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Ein Minigebirge wächst heran

29. April 2016 | Von | Kategorie: Region |

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Der Cottbuser Ostsee wird zwar erst ab 2019 geflutet, doch etwas Wasser hat sich in der Grube des Ende 2015 planmäßig ausgelaufenen Tagebaus Cottbus-Nord bereits gesammelt. Vom Merzdorfer Aussichtsturm lässt sich der kommende Wasseranstieg sehr gut verfolgen Foto: TRZ

Geisendorf-Steinitzer Endmoräne bietet Natur und Menschen neue Heimat:
Geisendorf (trz). Wer auf der B 169 zwischen Neupetershain und Drebkau unterwegs ist und einen Blick nach Südosten richtet, erblickt einen weit gestreckten Höhenzug. Dieser präsentiert sich völlig kahl, aber schon aufgrund seiner Höhe beeindruckend. „Das ist die neue Geisendorf-Steinitzer Endmoräne“, erklärt Henrik Ansorge, Vattenfall-Referent für den Tagebau Welzow-Süd. „Eine künstlich aufgeschüttete Erhebung mit zwei herausragenden Gipfeln.“ Und zwar dem Geisendorfer und dem Steinitzer Berg. Letzterer bringt es auf rund 165 Meter über dem Meer. „Das ist der achthöchste Hügel Brandenburgs“, hat Ansorge recherchiert. Und nur einen Steinwurf entfernt wächst der Geisendorfer Berg heran, der es immerhin auf noch 150 Meter schafft.
Höhenzug lebt auf
Warum die Bergleute gerade im Raum Geisendorf-Steinitz einen Hügel aufschütten? Die Antwort ergibt sich beim Blick auf eine alte Landkarte. Denn genau in diesem Gebiet verlief einst eine Endmoräne, also ein durch die Eiszeit entstandener Höhenzug. Die musste teilweise dem Tagebau Welzow-Süd weichen. Jetzt stellen die Fachleute den Höhenzug wieder her, so verlangt es der Braunkohlenplan. Bereits im Jahr 2012 gab es die erste Schüttung, und zwar mit Erdmassen, die dem Tagebauvorfeld entnommen werden. Zunächst musste der bis zu 100 Meter tiefe Randschlauch vor Gut Geisendorf verfüllt werden. Bis jetzt  wurden etwa 150 Millionen Kubikmeter Erde dafür verwendet. Das Gute an dieser Neugestaltung ist, dass der Mensch die neue Landschaft optimieren kann. So werden die Wege entsprechend ihrer künftigen Nutzung angelegt, ebenso Gräben. Einstmals steile Hänge erfahren ihre Abflachung. Selbst das Petershainer Fließ wird in das Renaturierungsgebiet eingepasst. Darüber hinaus stellen die Fachleute das Steinitzer Quellgebiet wieder her.

 

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Blick von Gut Geisendorf auf die neue Geisendorf-Steinitzer Endmoräne Foto: T. Richter-Zippack

Wald und Naturschutz
Kahl wird die neue Geisendorf-Steinitzer Endmoräne natürlich nicht bleiben. Denn im „Minigebirge“ soll ein vitaler Mischwald heranwachsen.  Allerdings nicht nur aus forstwirtschaftlichen Prämissen, sondern ebenso aus Naturschutzgründen. „Wir planen auch Offenland, etwas für Wiesen und kleine Tümpel“, kündigt Thomas Neumann, Leiter der Arbeitsgruppe Landschaftsplanung bei Vattenfall, an.
In dieser neuen Landschaft erwacht auch die Erinnerung an die dort verschwundenen Orte zu neuem Leben. So sind Gedenkstätten für Geisendorf, Sagrode, Klein Görigk und Kausche vorgesehen.
Wenn schon „Gebirge“, dann bitteschön auch mit Aussichtspunkten. Diese werden natürlich nicht fehlen. Mehr noch: Der Aufstieg von Gut Geisendorf präsentiert sich künftig als absoluter Höhepunkt. Denn der Cottbuser Künstler Steffen Mertens plant, mehrere Sisyphus-Figuren in den Hang zu integrieren, die verschiedene Lausitzer Gewerke symbolisieren. Etwas Geduld ist aber noch erforderlich: Denn erst in einigen Jahren kann das Areal im Rahmen geführter Touren der Welzower Bergbautouristiker erkundet werden.



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