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Marganer dürfen Doppeljubiläum feiern

14. Juli 2017 | Von | Kategorie: Senftenberg & Seenland | | Teilen

Das einstige Ilse-Kaufhaus wurde in den Jahren von 1910 bis 1912 erbaut. Dort gab es neben Waren des täglichen Bedarfs auch Schreibwaren, Kleidung und Teppiche. Heute wird dort die Geschichte der Gartenstadt präsentiert. Zudem gibt es ein Sozialkaufhaus Fotos: T. Richter-Zippack

Ein Streifzug durch Geschichte und Gegenwart der ersten deutschen Gartenstadt.

Brieske (trz). Zwei kleine Jubiläen gibt es in diesem Jahr in der Gartenstadt Marga: Vor 111 Jahren wurde der Tagebau Grube Marga westlich von Senftenberg aufgeschlossen. Und 110 Jahren sind inzwischen ins Land gegangen, als die erste deutsche Gartenstadt begründet wurde. Benannt wurde das vom Architekten Georg Heinsius von Mayenburg (1870 – 1930) entworfene Ensemble direkt neben dem neuen Tagebau nach Marga Schumann. Sie war die bereits als Kind verstorbene Tochter des langjährigen Direktors der Ilse Bergbau AG, Gottlob Schumann (1860 – 1929). Schumann, der von einem Klettwitzer Bauerngehöft stammte, hatte es durch Fleiß und Wissen fertiggebracht, sich bis in die Chefetage eines der größten deutschen Bergbauunternehmen vorzuarbeiten.
Bis Ende 1914 erfolgte der planmäßige Aufbau der Werkssiedlung als Wohnstätte für Arbeiter und Beamte der Ilse AG. Insgesamt entstanden knapp 80 Häuser in 15 verschiedenen Typen. Angelehnt ist die Architektur an den späten Jugendstil mit seinen verspielt-verschnörkelten Elementen.

 

Mittelpunkt Marktplatz


Der markante
Turm der Briesker Martin-Luther-Kirche ist in der Gartenstadt von fast überall zu sehen. Mit der Vollendung des Gotteshauses war auch die Gartenstadt weitestgehend komplett

 

Den Mittelpunkt der Gartenstadt bildet der große Marktplatz. Rund um die Fläche gruppieren sich alle wichtigen öffentlichen Gebäude, nämlich das Restaurant „Kaiserkrone“, das Kaufhaus, die Schule sowie die kurz vor Weihnachten 1914 vollendete Martin-Luther-Kirche.
Aus der Vogelperspektive betrachtet besitzt die Gartenstadt einen kreisförmigen Grundriss. Fast alle Straßen sind von noch heute erhaltenen Alleen geprägt, die gerade jetzt an heißen Sommertagen für wohligen Schatten sorgen. An den Gebäuden begeistern unter anderem Torbögen, Mansardendächer, kleine Türmchen und manches mehr.
Zu DDR-Zeiten bot Marga ein trauriges Bild. Die meisten Gebäude verfielen. Bewohnt waren sie nicht selten von sozial problematischen Personen. Im Jahr 1985 wurde das Ensemble unter Denkmalschutz gestellt.
Um die Jahrtausendwende ist die Gartenstadt umfassend saniert worden, zwischen 2002 und 2006 folgte die komplette Infrastruktur. Hauptziel bildete die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes aufgrund ihres einzigartigen Ensemble-Charakters und des besonderen Denkmalwertes. Insgesamt wurden in die Gartenstadt knapp zehn Millionen Euro investiert, davon trug die Stadt Senftenberg ein Zehntel. In der Summe sind Fördermittel, die die damalige TLG Immobilien AG als Eigentümerin der meisten Wohnhäuser in Anspruch genommen hat, noch nicht mit eingerechnet. Knapp 80 Häuser wurden hergerichtet und fast 400 Wohnungen modernisiert.
Aufgrund der umfangreichen Baumaßnahmen musste hier und dort in die Wurzeln und Kronen der etwa 100 Jahre alten Bäume eingeriffen werden, sodass sich deren Lebenserwartung deutlich reduzierte. Das wiederum hatte mehrere Fällungen zur Folge.

 

Alte Bäume erhalten

Wie es sich für eine Gartenstadt gehört, besticht auch Marga mit viel Grün und schattigen Gärten

 

Jetzt wurde eine Erhaltungskonzeption für die verbliebenen Großbäume in der Gartenstadt erstellt. Die Erstpräsentation erfolgt am 28. August im Briesker Ortsbeirat, anschließend im Senftenberger Bauausschuss, teilt Stadtsprecher Andreas Groebe mit. Nachpflanzungen sollen demnach abschnittsweise erfolgen.
Darüber hinaus ist Marga ein interessanter Gewerbestandort. Innerhalb des „grünen Ringes“, der die Gartenstadt äußerlich begrenzt, gibt es derzeit 16 aktive Unternehmen, davon zehn Dienstleister und drei Handelsbetriebe. Allerdings, so lautet der Wunsch vieler Marganer, wäre ein neuer Bäcker sehr gefragt. Das bisherige Geschäft musste aufgeben.


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