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Forst: Die Liebe begann am Weberbrunnen

21. März 2014 | Von | Kategorie: Bilder aus dem alten Forst | | Teilen

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Hier im Blick der Rathenauplatz mit dem Tuchmacherbrunnen, auch als Weberbrunnen bekannt

Sauerverdientes – Aus Schrott wird Bares / Champignonzucht im Bunker
Unser Rätselbild der vergangenen Woche zeigt den Forster Rathenauplatz im ehemaligen Ortsteil Berge. Das erkannte auch Bernhard Kasper. Er schreibt: „Es handelt sich um den Rathenauplatz. Zu sehen ist ebenfalls der Weberbrunnen und das Fürsorgeheim am Heinrich-Heine-Damm, der vom Rathenauplatz bis zum Friedrich-Ebert-Platz führte. Rechts im Hintergrund sind noch die Häuser vom Kegeldamm westlich der Neiße sichtbar. Der Rathenauplatz wurde in der nationalsozialistischen Zeit zum Adolf-Hitler-Platz umbenannt. Und auch der Friedrich-Ebert-Platz wurde in Horst-Wessel-Platz umbenannt. Leider ist von den repräsentativen Bauten an beiden Plätzen heute nichts mehr zu sehen. Sie wurden Opfer der Kriegseinwirkungen von 1945 und auch der Zeit danach.“
Dass der Rathenauplatz auch einmal einen anderen Namen trug, wusste auch Gerda Kubaschk: „Das ist auf der polnischen Seite der Rathenauplatz, später Adolf-Hitler-Platz, mit dem Weberbrunnen. Links ist ein Wohnhaus zu sehen. Wenn man an der Neiße vor uns nach links entlang ginge, würde ein Altersheim mit einem Park folgen, dahinter das sehr schöne Gebäude des Finanzamtes. Die große Lampe gehört zum Platz. Rechts davon, nicht mehr im Bild, führt die Pförtener Straße weiter noch nach Pförten. Die Straße ist für Berge sehr interessant. Dort gab es ein Kino ‚Die Schauburg‘, eine Molkerei Krautwald und die Sonnenapotheke. Dann kam eine Kreuzung der Richtstraße und Lange Straße (Richtung Scheuno). Heute ist die Kreuzung ein Kreisel. In den Bunkern, die nie bombardiert wurden, züchten die Polen heute Champignons. An der Ecke stand ein Haus, wo meine Schwiegereltern wohnten, mit Zigarrenladen. Hier wurden auch Fahrräder verkauft. Zurück Richtung Brücke: Dort war die Bäckerei Scheppan, Feinkost Dippert und die Fleischerei Biberstein zu finden. Die Bäckerfamilie hatten eine Tochter, Hilde Scheppan. Sie war eine berühmte Opernsängerin. Noch nach dem Kriege hatte sie auf großen Bühnen gesungen und war deutschlandweit gefragt. Meine Großmutter war Köchin in der Herrschaft des Grafen Brühl. Die Kinder der Brühls gingen genauso mit Holzlatschen wie meine Großmutter in die Schule. Das war vor über 100 Jahren. Die Brühls hatten zwar viel Land, aber wenig Geld. Aber zu essen hatten sie reichlich. Ich habe immer gern zugehört, wenn meine Großmutter davon erzählte.“
Heinz Lüdecke erinnert sich noch gut an das Gebäude links  im Bild. „Dieses Gebäude steht an der Ecke Weststraße/Charlottenstraße und gehört heute zu der Forster Baugenossenschaft. Zu sehen ist der Eingang zu den Geschäftsräumen (in meiner Jugend ein Lebensmittelgschäft). Rechts daneben steht jetzt ein neuerer Wohnblock, jedoch in monoliter Bauweise errichtet. Auf dem Bild  erkennt man auch noch einen Schornstein einer ehemaligen Fabrik, der heute noch steht, aber das Grundstück ist leer. Links vom Gebäude im Hof (Weststraße) ist seit geraumer Zeit ein Schlüsseldienst (Firma H. Richter) zu Hause. Früher, zu meinen Kindertagen, war – wie ich schon erwähnte – ein Lebensmittel-Laden in diesem Gebäude. Ich erinnere mich deshalb so genau daran, weil mein damaliger Freund und ich dort immer frisches, rohes Sauerkraut in einer Tüte kauften. (Es mögen wohl 55 Jahre her sein!) Das Geld, was wir ausgaben, stammte aus dem Erlös unserer Schrottsammlungen. Gleich nach der Abgabe (Albertstraße) fuhren wir mit dem Handwagen und verspeisten mit viel Genuss unser selbst verdienstes, gekauftes Sauerkraut. Den Namen des Lebensmittel-Ladens kenne ich leider nicht mehr“, schreibt er.
Auch Dieter Nowotnick hat aus seiner Kindheit süße Erinnerungen an den Laden. Er schreibt: „Nach dem Zweiten Weltkrieg war Kaufmann Jahn in diesem Geschäft, er hatte bis 1945 sein Lebensmittelgeschäft in Berge in der Schulstraße. Ich war als kleiner Junge viel bei meiner Oma. Sie wohnte gegenüber in der 7 und musste schnell mal dieses oder jenes holen und immer gab es von Herrn oder Frau Jahn einen Bonbon. Es vergingen fünf Jahre und ich war Lehrling in der Textima, Weststraße. Da musste ich oft für die Gesellen etwas einkaufen. Ich habe wohl komisch geguckt, ja ja sagte Herr Jahn, ich bin der aus der Schulsraße.“
Wolfgang Schenk erkannte den Ort auf dem Bild ebenfalls und erzählt am Telefon: „Das Bild zeigt den Rathenauplatz mit dem Weberbrunnen, heute Tuchmacherbrunnen genannt  sowie das Pflegeheim am Heinrich-Heine-Damm. Mit Wohnhäusern am Friedrich-Ebert-Platz und Blick zum Kegeldamm auf der Westseite der Neiße. Am Rathenauplatz ist die Handschrift des Stadtbaurates Dr. Kühn zu spüren. Der Weberbrunnen wurde von Johannes E. Born gestaltet. Auf der noch freien Fläche vor dem Pflegeheim (das weiße Haus in der Mitte) plante Dr. Kühn noch eine Kirche zu errichten. Der Krieg verhinderte dieses Vorhaben.“ Der heutige Tuchmacherbrunnen hat für Wolfgang Schenk und dessen Frau aber auch aus ganz persönlicher Sicht eine besondere Bedeutung. „Am Weberbrunnen und im Bereich der Pförtener Straße 28 und 30 begann das ‚Märchen‘ von Ingrid und Wolfgang. Seit dem vierten Lebensjahr (1940) spielten wir beide zusammen mit ihren Puppen vor der Haustür und auf dem Hof. Der Tuchmacherbrunnen festigte unser Kinderfreundschaft. Wir gaben uns hier das Versprechen, wenn wir einmal groß und alt wie unsere Eltern sind, gründen wir eine Familie. Der Krieg trennte uns jedoch. Nach der Rückkehr von der Flucht lebten wir nicht weit voneinander getrennt. Sie in der Straße des Friedens 82 und ich in der Fruchtstraße 18, besuchten sogar dieselbe Schule in der Frankfurter Straße. Sie ging aber ins gelbe, ich ins rote Schulgebäude. Auch unsere Mütter trafen sich nie. Erst 1959 durch das Turn- und Sportfest in Leipzig trafen wir uns wieder, 14 Jahre nach unserer Trennung. Auf der Wehrinsel war Tanz, mein Freund bat mich, mitzukommen, denn er möchte gern mit seiner Freundin schöne Stunden verleben. Sie hätte aber ihre Freundin dabei, um die ich mich ‘kümmern’ sollte. Zögernd sagte ich zu. Als wir uns gegenüber standen, sahen wir uns in die Augen und erkannten uns sofort wieder. Sie war meine kleine Freundin, herangereift zu einer hübschen, jungen Frau. Von diesem Tag an blieben wir zusammen und teilten Freud und Leid miteinander, bis zum Jahre 2009, als der Tod sie mir wieder nahm. Zwei Jahre später hätten wir Goldene Hochzeit gefeiert. In dem Pflegeheim am Heinrich-Heine-Damm arbeitete die Frau des älteren Bruders meines Vaters, eine meiner Lieblingstanten, Lotte Schenk, geborene Foth.“ Unser Wochengewinner heißt diesmal Heinz Lüdecke.
Herzlichen Glückwunsch!


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