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Spremberg: Als „Sudel-Edes“ Stuhl zerbarst

20. Oktober 2017 | Von | Kategorie: Bilder aus dem alten Spremberg | | Teilen

In unserer letzten Ausgabe hatten wir das Spremberger Kreiskulturhaus, das „Kreisi“, gesucht

Leser erinnern sich an das alte Spremberger Kreiskulturhaus am Schloss.

Mehrere Leser haben die richtige Antwort zu unserem Rätselbild der vergangenen Woche gewusst. Dazu gehört auch Doris Ruppert. Sie schreibt folgendes: „Damals vermochten Veranstaltungen wie ein Lichtbildervortag von Gerhard Kraft aus Bernburg noch Säle im Kreiskulturhaus, kurz Kreisi, zu füllen. Stuhlreihenweise duckten wir uns blitzschnell unter einem riesigen Elefantenrüssel, der fast bis zur Saalmitte ragte, wild über uns galoppierenden Pferden, einer  Dampflok und vielen anderen atemberaubenden, noch nie im Leben so gesehenen dreidimensionalen Objekten. Auch ein Puppentheater mit ‘Robinson Crusoe’ ist mir lebhaft in Erinnerung. Alles im winzigen Fensterchen mit rotem Vorgang spielte unter Palmen, wovon wir ja noch keine gesehen hatten. Dann eher schon der vom ‘Schwarzen Kanal’ bekannte Karl-Eduard von Schnitzler, der an einem heißen Nachmittag  beauftragt war, Spremberger Jugendweiheteilnehmer  ideologisch fundiert auf den Eintritt ins Erwachsenenalter vorzubereiten. Mit großem Parteigefolge hatte er vorn auf einem Podium Platz genommen. Ihm, den wir nur in behäbig breit dahin gestreckter Sesselpositur kannten, hätten die Verantwortlichen ja einen Sessel zaubern können, aber unkluger weise statteten sie das gesamte Präsidium mit den Klappstühlen des Hauses aus, weil ja im Sozialismus jeder gleich ist, zumindest sind alles nur Menschen. Weil wir weit vorn saßen, sahen wir aus nächster Nähe, was dann geschah: Nachdem Karl Eduard – ganz schick in aktuellem weißen Perlonhemd, gesund braungebrannt nach der kürzlichen Rückkehr aus den für uns unerreichbaren Tropen – bemerkte, dass allein das erhöhte Podium die für einen Menschen seiner Stellung gewohnte Präsenz noch nicht herstellte, stand er auf, wohl wissend, dass einen das größer macht. Dann ging alles ganz schnell. Vom Mikrofon im Ton verstärkt klappte sein klappriger Klappstuhl zusammen. Weil ja die billigen Holzstühle nicht darauf ausgelegt sind, zusammengeklappt  stehenzubleiben wie ein schwerer Sessel, folgte ein weiterer Schlag. Laut krachend schlug das Unglücks-Utensil unten auf dem Parkett auf, verfolgt von Schnitzlers total unbeschreiblich staunenden  Blick. Frohe Heiterkeit breitete sich im Saal aus. Sich mit der volksnahen Variante eines Sessels nicht auszukennen, weil man nicht weiß, wie das einfache Volk so lebt, ist eine ganz schöne Bildungslücke. Von dem Moment an tat er uns sogar ein bisschen leid. Wir fanden ihn bei seinen Ausführungen etwas unsicher und nicht mehr ganz so arrogant wie im Fernsehen. Sein  weggebrochener Thron wird ihn wohl auch später noch eine Weile beschäftigt haben.“Mehrere Leser haben die richtige Antwort zu unserem Rätselbild der vergangenen Woche gewusst. Dazu gehört auch Doris Ruppert. Sie schreibt folgendes: „Damals vermochten Veranstaltungen wie ein Lichtbildervortag von Gerhard Kraft aus Bernburg noch Säle im Kreiskulturhaus, kurz Kreisi, zu füllen. Stuhlreihenweise duckten wir uns blitzschnell unter einem riesigen Elefantenrüssel, der fast bis zur Saalmitte ragte, wild über uns galoppierenden Pferden, einer  Dampflok und vielen anderen atemberaubenden, noch nie im Leben so gesehenen dreidimensionalen Objekten. Auch ein Puppentheater mit ‘Robinson Crusoe’ ist mir lebhaft in Erinnerung. Alles im winzigen Fensterchen mit rotem Vorgang spielte unter Palmen, wovon wir ja noch keine gesehen hatten. Dann eher schon der vom ‘Schwarzen Kanal’ bekannte Karl-Eduard von Schnitzler, der an einem heißen Nachmittag  beauftragt war, Spremberger Jugendweiheteilnehmer  ideologisch fundiert auf den Eintritt ins Erwachsenenalter vorzubereiten. Mit großem Parteigefolge hatte er vorn auf einem Podium Platz genommen. Ihm, den wir nur in behäbig breit dahin gestreckter Sesselpositur kannten, hätten die Verantwortlichen ja einen Sessel zaubern können, aber unkluger weise statteten sie das gesamte Präsidium mit den Klappstühlen des Hauses aus, weil ja im Sozialismus jeder gleich ist, zumindest sind alles nur Menschen. Weil wir weit vorn saßen, sahen wir aus nächster Nähe, was dann geschah: Nachdem Karl Eduard – ganz schick in aktuellem weißen Perlonhemd, gesund braungebrannt nach der kürzlichen Rückkehr aus den für uns unerreichbaren Tropen – bemerkte, dass allein das erhöhte Podium die für einen Menschen seiner Stellung gewohnte Präsenz noch nicht herstellte, stand er auf, wohl wissend, dass einen das größer macht. Dann ging alles ganz schnell. Vom Mikrofon im Ton verstärkt klappte sein klappriger Klappstuhl zusammen. Weil ja die billigen Holzstühle nicht darauf ausgelegt sind, zusammengeklappt  stehenzubleiben wie ein schwerer Sessel, folgte ein weiterer Schlag. Laut krachend schlug das Unglücks-Utensil unten auf dem Parkett auf, verfolgt von Schnitzlers total unbeschreiblich staunenden  Blick. Frohe Heiterkeit breitete sich im Saal aus. Sich mit der volksnahen Variante eines Sessels nicht auszukennen, weil man nicht weiß, wie das einfache Volk so lebt, ist eine ganz schöne Bildungslücke. Von dem Moment an tat er uns sogar ein bisschen leid. Wir fanden ihn bei seinen Ausführungen etwas unsicher und nicht mehr ganz so arrogant wie im Fernsehen. Sein  weggebrochener Thron wird ihn wohl auch später noch eine Weile beschäftigt haben.“Hagen Rudolph schreibt: „Anfang der 1990er-Jahre, wo auch dieses Bild entstand, war es soweit: Es eröffnete eine neue Dimension von der Freitags und Samstagsunterhaltung im alten Kreiskulturhaus am Schlossbezirk. Die Diskothek Kreisi zog wöchentlich zig hunderte Gäste an und in ihren Bann mit ihren legendären Mottopartys. Zu erst tanzte man noch mit Bauwesten und vergaß für einige Stunden den Alltag, zuletzt waren wieder die Schlaghosen angesagt. Auf dem Foto sehen wir zum Eingangsbereich, dahinter links war bis zum Umzug des Kreisi 2002 in das City Center, die ‘Film’-Bar, rechts war noch eine Bar und der Sozialtrakt 2. Auch die Schwarzlichtröhren oberhalb der Tanzfläche waren bis zum Schluss aktiv. In der Mitte befand sich die circa im Durchmesser vier Meter große kreisförmige Tanzfläche, das Reich des DJs, und riesige Würfel, auf den Mutige auch tanzen durften.Im Hintergrund war ein Treppenpodest mit abermals einer Bar und einer im Neonlicht leuchtenden New York Skyline gestaltentenden Wand. Über der Tanzfläche war ein Dreiseitenbalkon, der zuletzt nicht mehr genutzt worden ist. Freitags waren immer die angesagten Palettenpartys bei der man zehn Getränke für zehn DM bekommen hat und samstags die Mottopartys, in denen man neben dem Tanz auch noch mehr Spaß geboten bekam.“


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