Mittwoch, 17. Januar 2018 - 02:21 Uhr | Anmelden

Anzeige

Senftenberg: Fest hat sich Schuld in Schuld verbissen

13. Oktober 2017 | Von | Kategorie: Feuilleton | | Teilen

Es wird ganz vortrefflich gefochten, geschlagen, gedroschen, gestochen und am Ende auch ächzend gestorben: eben Mittelalter mit wenig zarten Sitten – aber Charakteren, die in ihrer Art nie aussterben. Szene aus „Rache“ mit (v.l.n.r.): Roland Kurzweg, Tom Bartels, Robert Eder, Patrick Gees Foto: Steffen Rasche

Anmerkungen zu BLUTMORDRACHE an der „neuen Bühne“ in drei Nibelungen-Handschriften.

Senftenberg (hnr.) Da ist ein bisschen Klamauk, schalbretterner Zugang zur Weinluke, an der Intendant Soubeyrand, der später die Zeitung vorsingt und ganz gut bänkelt, jeden Gast per Handschlag begrüßt, es gibt knallrote Äpfel für alle und, bei Bedarf, für 15 Euro Rindsroulade mit Klößen in der Pause – alles ganz so, als gäbe es weder Gesetz noch Regel, wie in der Zeit, als Mord noch Tagesgeschäft war. Und dann steigert sich die Nibelungen-Story – man erinnert sich an den schnöden Hagen, der Siegfrieds Wundblatt markieren ließ und zustach – in drei Lektionen ganz unterschiedlicher Lesart zu atemberaubender Spannung. Wieder einmal faszinierendes Theater in Senftenberg. Vor allem im dritten Stück („Rache“, Regie: Tilo Esche) fügt sich dramatische Dichte und zeichnen sich einprägsame Charaktere aus. Sprachlich brilliant Robert Eder (hier als Volker, zuvor als König Gunther), eine emanzipierte Kriemhild von Marianne Helen Jordan und ein würdiger, geradezu modellhafter Markgraf von Heinz Klevenow. Auch sonst glänzende Leistungen in diesem spukstrotzigen und doch gleichnishaft gegenwärtigen Spektakel, dass nicht gut enden kann, denn viel zu fest „hat sich Schuld in Schuld verbissen“, wie es im Text heißt. Mit den Figuren aus Waschhaus-Blech (Regie/Bild: Jan Mixsa), den Nornen, beginnt „Blut“, das vorhersagerische Geschehen. Dann wird „Mord“ daraus (Regie Sandrine Hutinet), das Mittelstück nach Friedrich Hebbel, in dem die eigentliche Nibelungen-Sage spielt, wie sie Schulkinder früher lernten. Friedrich Rößiger ist der eklig intrigante Hagen, Tom Bartels ein braver Siegfried.
Drei Regie-Handschriften – da werden 45, 130 und 120 Minuten kurz. Einfach grandios!
Wieder am 13./14., 20./21. und 27.28. Okt. Nicht verpassen!


| Teilen |

Anzeige

Schreibe einen Kommentar


Das könnte Sie auch interessieren