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Er war Sprembergs „Außenminister“

23. März 2018 | Von | Kategorie: Region, Spremberg | | Teilen

Vor 25 Jahren gründete sich der Spremberger Fremdenverkehrs-Verein / Reinhard Heyne erinnert sich an die Stationen der lebhaften Aufbaujahre

 

Reinhard Heyne war bis 2002 das Gesicht des Spremberger Fremdenverkehrs-Vereins, den er vor 25 Jahren mit begründete und dessen Profil er maßgeblich prägte Fotos: Jürgen Heinrich

 

Spremberg (J.H.) An diesem Sonntag liegt es genau 25 Jahre zurück. Damals gründete sich der Fremdenverkehrs-Verein Spremberg (FVV), und Reinhard Heyne wurde sein Geschäftsführer. Das Ereignis war von nachhaltiger Bedeutung für die Stadt und geschah zur rechten Zeit. Der Wettbewerb um die Touristen, die neugierig aus den „alten Ländern“ kamen und bald auf neuen Radwegen die
„Perle der Lausitz“ überrollten, war längst ausgebrochen. Möglichst viele nach hier zu lenken und die dann erstklassig zu betreuen, war Aufgabe des „Spremberger Außenministers“, wie Reinhard Heyne bald scherzhaft genannt wurde.
Experte fürs Reisen
Den BGLer (Betriebs-Gewerkschafts-Leiter) hatte einst die Liebe vom fernen Ostseestrand nach Trattendorf geführt. In dem Haus, in das er damals zu seiner Frau zog, leben beide heute noch. Seine Motorik funktioniert nicht mehr so ganz, „aber“, sagt er, „zum Glück kann ich noch Auto fahren.“, und so verbringt er immer wieder gern Zeit mitten in der Stadt. Wir treffen uns im Cafe am Markt. Reinhard Heyne hat Berge von Aufzeichnungen, Dokumenten und Videos aus seiner aktiven Zeit im Fremdenverkehr dabei.
Das Metier war ihm aus dem Arbeitsleben davor vertraut. Ferienplatzvermittlung war ein Schwerpunkt der DDR-Gewerkschaften. So wusste er, dass es nicht genügte, „bereit zu sein für Gäste“ – sie mussten nach hier geführt werden. Die großen Fachmessen „Grüne Woche“ und „ITB“ in Berlin waren künftig seine Wirkungsstätten, aber immer wieder auch die Hamburger Reisemessen, selbstverständlich mit Spremberg-Tagen die Bundesgartenschau 1995 in Cottbus, die LaGa in Luckau, Messen in Leipzig und Dresden, der „Tag der Sachsen“ in Hoyerswerda und vieles mehr.
Partner in der Region
Daran hat sich kaum etwas geändert: „Im Alleingang war nicht viel zu erreichen“, rekapituliert Reinhard Heyne. In engem Kontakt mit der Kreisverwaltung, den Stadtverwaltungen in Spremberg und Welzow, dem City-Werbering Spremberg, dem Kulturbund, dem Sorbischen Kulturzentrum Schleife, dem SpreeCamp Bagenz, dem Museum und dem MC Spremberg – um einige wichtige zu nennen – fügte sich ein lebendiges Bild der Touristik-Destination, die sich heute „Spremberger Land“ nennt. Als der Verein zwei Jahre bestand, konnte im damals noch prägenden Plattenbau am Markt, dem „AWH“, die Tourist-Info eröffnet werden. Inzwischen steht an der Stelle eine Art futuristische Ruine, aber die neue, großzügige Anlaufstelle für Touristen im Erdgeschoss kann sich sehen lassen. Sie bietet Auskunft, Vermittlung und reichlich Literatur aus der Gegend, auch die jeweils aktuellen NIEDERLAUSITZ-Jahrbücher.
Besonderes genutzt
Spremberg hat viele sympathische Eigenarten – von den Heimat- und Lichterfesten über die historisch uniformierten Garden bis zur Kanu-Sport- und Karnevalstradition und dem rührigen Motorsport-Club. „Das haben wir als Verein natürlich alles unterstützt und genutzt“, sagt Reinhard Heyne. Zweimal war Spremberg Anlaufort der Oldtimer-Rallye Deutschland 2000. „Mit Spreenixe Antje sind wir bis zum Königinnentreffen ins hessische Witzleben gefahren“, erinnert sich der engagierte Spremberger. Um überall gut wahrgenommen zu werden, hat er ein zwei Meter großes Bismarcktum-Modell in Auftrag gegeben, das zu Messen und Präsentationen mitreiste.
Potenziale erschließen
Das Wirken nach draußen schlägt zurück mit Impulsen nach innen. Es gibt dazu viele Beispiele. Besonders gern erinnert sich Reinhard Heyne an eine Konferenz zur „Fürstenstraße der Wettiner“ im November 1998. Prinz Dr. Albert Herzog von Sachsen und Prinzessin Elmira waren geschätzte Gäste im Spremberger Schloss, und für manche Heimathistoriker war das Anregung, weiter zur Zuordnung der Stadt in ihren verschiedenen Epochen zu forschen.
Von ehemaligen Sprembergern gab es Geschenke oder Angebote zu solchen, die den kulturellen Standort markieren können. „Mit einer Kunstsammlung der Familie Paaschen aus Reckenhausen ist aus Kostengründen leider nichts geworden“, bedauert Reinhard Heyne, „aber aus anderer Quelle bekam ich gutes Amateurfilm-Material.“ So sind daraus und zu anderen Themen Videos entstanden, die von den Einwohnern begeistert gekauft wurden. Der Verein hat damit die Heimatverbundenheit gefördert. Auch für die Wahl von Ehrenbürgern setzte sich der Verein ein. Dem populären Pilzberater Busse, der Malerin Irmgard Kuhlee, dem Heimatforscher Gerhard Schmidt und dem Chronist Kurt Polske wurden damals solche Ehren zuteil.
Nicht alles glückte
Wer vieles erstrebt, muss mitunter zurückstecken. So war das beim Projekt „Karl-May-Land“, das als private Initiative von vielen Seiten, auch vom Kreis selbst, unterstützt wurde. Im Spree-Neiße-Revier grasten schon die Büffel, aber am Ende wurde nichts daraus. „Oder eigentlich doch“, korrigiert der Fachmann, „denn was wir heute mit den vernetzten Angeboten von Forst bis ins Senftenberger Seenland haben, entspricht den Visionen von damals.“ Der Fremdenverkehrs-Pionier sieht den Spremberger Raum heute in einer günstigen touristischen Lage. Mit dem Welzower Bergbautourismus, dem Findlingspark in Nochten oder dem aufgewerteten Muskauer Faltenbogen sind viele Attraktionen hinzugekommen.
Offene Wünsche
Manche Träume erfüllten sich nicht. Zum Beispiel wollte Reinhard Heyne gern ein Treffen mit Bürgern Deutschlands organisieren, die den Familiennamen Spremberg tragen. Das hätte Werbeeffekt mit Langzeitwirkung, glaubt er. Auch den Spreekahn, der von Bühlow nach Trattendorf fährt, gibt es noch nicht, und vor allem mit Strittmatter muss Spremberg endlich Anschluss an die „Märkische Dicherstraße“ herstellen. Auf dem Kraftwerksplateau von Pumpe wünscht sich der Visionär in 162 Metern Höhe eine Standesamts-Außenstelle für Hochzeitsfeiern, und „dann gehört nach Spremberg endlich die LaGa“, schließt er mit einem Kompliment an die fleißigen Akteure, die dafür lange werben und diesen Erfolg für die wunderschöne Stadt Spremberg endlich verdient haben.


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