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Bei Lausitz-Machern nachgefragt

3. Juli 2015 | Von | Kategorie: Region | | Teilen

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Spremberg ist die Perle der Lausitz. Die schmucke Stadt an der Spree hat neben der Landschaft aber auch Industriearbeitsplätze zu bieten. Als regionaler Wachstumskern mit dem Industriegebiet Schwarze Pumpe ist sie beliebter Arbeits- und Wohnort zugleich Foto: M. Klinkmüller

Fünf Bürgermeister haben 25 Argumente für ihr LAUSITZ LOHNT SICH::
Region (mk). Bürgermeister sind die besten Heimat-Kenner. Fünfen stellten wir je fünf Fragen.
Das sind ihre Argumente für die Lausitz:
SPREMBERG
Frau Herntier, Sprechstunde im Rathaus. Ein Schulabgänger will die Region verlassen. Er ist aber offen für Argumente zum Bleiben. Haben Sie welche?
C. HERNTIER: Aufgrund des demografischen Wandels gibt es in der Lausitz gute Entwicklungschancen; überall werden gut ausgebildete Fachkräfte benötigt. Durch die Erholungs- und Freizeitmöglichkeiten im Lausitzer Seenland wird die gesamte Region zunehmend attraktiver. Aufgrund der günstigen Lage von Spremberg bestehen gute Verkehrsanbindungen nach Dresden, Cottbus und Berlin.
Zum Wochenende hat sich Besuch angekündigt. Ein Ausflugsziel in der Region, mit dem Sie auf jeden Fall punkten werden heißt wie?
Muskauer Park und Branitz ganz klar für mich!
Wenn Sie drei Bauwerke aus anderen Städten der Lausitz nach Spremberg kopieren könnten, welche wären das?
Die Slawenburg Raddusch, das Kloster St. Marienstern und den Saurierpark Kleinwelka.
Welcher Lausitzer prägte aus ihrer Sicht die Region wie kein anderer?
Der in Horka geborene Schriftsteller Jurij Koch hat mit vielen seiner Werke die Situation der Braunkohlegewinnung und die damit verbundene Umsiedlung der Menschen und den Landschaftswandel in der Lausitz mit allem Für und Wider beschrieben.
Thema Strukturwandel. Welche Industrieansiedlung wäre aus ihrer Sicht möglich?
Die Erweiterung der Papierfabrik mit der zweiten Papiermaschine, die Anwendung neuer Technologien zur Rekultivierung der Tagebauflächen und Beseitigung von Bergbaufolgeschäden, die Anwendung moderner Technologien zur stofflichen Verwertung der Braunkohle.
VETSCHAU
Herr Kanzler, schwimmende Häuser, Slawenburg, Schlossensemble oder die Doppelkirche gehören zu den Attraktionen der Stadt. Ist eine davon zugleich Ihr Lieblingsort?
B. KANZLER: Einen Lieblingsort direkt habe ich nicht. Dafür ist die Stadt mit ihren Ortsteilen und der Landschaft viel zu schön. So bin ich gern am Gräbendorfer See. Aber ich muss zugeben: Ich arbeite nicht nur gern im Schloss, sondern halte mich auch sehr gern im Schlosspark auf. Er ist eine echte Perle.
Wenn Sie drei Bauwerke aus anderen Städten der Lausitz nach Vetschau kopieren könnten, welche wären das?
Schloss und Park Branitz, Krabat-Mühle Schwarzkollm und der Aussichtsturm des Erlebnisparks Teichland.
„Tor zum Spreewald“, „Stadt mit Energie“ und aktuell: „Zwischen Spreewald und Seenland“. Vetschau ändert seine Beinamen gerne. Woher kommt diese Wechselfreude?
Wechselfreude kann man das nicht nennen. Die nichtamtlichen Bezeichnungen wurden immer zukunftsorientiert und zudem kreativ den jeweiligen Gegebenheiten angepasst. Energie spielt in Vetschau zwar auch weiterhin eine Rolle, jedoch ist es die Schnittstelle zwischen dem Spreewald und dem entstehenden Lausitzer Seenland wert, in einem Logo benannt zu werden.
Seenland und Spreewald stehen vordergründig für Tourismus. Wie wichtig ist es für die Stadt, auf diese Zugpferde zu setzen?
Sehr wichtig. Der Tourismus wird zwar künftig nicht die allein entscheidende Rolle spielen, jedoch wird er sich auch im Seenland und somit am Gräbendorfer See deutlich entwickeln. Dort liegt Potenzial, welches es zu heben gilt. So wird aktuell mit dem im Bau befindlichen Radweg zwischen Suschow und Müschen  Infrastruktur Richtung Spreewald weiter verbessert.
Welcher Lausitzer prägte aus Ihrer Sicht die Region wie kein anderer?
Fürst Hermann von Pückler-Muskau.
GUBEN
Herr Mahro, Guben nennt sich „Europäische Doppelstadt“, schließlich ist es die einzige Stadt in zwei Staaten. Wie wächst sie wirklich zu EINER Stadt zusammen?
F. MAHRO: Das liegt in erster Linie zunächst an der Einstellung der Einwohner in Guben und Gubin selbst. Wenn wir uns in allen Lebenslagen für einander interessieren, wird der Prozess des Zusammenwachsens weiter fortgesetzt. In der jüngsten Vergangenheit haben es gerade die Unternehmen in Guben für sich erkannt. Die Politik auf europäischer und kommunaler Ebene kann nur den Rahmen gestalten.
Fühlen Sie sich selbst als (zweisprachiger) „Doppelstädter“?
Natürlich interessiere ich mich aufgrund meiner Beschäftigung, aber auch aus persönlichem Antrieb heraus, für unsere Gubiner Nachbarn. Bisher bin ich dabei auch ohne gute Kenntnisse der polnischen Sprache vorangekommen. Also sehe ich mich eher als „Doppelstädter in Europa“.
Welcher Lausitzer prägte aus Ihrer Sicht die Region wie kein anderer?
Das auf einen Namen zu fokussieren, fällt mir schwer. Die Menschen, die hier geboren sind, hier aufwachsen und leben, prägen unsere Region. Diesen Stolz haben wir einfach.
Auf welche Art von Industrieansiedlung hoffen Sie?
Den notwendigen Strukturwandel, den die Braunkohle noch vor sich hat, haben wir in der Kunst-  und Faserproduktion unmittelbar nach der Wende erlebt. Die Landesregierung würde gut daran tun, wenn man solche Industriegebiete, wie wir es hier vorweisen können, strategisch in diesen Wandel einbezieht.
Wie überzeugen Sie Schulabgänger, hier zu bleiben?
Zunächst würde ich mir die Motivation des Schülers in dieser Entscheidung anhören. Sicherlich würde es mir nicht gelingen, einen angehenden Studenten, sofern er nicht in Cottbus oder Frankfurt/Oder studiert, vom (zeitweisen) Weggang aus Guben abzuhalten. Sofern er oder sie aber auf der Suche nach einer Lehrstelle ist, würde ich versuchen hier zu vermitteln.
SENFTENBERG
Herr Fredrich, was vor allem verbinden Sie mit Ihren vielen Jahren in der Seestadt?
A. FREDRICH: Ich verbinde mit diesem „viertel Jahrhundert“ die Erfahrung, in der Lausitz viele tolle Menschen kennengelernt zu haben. Da waren unwahrscheinlich viele unvergessliche Begegnungen dabei. Das Schöne ist: Wir haben gemeinsam die positive Entwicklung der Stadt vorangetrieben und ich konnte dabei mitgestalten, das macht mich persönlich natürlich auch etwas stolz.
Wenn Ihnen durch eine glücklich Fügung eine unbegrenzte Menge finanzieller Mittel zur Verfügung stehen würde, wofür würden Sie die einsetzen?
Ich würde zuallererst die Kluft zwischen Arm und Reich weiter verkleinern, die durchaus eine nicht unbedeutende Rolle in unserer Gesellschaft spielt. Außerdem würde ich, wenn ich mehr Geld zur Verfügung hätte, die Chancengleichheit für alle Kinder und Bürger verbessern. Bildung ist ein ganz wichtiges Gut. Kitas und Schulen auf dem aktuellen Level und darüber hinaus zu halten ist wichtig. Genauso wie Begegnungsstätten für alle Generationen vorzuhalten, auch das sollte eine Selbstverständlichkeit sein.
Wenn Sie drei Bauwerke aus anderen Städten der Lausitz nach Senftenberg kopieren könnten, welche wären das?
Also ehrlich gesagt haben wir genug eigene schöne Bauwerke. Wenn ich an den Stadthafen, die Landmarke, die schick sanierte Innenstadt, das Schloss und vieles andere mehr denke. Das alles sind ja Bauwerke, um die uns mittlerweile viele andere Regionen in Deutschland auch beneiden. Für neue Bauwerke würde ich also kein Geld ausgeben, sondern wenn, dann lieber für die weitere Verbesserung der Infrastruktur für die Menschen in der Region.
SENFTENBERG
Welcher Lausitzer prägte aus ihrer Sicht die Region wie kein anderer?
Da fallen mir natürlich sofort der Landschaftsgestalter Otto Rindt und seine Mitstreiter ein, die unsagbar viel für die Entwicklung des Seenlandes getan haben.
Ja, und aus jüngster Vergangenheit natürlich die IBA mit Prof. Rolf Kuhn und seinem Team, ohne die in den letzten Jahren viele Highlights und Ausflugsziele in der Region nicht möglich gewesen und entstanden wären.
Der Lausitz steht ein erneuter Strukturwandel bevor. Welche Industrieansiedlung wäre aus ihrer Sicht möglich?
Na, zunächst geht es natürlich in erster Linie darum, die Braunkohleförderung und -verstromung zu erhalten. Ohne diesen Wirtschaftsfaktor sieht es in der Region eher schlecht aus. Für uns in Senftenberg ist des Weiteren wichtig, die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg noch intensiver zu stärken und die Wirtschaft mit der Uni weiter zu vernetzen. Und da  Kleinbetriebe und der Mittelstand in der Lausitz einen Großteil der Arbeitsplätze sichern, wollen wir diesen immer weiter stärken und auch noch vermehrter in den Mittelpunkt rücken.
FORST
Herr Wesemann, Sie hatten trotz ihres jungen Alters den Mut, als Bürgermeister zu kandidieren. Fehlt der Jugend der Region dieser Mut, große Aufgaben anzupacken?
Das kann ich nicht pauschal sagen. Ich kenne viele junge Menschen mit unterschiedlichen interessanten Biografien und Berufen, die schon früh etwas erreicht haben und Vorbild für die Jugend generell sein und Achtung von den Älteren erfahren können.
Aber ich denke schon: Mut brauchen Jugendliche, wenn sie in der Region bleiben oder wieder zurückkommen wollen. Eine wichtige Rolle spielen da auch Heimatverbundenheit und Herzblut.
Stellen Sie sich vor, ich bin Radreisender und frage nach einem Ort, den man in Forst – neben dem Rosengarten – aus ihrer Sicht auf jeden Fall gesehen haben muss. Welcher Ort ist das und warum?
Da würde ich nicht nur einen Ort nennen. Wenn es kulturell sein darf? Dann empfehle ich zum Beispiel gern das Brandenburgische Textilmuseum oder das Archiv verschwundener Orte.
Für sportliche Aktivitäten und wenn es warm ist? Vielleicht eine Abkühlung in unserem schönen Freibad. Wer aber doch eher ursprüngliche Natur genießen möchte ganz in Ruhe? Dann ist der Euloer Bruch mit der stillen, wundervollen Landschaft oder eine Bootstour auf der Neiße genau richtig.
Welcher Lausitzer prägte aus Ihrer Sicht die Region wie kein anderer?
Aus meiner Sicht sind das Fürst Pückler und Graf Brühl.

Der Lausitz steht ein erneuter Strukturwandel bevor. Welche Industrieansiedlung wäre aus ihrer Sicht möglich und wünschenswert?
Ein erneuter Strukturwandel? Nein! Ich teile auch die Auffassung, dass wir seit 1990 mitten im Strukturwandel sind. Wichtig ist, dass wir die Braunkohlenverstromung noch weiterhin als Brückentechnologie sehen. Viele Forster Unternehmen sind vom Tagebau und Vattenfall abhängig – daher müssen wir Technologien zulassen, die eine CO2 neutralere Verstromung von Braunkohle vorsehen.

Muss sich ein Rosenstadt-Bürgermeister mit der Königin der Blumen fachlich auskennen?
Grundsätzlich denke ich, ein solides Grundwissen schadet nicht, und ich gebe gern zu, dass meine Kenntnisse in dieser Frage noch etwas ausbaufähig sind. Da bin ich schon froh, dass mich so viele kompetente Fachkräfte umgeben. Leider habe ich keinen Garten, in dem ich Rosen anpflanzen kann. Meine Lieblingssorte ist der „Forster Rosentraum“ und dies liegt nicht nur am Amt.

Allen fünf Bürgermeistern danken wir herzlich für diese informative Fünfundzwanzig.


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