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Forst: Ulbricht kritisiert Webstühle

28. Oktober 2016 | Von | Kategorie: Forst & Döbern | | Teilen

Forster Museum zeigt Filmreihe zum Brandenburger Handwerk

Forst (mk). Das Land Brandenburg besitzt ein reiches Erbe an traditionellem Handwerk und industriellen Fertigungstechniken, deren Standorte einerseits auf hier vorhandenen Rohstoffen und Ressourcen – wie Holz, Kalkstein, Tonerde und Wasser – beruhen und andererseits auf die Lage von wichtigen Abnehmern und Kundenhäufungen – hier vor allem die Stadt Berlin – zurückgehen. Ofenkacheln aus Velten, Tuche aus Forst, Denkmalskulpturen aus Lauchhammer, Glas aus Baruth und nicht zuletzt Filme aus Potsdam-Babelsberg waren und sind Begriffe für wirtschaftlichen Erfolg und Qualitätsarbeit, die heute zumeist in Spezialmuseen an den ehemaligen Produktionsstandorten wach gehalten werden. Die oftmals einzige Möglichkeit, die Produktionsprozesse und das soziale Miteinander im Werk nachzuerleben, bieten Filmaufnahmen.
Ulbricht kommt
Im Februar 1961 besucht Walter Ulbricht die Forster Feintuchwerke. Vor laufender Kamera kritisiert er zu langsame Webstühle. Zweieinhalb Jahre später ist ein Greiferschützenwebautomat entwickelt – der Erfolg wird in der TV-Sendung „Sehen, denken, urteilen“ gefeiert. Auch abseits solcher Kampagnen sind Filme über die Textilindustrie von der Maschinenfertigung geprägt. Arbeiterinnen kontrollieren und programmieren, nähen nicht mehr von Hand. In „Präsent“ über das Textilkombinat Cottbus üben sie sich gar als Mannequins. Mode aus Kunstfasern wird zum zeitgemäßen Hit erklärt.
Zerstörte Industrie
Das 1945 zu 88 Prozent zerstörte „deutsche Manchester“ Forst zeigt auch noch zur 700-Jahrfeier Narben des Krieges („700-jährige Stadt Forst“), später schaffen Verstaatlichungen und Zentralisierungen völlig neue Strukturen in der Textilbranche. Die Re-Privatisierung ab 1990 verläuft dabei nicht ohne Tücken, wie ein längerer Prisma-Fernsehbeitrag mit dem damaligen Wirtschaftsminister Dr. Pohl aufdeckt. Diese und weitere Filme sind am 12. November 2016 um 16 Uhr im Museum in der Sorauer Straße zu sehen. Karten zum Preis von 3 Euro können ab sofort im Brandenburgischen Textilmuseum Forst sowie im Gutenberg-Haus erworben werden.


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