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Regional vom Feld bis zur Dreißig-Theke

6. Oktober 2017 | Von | Kategorie: Wirtschaft | | Teilen

Gubener Betriebsrundgang in Sachen Regionalität: Markus Dreißig, Betriebsleiter Produktion in der Bäckerei Peter und Cornelia Dreißig KG, Jörg Vogelsänger (SPD), brandenburgischer Minister für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft, Thomas Ludwig, Geschäftsführer der Oderland Mühlenwerke Müllrose GmbH & Co.KG und Frank Matheus, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Neuzelle e.G. (v.r.n.l.) Fotos: J. Heinrich

Staubt nicht nur: Mehl aus Brandenburg sorgt für Qualität und Vertrauen in regionale Produkte Minister Jörg Vogelsänger interessierte sich für das gewachsene Netzwerk Bauer – Müller – Bäcker.

Guben/Region (Hnr.) Bei Dreißigs nichts Neues, könnte man sagen. Kuchen, Torten und Brot wie an jedem Tag. Brötchen, nicht etwa „aufgebacken“, sondern aus kurzem Tieffrostschlaf nur direkt im Geschäft knusprig gebacken. Knackig wie immer. „Das ist ein Teil unserer Backkunst“, sagt Backstubenleiter André Konsulke. „Ist das Brot am Mittwoch aufgegessen, muss das neue am Donnerstag exakt so aussehen und schmecken, wie das frische vom Montag. Immer wieder.“
Auch das „Mehl von hier“ ist eigentlich keine Neuigkeit. „Das machen wir schon seit 15 Jahren so“, sagt Produktionsleiter Markus Dreißig. Aber da war auch immer noch der Beiklang des Experimentellen. Nach der Wende, als sich der Markt der Landwirtschaft, der Mühlen und der Bäcker neu ordnete, wurde aus allen Richtungen gekauft. Jetzt definieren sich die Dreißigs eindeutig regional.
In dieser Woche trafen sich die Akteure eines wunderbaren Lebensmittel-Netzwerkes im Gubener Backbetrieb mit Minister Jörg Vogelsänger (SPD). Der ist für Landwirtschaft, aber auch für Umweltschutz im Land Brandenburg verantwortlich. „Hier passt alles“, sagte er. „Es ist, wie die Menschen es sich wünschen: Kurze Wege, Wertschöpfung vor Ort, Vertrauen in das Produkt.“ Und es geht ja bei Brötchen & Co. um keine Kleinigkeit. Deutsche Bäcker realisieren einen Jahresumsatz von 14 Milliarden Euro. Da lohnt es sich schon hinzuschauen, wie das Mehl staubt. Das findet auch Hanka Mittelstädt vom Verein „pro agra“. Regional geht vor Bio, glaubt sie. Und sie findet die Bestätigung bei Frank Matheus. Seine Neuzeller Agrargenossenschaft liefert nicht nur das Getreide, sondern auch Bockwürste aus mustergültiger Tierhaltung an Dreißig. Klar: Nahezu jedes Backgeschäft bietet heutzutage auch Imbiss. Jährlich verputzen die Kunden der 95 Dreißig-Filialen in den Zentren Berlin, Dresden und der Niederlausitz 42 Tonnen Bockwürste.
Im Mittelpunkt steht aber – auch nach mäßiger Ernte in diesem Sommer – das Mehl. Die Neuzeller konnten die Körner dank eigener Biogasanlage kostengünstig trocknen. Gemahlen wird in Müllrose. „Mit unseren 5 000 Tonen sind wir dort ein kleiner Kunde“, räumt Matheus ein.
Thomas Ludwig, stolz auf eine der letzten ganz privaten Handwerksmühlen, lacht: „Bei unseren 70 000 Tonnen Mehl im Jahr – naja… Aber das Bäckerhandwerk ist unsere starke Basis.“ Und er erzählt von Mehlqualitäten, dass Hausfrauenherzen lachen. „Die wissen: Mit dem falschen Mehl gelingt niemals ein Hefeteig.“ Und es klingt nach Begeisterung, wenn er schildert, wie moderne Mahl-Stahlwalzentechnik quetscht und siebt und quetscht und siebt…
Derweil läuft Dreißigs Produktion auf Hochtouren. Mit Brandenburger Mehl. Überhaupt bezieht der Bäcker 83 Prozent aller Rohstoffe regional. Sämereien für die Körnerbrötchen zum Beispiel aus dem Spreeweald. Und auch das Mehl für die Super-Delikatesse der Saison stammt natürlich aus Brandenburg. Ebenso die Butter. Aber sonst… Dreißig-Stollen – ab heute in den Geschäften! – strotzen von Rosinen, Zitronat, Mandeln und Geheimnissen…


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