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Spremberg: „Kippen-Paule“ ist auf Achse

22. September 2017 | Von | Kategorie: Bilder aus dem alten Spremberg | | Teilen

Richtig war natürlich Antwort B – Wir hatten in unserer letzten Ausgabe die Dresdener Straße gesucht

Leser erinnern sich an die Dresdener Straße im Herzen von Spremberg.

Mehrere Leser haben die richtige Lösung zu unserem Rätselbild der vergangenen Woche gewusst. Dazu gehört auch Margrit Muladshikow. Sie schreibt folgendes: „Als ich die Zeitung aufschlug, traute ich meinen Augen nicht. Mitten auf der Straße steht Paul Debri, genannt ‘Kippen-Paule’, mit seinem legendären Handwagen. Es gibt tatsächlich ein Foto von ihm! Er ist ein Spremberger Original und war dafür bekannt, dass er sich aus dem Tabak gesammelter Zigarettenstummel seine Pfeife stopfte, die er dann genüsslich an seinen Wagen gelehnt auf unserem Hof Karl-Marx-Str. 69 rauchte. Er wurde sogar von Strittmatter in seiner Wohnung (unten zum Hof hinaus) besucht und kommt im Roman ‘Der Laden’ und auch in dessen Verfilmung vor. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich durch Kurierfahrten und Transporte von Waren für die Geschäfte. Am berühmtesten war er für die Abholung neuer und den Austausch bereits gespielter Filmrollen von den Kinos zum Bahnhof und zurück. Damit es schneller ging und die Rollen pünktlich zur Vorstellung laufen konnten, setzte er sich den Georgenberg hinunter auf den Handwagen und steuerte ihn halsbrecherisch mit der Deichsel zwischen seinen Füßen (das ist auch eine Szene im Film).
Meist fuhr er Waren für ‘Tengelmann’. Auf dem Rätselbild sieht man seine zierliche kleine Gestalt
in der viel zu weiten Eisenbahneruniform. Es ist sensationell, dass solches Foto von ihm existiert. Links machen gerade einige Eisenbahner von der um die Ecke stehenden Stadtbahn Pause und holen sich aus der Bäckerei eine Stärkung.Wahrscheinlich werden bei dieser Gelegenheit auch wieder Filmrollen ausgetauscht, die der Eisenbahner mit der großen Tasche brachte und die vom letzten Abend gleich mit hoch zum Bahnhof nimmt, da es auf einer Strecke liegt, denn das nächste Kino wartet schon darauf. Herr Debri war also sehr wichtig, damit die Kinobesucher immer ein neues Filmerlebnis zur rechten Zeit bekamen. In der linken Bildmitte befindet sich das neugegründete Schuhhaus Otto Kanisch, in dem unsere Mutti später viele Jahre als Verkäuferin arbeitete. Die Kartons stapelten sich in den Regalen bis zur Decke. Das Geschäft war auch die erste Adresse für orthopädische Schuhe, die in eigener Werkstatt hergestellt wurden. Gleichzeitig befand sich darin ein Stand der Gärtnerei Faulde. Danach kam des kleine Schreibwarengeschäft Winkler.“
H.-J. Klammer schreibt: „Auf dem Bild erkennt jeder echte Spremberger sofort die Dresdener Straße von der Kreuzung Gartenstraße/Lindenstraße in Richtung Zentrum, über die Spreebrücke bis in die Lange Straße. Obwohl sich das Eckgebäude links, die ehemalige Bäckerei Bär, sehr verändert hat, könnte man denken, die Aufnahme ist noch gar nicht so alt. Die Geschäfte sehen aus wie gestern. Man sieht auch, wie schön die gegenüberliegende Seite mit ihren Häusern und Geschäften ausgesehen hat. Davon war leider nach 1945 nicht mehr viel übrig geblieben. Diese Straßenseite war fast vollständig zerstört durch Bomben und Brand. Ich kann mich noch daran erinnern, wie man mit Pferden und langen Seile die gefährlichsten Teile der Ruinen eingerissen hat, damit nicht noch mehr passiert. Fast in der Bildmitte ist im Hintergrund gleich hinter der Spreebrücke, das Hotel ‘Zur Post’ zu sehen, in dem ich vor fünf Wochen zum Spremberger Heimatfest ein Zimmer gebucht hatte, womit ich sehr zufrieden war.“
Herzlichen Dank allen Schreibern.


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