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Mutter bleibt die beste

11. Mai 2018 | Von | Kategorie: Kommentar | | Teilen

Das bleibt so unsere Eigenart: An allem, was einfach nur gut ist, wird herumgemäkelt. Natürlich auch am Muttertag. Die häufigste Floskel aus prominenten, süß lächelnden Mäulchen: „Bei uns ist jeden Tag Muttertag und Valentinstag.“ Traurige Gesellschaft.
Andere sagen nur: „Find’ ich doof“ und sind damit jegliche Klemme los, etwas initiieren zu müssen.
Muttertag hat etwas. Es gibt ihn noch nicht ewig lange, aber es haftet ihm etwas positiv Konservatives an. Mütter, nicht so sehr die jungen, umso mehr die der zweiten Generation, haben viel zu tragen, sind oft der gnadenlos genutzte „Mülleimer“ der Familie. Alles wird ihnen zugemutet an Last und Sorge. Mutter ist stark. Das macht ihre ewige Liebe. Sie hat zu funktionieren und tut das auch. Mit erschöpftem Lächeln. Sie an (hoffentlich nicht nur) einem Tag zu ehren, macht Sinn. Viel Sinn. Es ist übrigens auch wirtschaftlich interessant: Zentrale Marktstatistiker melden, dass Floristen für diesen Tag 130 Millionen Euro Umsatz erzielen. Sie können’s brauchen.
Die Zahl erklärt indirekt, warum der Muttertag in der DDR nie Fuß fasste. Mutter sein, hatte hier höchstes gesellschaftliches Ansehen. Es gab, trotz der Vielfachbelastung durch Beruf, Anstehen beim Einkauf und wenig fortschrittlichem Haushalt, viele Kinder und muntere Familien. Die Blumen aber reichten nur für den betrieblichen Frauentag. Der erschöpfte bis zum 8. März alle Gewächshauskapazitäten. Danach fokussierte der Staatsplan die Gärtnereien auf Frühgemüse. Im Mai bildeten sich in Cottbus die Wartegemeinschaften, wenn „Floralia“ erste Tomaten lieferte. Die lagen dann leuchtend rot am Muttertag (der privat durchaus beachtet wurde) auf dem Frühstückstisch. Mutter hatte sie selbst besorgt – sie blieb eben die beste.


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