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Im Palast der Kings of Scotland

22. September 2017 | Von | Kategorie: Reise | | Teilen

Stirling Castle. Den Palast links ließ Jacob V. in der Mitte des für diese Burg bedeutenden 16. Jahrhunderts bauen und schmücken

In den Hafen Leith von Edinbourg geraten wir durch eine enge Schleuse. Wir bekommen einen Liegeplatz neben der königlichen Yacht „Britannia“ zugewiesen. Die repräsentiert nur noch museal. Über der schottischen Hauptstadt (seit dem 15.Jh.) erhebt sich das Schloss. Es ist jener Ort, an dem Maria Stuart ihren Sohn Jacob (englisch: James) bekam, der schon als Säugling König von Schottland und 1603 auch König von England wurde.
Das 60 Meter hohe Denkmal für den Dichter Sir Walter Scott und viele andere Attraktionen dieser prächtigen Stadt lassen wir liegen, um direkt ins etwa 30 Kilometer entfernte Stirling zu kommen. Die alte Königsstadt bildet historisch wie architektonisch ein einheitliches Ensemble mit Stirling Castle hoch oben auf dem Felsen. Den Besucher grüßen zunächst malerisch unten am Burggraben auf satten Wiesen die zottigen Schottenrinder. Stattliche Bauten stehen am Weg zum Schloss, darunter auch die evangelische Kirche, zweitältester Bau des Ensembles, 1567 unter Stuart-Sohn Jacob nach einem Brand in heutiger Form errichtet.
Das „schottische Schicksalsschloss“ steht grau und würdig auf dem Fels. Robert the Bruce bewacht auf seinem Denkmalsockel den Eingang. 1299 hatte er die Burg von den Engländern zurück erobert. Aber das war nicht der erste und schon gar nicht der letzte Wechsel zwischen diesen Fronten. Von 1100 bis 1685 war die Burg, wenn nicht gerade englisch besetzt, Hauptresidenz der schottischen Könige. Wirklichen Glanz bekam sie für ein knappes Jahrhundert mit Jacob IV., der sie ab 1496 ausbaute. Die Große Halle entstand 1501-04 im Renaissance-Stil. Sie war der Ort spektakulärer Hofhaltung und auch der Krönung Maria Stuarts (9.9.1543). Erst in allerjüngster Zeit wurde sie in ihren historischen Zustand zurück versetzt. In den Jahrhunderten dazwischen war sie, wie die ganze Schlossanlage, nur ein

Die Große Halle erlebte spektakuläre Banketts. Zum Gelage für 500 Gäste fuhr ein fünf Meter langes Schiff mit erlesensten Speisen in den Saal. Das Ereignis ist im Gemälde überliefert

Regimentshauptquartier. Noch vor wenigen Jahrzehnten waren sogar Zwischengeschosse für Soldatenunterkünfte in diese einzigartige Stätte der Weltgeschichte eingezogen. Eine britische Merkwürdigkeit, die nun in solider Qualität korrigiert ist. Vielleicht auch deshalb, weil in Erinnerung kam, dass der letzte hier herrschende schottische und zugleich englische König Jacob I. den Begriff „Großbritannien“ in den Sprachgebrauch brachte und auch den „Junion Jack“, die stolze Flagge, ins Leben rief.
Den Palast mit seiner Figurenfülle ließ sein Vor-Vorgänger Jacob V. ab 1530 bauen. Dabei entstanden für den Audienzsaal auch die eigenwilligen „Stirling Heads“, kreisrunde Porträts im Halbrelief, die respektlos von der ganzen Saaldecke herabblicken.
All diese Pracht in der schottischen Provinz blieb lange kaum beachtet. Sehr zu Unrecht. Stirling Castle erlebt gerade eine neue, jetzt touristische Glanzzeit.
Durch die zerfurchten Schlachtfelder von einst nehmen wir unseren Rückweg auf heute erstklassigen Fahrstraßen durch hüglige Landschaft. Bald taucht Edinbourgh wieder am Horizont auf. Neben den Spannseilen einer alten und einer neuen, noch nicht in Betrieb genommenen Straßenbrücke ragen die eisernen Bogen einer zweigleisigen Eisenbahnbrücke auf, die den Forth-River mit spektakulärer Spannweite überwindet. Erbaut worden ist dieses technische Wunder ab 1882. Die Brücke erstreckt sich über 2 529 Meter; der größte Abstand zwischen zwei Stützen beträgt 521 Meter. Das war bei Inbetriebnahme im Jahre1890 (und noch bis 1919) Weltrekord! Trotzdem dauerte es noch bis 2015, bis das Bauwerk auf die Liste des UNESCO-Erbes kam. Und uns will scheinen, wir haben die eisernen Bogen auch auf der englischen Fünf-Pfund-Note entdeckt.
Bei der abendlichen Ausfahrt aus dem Hafen gehen die Lichter der Stadt Edinburgh an, und in der Ferne sehen wir noch immer die drei Brücken, die den Fluss an seiner breiten Mündung überspannen. Wir nehmen Kurs nach Süden und können also nicht mehr lange in Schottland verweilen. Ein letztes Mal legen wir, nun wieder „gefährlich“ grenznah, in dem nordbritannischen Land an.
Nächste Folge: Im Hafen der stolzen Schmuggler

Blick vom Castle Hill auf die geschichtsträchtige Stadt Stirling mit der Kirche von 1567 und dem historischen Friedhof


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