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Sie kommen wieder

17. Februar 2017 | Von | Kategorie: Kommentar | | Teilen

Es war ein herrlicher Tag, dieser 15. Februar. Praller Sonnenschein. Geradezu plötzlich blühten die Schneeglöckchen. Frühlingsahnen!
Ganz genau so wurde von den Älteren jener 15. Februar 1945 in Cottbus beschrieben. Gleißende Sonne, Frühlingsmilde und – Inferno. Die bejahrte Frau, diesen Mittwoch abends an der Einmündung zur Wernerstraße, hatte ihre Cousine, Krankenschwester im Bahnhofsdienst,  und die Wohnung in der Drebkauer Straße verloren. Immer am 15. Februar denkt sie daran, immer war sie auch auf der Straße, immer gegen die Rechten. Als jetzt im Blaulichtflimmern bei Karnevalsmusik der Demonstrationszug anrückte, sagte sie: „Ich weiß nicht… es kommt immer näher…“ Sie meinte nicht das Trommeln und Rufen hier auf der Straße, sie meinte die Kriege. All diese Kriege aus den täglichen Nachrichten.
Cottbus sei nazifrei, hieß es. Aber das stimmt nicht. Eine ganz junge Rednerin sagte: Sie kommen wieder, und wir werden nicht aufhören, uns zu wehren. Richtig so!
Einige Nazis zu vertreiben, wäre leicht. Aber eigentlich wollen die Cottbuser und auch alle anderen Lausitzer niemanden verjagen, ausgrenzen, verurteilen, beschimpfen. Das alles hat es zur Genüge gegeben. Es geht darum, die Menschen mitzunehmen, besonders die jungen. Und auch den Taxifahrer, von dem BTU-Präsident Steinbach hier erzählte. Den Mann, der die Schnauze voll hat, weil er sich für seinen Jungen keinen Führerschein leisten kann, während es Asylbewerbern offenbar an nichts fehlt. Wenn das nicht zu erklären ist, helfen auch große Transparente und laute Musik nicht. Das herrliche Blühen in diesen Vorfrühlingstagen, es bleibt nur Hoffnung, keine Garantie.

   Sie erreichen den Autor: j.heinrich@cga-verlag.de


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