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Günter Ziegenbalg: „Ich wollte immer nur Fleischer sein.“

11. März 2016 | Von | Kategorie: Senftenberg & Seenland |

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Fleischermeister Günter Ziegenbalg beschreibt seinen Jubiläumsgästen den erfüllten Lebenstraum Foto:D.K.

Das Jubiläum in Hosena:
Senftenberg. Solche Jubiläen sind selten. 1966 war keine Gründerzeit im deutschen Osten; die kam erst zehn Jahre später. Staker Wille musste sein, Hartnäckigkeit, etwas Gewitztheit und ein  gutes Quentchen Glück. Von allem hatte Günter Ziegenbalg reichlich, wie er erzählt. Vielleicht auch deshalb, weil der Anfang so extrem schwer war.
„Wir waren Flüchtlinge, mit Handwagen und Holzpantoffeln“, erinnert er sich ans Kriegsende. Die Familie irrte ins Tschechische, konnte aber zurück in die Pulsnitzer Berge. Die Großeltern betrieben dort eine Landwirtschaft, die Eltern ein Gasthaus. „Und so waren wir doch reich, denn wir hatten zu essen.“
Zu den frühen Erinnerungen des gestandenen Mannes gehört auch der Kindertraum, unbedingt Fleischer zu werden. „Mit zehn habe ich Kaninchen, mit zwölf Zicklein und mit 14 schwarz beim Bauern geschlachtet.“ Das war sein „Volontariat“ auf dem Weg zur Fleischerlehre. Solche Stellen waren damals überaus begehrt. Er bekam sie in Kamenz. „1953. Drei harte Jahre“, erinnert er sich.  Danach suchte er als Geselle Erfahrung, auch in westdeutschen Metzgereien – um schließlich bei der HO als Verkaufsstellenleiter (für 365 Ostmark) zu landen. Nicht zum eigenen Schaden, wie er einräumt. Er hat sich hier kaufmännisches Wissen angeeignet und nebenbei den Meisterabschluss erworben.

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Handwerkerstolz in flauen Tagen. Fürs Foto war das Ziegenbalg-Geschäft prall gefüllt. Günter und Renate Ziegenbalg standen mit Sohn Olaf am Anfang einer noch ungewissen Unternehmensgeschichte

Ziel blieb aber die Selbständigkeit. Hier spielte nun das Glück mit, zudem noch bei einer Silvesterfeier. Im Gespräch ergab sich, dass in Hosena eine Landfleischerei frei würde. Günter Ziegenbalg: „Die Übernahme eines bestehenden Geschäfts war die einzige Chance, meinen Weg zu machen. Ich fuhr sofort im Trabant Richtung Senftenberger Land.“ Die Gemeinde lehnte seinen Antrag ab. Er aber ließ nicht locker,  trotzte sich bis zum Vorsitzenden des Rates des Kreises durch und bekam schließlich, was er wollte: die Gewerbeerlaubnis.
Dann: Drei halb Schweine als erste Lieferung. Das reichte nicht lange, wurde trotzdem noch in Tontopf-Kühlung gestreckt. Und   – heute gibt er’s zu – Ziegebalg spielte auf Risiko. Nach vier Wochen, mit der ersten Bullen-Schwarzschlachtung, hätte schon alles aus sein können. Aber schließlich ging es in dürftigen Zeiten um gut versorgte Kunden und – natürlich um Erfolg, um Gewinn, um Wachstum.
Der Fleischermeister aus Hosena erwies sich als  drängender Unternehmer. So war es kein Zufall, dass ihn die Meisterkollegen 1972 zum Vorsitzenden der Einkaufs- und Liefergenossenschaft wählten. „Jetzt“, so Günter Ziegenbalg, „ging es bergauf.“
Als die Wende kam, traf er mit Geschäftspartnern aus dem Saarland auf Augenhöhe zusammen. Gemeinsam wurde ein Fleischwarenhandel aufgebaut, der noch HO und Konsum belieferte. Danach entwickelte sich das Filialsystem, und mit Junior Olaf Ziegenbalg kam die neue Generation auf neue Geschäftsideen.
Im Grunde aber bleibt’s beim Alten: Hartnäckigkeit und Fleiß stehen vor dem Erfolg.     hnr.




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