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Auf gute Nachbarschaft

23. März 2018 | Von | Kategorie: Kommentar | | Teilen

Sie erreichen den Autor: j.heinrich@cga-verlag.de

 

Frühling wird es. Jetzt auch im Kalender, und die Meteorologen versprechen mal wieder frostfreie Nächte.
Frost auch bei Tage deutet sich allerdings in den politischen Beziehungen zwischen Berlin und Warschau an. Jedenfalls interpretieren das die Kommentatoren auf beiden Seiten so.
Uns im deutschen Osten und besonders hier in der Lausitz können lautstarke Vorhaltungen, die den nationalstolzen Polen jetzt gemacht werden, nicht gefallen. Wir haben nicht vergessen, dass die Polen unsere Wegbereiter zur ‘89er Wende waren. Wer aufmerksam durch polnische Orte fährt, kann dort heute noch große Holzkreuze mit einer Reihe von Jahreszahlen finden – die Daten „der jähen Wendungen“, wie uns Polen gern erklären. Die letzten waren mit dem Namen Lech Walesa und den Aufständen in der Danziger Werft verbunden – in einer Zeit, als hierzulande noch linientreu geduckmäusert wurde. Die Polen haben sich damals nichts aufdrängen lassen, und sie reagieren auch heute allergisch auf Nötigungen aus Russland, der EU oder gar Deutschland.
Polen hat sich zum Wirtschaftswunder gemausert. Ja, mit EU-Hilfe. Vor allem aber aus eigener Kraft, die sich auch aus nationalem Stolz speist. Wir hier an der Neißegrenze profitieren viel davon. Es gibt gute Verbindungen zwischen Unternehmen, Kommunen und auch auf kulturellem Gebiet. Hier wie dort verstehen wir uns wieder als Bürger einer Lausitz, wie unlängst polnische Vertreter beim Ausdehnen des Parkverbunds von Branitz, Forst und Brody bis ins schlesische Zagan freudig erklärten.
Weder Frost noch Frust also in unseren Breiten. Der Frühling wird auch dieses Jahr zauberhaft durch viele Geranien und andere Blüten, die aus Polen auf unsere Balkons gelangen.


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