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Schulz soll’s jetzt richten

27. Januar 2017 | Von | Kategorie: Kommentar | | Teilen

Bedeutende Nachrichten stolpern manchmal ins Leben, so wie die damals vom Mauerfall. Noch-SPD-Chef Gabriel verhaspelte sich in seinem Interview-Eifer, und nun ist’s verfrüht raus: Er geht, Schulz kommt.
Hier in der Lausitz wurde die Botschaft unterschiedlich aufgenommen. Wirtschaftslenker waren mit Gabriel ganz gut im Gespräch; der taucht jetzt außenpolitisch unter und wird im Kabinett einer künftig möglichen Großen Koalition wohl gar nicht mehr vorkommen.
Nun also Martin Schulz. Ein wahrer Politakrobat. Ohne Abi schaffte er es vom Würselner Kleinstadt-Bürgermeister direkt ins EU-Parlament und dort auf den Präsidentenposten. Dabei ist seine rhetorische Gabe, wie das Kandidatendebüt vor der Presse am Dienstagabend zeigte, bei flachem Wortschatz eher kümmerlich.
Die knapp 20-Prozent-SPD erhofft sich mit ihm Aufwind. Das könnte gelingen, falls das Projekt nicht mit fatalem Schwindel startet. Schulz, heißt es, könne „unbeschwert“ wahlkämpfen, weil er keine Regierungsverantwortung mitträgt. Wahr ist: Hier tritt ein Mann des Establishments an, kein Außenseiter. Hannelore Kraft erinnerte im Deutschlandfunk: Schulz gehört seit Jahren zum engsten Führungskreis der SPD und trägt jede einzelne Entscheidung mit. Schön, wenn er dazu steht. Konsequent gegen Populisten und Halbwahrheitler aufzutreten, reicht nicht als Referenz, denn das ist nur das Mindeste, was erwartet werden darf.
Die Lausitzer sind gespannt auf Ideen für ein grabenfreies Deutschland. Möge hinter sozialdemokratischer  Schulz-Euphorie mehr stecken als lediglich die Erleichterung, den phlegmatischen  Siegmar nach sieben Leidensjahren los zu sein.

Sie erreichen den Autor: j.heinrich@cga-verlag.de


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