuchs, mit der mein Großvater Streit hatte, weil die Kreissäge die vom Opa gezüchteten Kanarienvögel stimmlich verdarb. Er konnte sie so nicht verkaufen. Mein Kater hatte über die Dächer ein ideales Revier. Weiter gab es in dem Block ein Textil-, ein Papiergeschäft, eine Drogerie und das Gasthaus ‘Neue Welt’, das damals aber nicht benutzbar war.
Vor dem linken Haus mit der Mansarde beginnt die Ströbitzer Hauptstraße, in der meine Oma bei Fahrradmechaniker Philo eine Ziege hielt, deren Milch ausschließlich für mich bestimmt war. Hinter dem Haus war ein Getreidefeld, auf dem einmal der DEFA-Augenzeuge den Beginn der Ernte filmte. Nachts! – ein Erlebnis. Zwischen den beiden Straßen befanden sich kleine Häuser, ein Uhrmacher und eine Tankstelle, wo wir als Kinder oft zusahen, wie der Kraftstoff mit der Hand gepumpt wurde. An der Kolkwitzer Straße befanden sich als besondere Gebäude ‘Winklers Balllokal’ und ‘Sauermanns Kaufladen’ und mein Geburtshaus, das Carolinenheim.
Von der Wohnung meiner Großeltern konnte man in Richtung Flugplatz schauen, wo ich mehrmals langzeitige Feuerwerke beobachten konnte, wenn verirrten Flugzeugen der Roten Armee die Richtung gewiesen werden sollte.“
Jürgen Klingmüller merkt an: „Obwohl in Ströbitz keine Häuser durch Kriegseinwirkungen zerstört wurden, fehlen heute doch einige. Dazu gehört das legendäre ‘Ballhaus Winkler’ in der Kolkwitzer Straße 17. Es fiel der Abrissbirne in den 70er Jahren zum Opfer.“
Von Hans-Hermann Schneider erfahren wir: „Linker Hand sieht man das frühere Postgebäude. Davor führt die heutige Ströbitzer Hauptstraße zur alten Dorfmitte, dem jetzigen Dorfzentrum. Das alte Haus vor der Post ist heute ein Schandfleck für Cottbus. Die Straße mit der Allee ist die Kolkwitzer Straße, früher Chausseestraße. Die Häuserzeile rechts präsentiert sich heute noch genauso.“
Dieter Kattusch fällt ein: „Links die Ströbitzer Hauptstraße wird im Stadtplan von 1953 Lyssenkow Str. genannt, an der Ecke war zu meiner Schulzeit im Sommer ein Eisstand vom Lebensmittelgeschäft Pfanne.“
Georg Müller erinnert an die Eingemeindung 1927 und mailt: „Da findet sich die damalige Schwanstraße und dort die angekreuzte Nr. 7 mit der Familie Frieda und Alfred Halkow, heute Karl-Liebknecht-Straße 59. Gegenüber, also im linken Bildteil, die Nr. 43 der Kolkwitzer Straße, hat sich in ihrem Aussehen detailliert nicht verändert. Der Fotograf stand – der Verkehr ließ es spielend zu – mittenmang der Kreuzung Sachsendorfer zur Rechten und Ströbitzer Hauptstraße zur Linken. Nur wenige Schritte von der Familie Halkow lag die ‘Alte Welt’, ein vortrefflicher Biertisch sicher auch für die Stellmacher und Schreibwarenhändler.“


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