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Schwarze Pumpe: Spezialisten, die (fast) alles können

23. Juni 2017 | Von | Kategorie: Spremberg | | Teilen

Lothar Hopka präsentiert hier das Turbo-Löschfahrzeug, das es in dieser Form in der Lausitz kein zweites Mal geben dürfte
Foto: T. Richter-Zippack

LEAG-Werkfeuerwehr organisiert Brandschutz in Tagebauen & Kraftwerken.

Schwarze Pumpe (trz). Sie ist immer vor Ort, wenn Menschen in Gefahr sind. Wenn die Produktion ins Stocken gerät. Und wenn Spezialtechnik sowie Spezialisten vonnöten sind. Die Werkfeuerwehr der LEAG gilt als „Mädchen für alles“. So bezeichnet zumindest Leiter Hartmut Bastisch sein Team. Die LEAG-Werkfeuerwehr ist an den Standorten Schwarze Pumpe/Welzow, Jänschwalde und Boxberg tätig. Brandenburgweit, so berichtet Bastisch, gibt es insgesamt zwölf Werkfeuerwehren, die der LEAG zählt zu den größten und bedeutendsten. Die Hauptfeuerwache befindet sich im Industriepark Schwarze Pumpe. Dort steht auch jene Technik bereit, über die „normale“ Feuerwehren in aller Regel nicht verfügen. Denn wer hat schon ein Fahrzeug mit einem Personenkorb an einem Teleskopmast, der bis in eine Höhe von 52 Metern ausgefahren werden kann? „Damit kommen wir auch an die wichtigsten Stellen der Förderbrücke F 60“, erzählt Hartmut Bastisch. Oder ein Abgaslösch-Fahrzeug? Das mittels seiner Abgas-Turbine gewaltige Kräfte entwickeln kann, unter anderem einen gigantischen Wasserdruck, vor dem jedes Feuer kapitulieren muss.

 

250 Brände im Jahr

 

Auf rund 8500 Einsätze kommt die „Kohle-Feuerwehr“, wie das Gremium gern auch genannt wird, jedes Jahr. Davon entfallen um die 250 Alarmierungen auf Brände. Der Großteil der Alltagsarbeit besteht aber vor allem aus technischen Hilfeleistungen, des Weiteren aus Überwachungsmaßnahmen, beispielsweise bei Schweißarbeiten. Hinzu kommt Unterstützung für Einsätze Freiwilliger Feuerwehren in der Region, falls deren Kräfte nicht ausreichen oder die benötigte Spezialtechnik nicht vor Ort ist.
Fragt man Hartmut Bastisch nach dem letzten Großbrand, den seine Männer löschen mussten, kommt der Feuerwehrchef sofort auf den Trafo-Brand im Kraftwerk Jänschwalde zu sprechen. Am 8. Juli 2015 hatte es im Block B ordentlich gequalmt. Schnell waren die Feuerwehrleute vor Ort und machten den Flammen den Garaus. „Wir haben dafür nur 20 Minuten benötigt“, sagt Bastisch.

 

Schwerpunkt B 97

 

Schlimmer seien da schon diverse Verkehrsunfälle, zu denen die Werkfeuerwehr hinzu gezogen wird. Insbesondere dann, wenn Menschen auf der Straße ihr Leben verloren haben. Als besonderen Schwerpunkt benennt Hartmut Bastisch die B 97 von Cottbus über Spremberg in Richtung Hoyerswerda.
Lothar Hopka ist der engste Vertraute von Hartmut Bastisch. Der Leiter der LEAG-Hauptfeuerwache blickt inzwischen auf 34 Jahre Werkfeuerwehr in Schwarze Pumpe zurück. Zuvor war der Terpsche als Brandursachenermittler vom Bezirk Cottbus tätig. Das Besondere an Lothar Hopka: Der Feuerwehrmann mit Leib und Seele ist Inhaber von rund einem halben Dutzend Patenten. Beispielsweise entwickelte Hopka eine Knickleiter als Aufstiegshilfe speziell für Kohlezüge. Oder einen Explosionssimulator, der eine bis zu fünf Meter hohe Flamme erzeugen kann. „Damit“, so erklärt Lothar Hopka, „zeigen wir, wie viel gespeicherte Sonnenenergie in unserer Kohle steckt“. Am 31. Juli 2017 geht das Berufsleben des 63-Jährigen zu Ende. Nachfolger wird der Bohsdorfer Edgar Maetschke.
Wer indes bei der LEAG-Werkfeuerwehr anfangen möchte, muss sich an einer entsprechenden Ausschreibung beteiligen. Voraussetzung ist ein Facharbeiterbrief bei der LEAG. Als anspruchsvoll gilt indes der Sporttest. „Viele Bewerber scheitern entweder am 3000-Meter-Lauf oder aber an den geforderten Klimmzügen“, weiß Hartmut Bastisch. Über Mangel an Nachwuchs kann sich die Wehr nicht beklagen. In den vergangenen Jahren konnte sogar das Durchschnittsalter der Kameraden gesenkt werden. Es bewegt sich jetzt bei rund 40 Jahren.

 

Blumen für Kameraden

 

Sorgen bereitet den Feuerwehrleuten, dass bei Einsätzen immer öfter Gaffer die Arbeit behindern. Manche „Zaungäste“ würden gegenüber den Kameraden richtig boshaft auftreten.
Aber es gibt eben auch genügend positive Reaktionen auf die Arbeit der Kameraden. Beispielsweise vor rund zehn Jahren der Blumenstrauß der bei einem Unfall schwer verletzten Lokführerin, die von der Werkfeuerwehr gerettet worden war. „Das ging sogar uns gestandenen Feuerwehrleuten nahe“, bekennt Hartmut Bastisch.


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