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Cottbus: Es mangelt an „echten“ Cottbusern

10. Juni 2016 | Von | Kategorie: Bilder aus dem alten Cottbus |

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Auf dem Bild von 1973 fehlt die Fußgängerbrücke (C) mit Uhr; beides wurde erst 1974 zum 25. DDR-Jahrestag übergeben

Das zerstörte Ensemble Stadtpromenade war unsere Opfergabe zur Wende:
Unser Text zum Rätselbild der Stadtpromenade spielte auf das anhaltende Aufbauen und Abreißen in Cottbus an. Etwas provokant mailt unser Leser (oder Leserin) U. Schneider: „Unser liebes Cottbus glänzt offensichtlich immer wieder als Experimentierfeld für ‘Zugezogene’. Da kam mal Geniales heraus, wie damals bei Alt-OB Paul Werner oder später bei Brücken- und Brunnen-Architekt Gerhard Guder, mal geschah eben auch Herzloses, wie die Zerstörung der Promenade unter dem Falkenberger Kleinschmidt oder Kraftloses wie unter dem Stillstands-OB Kelch aus Altdöbern.“ Er (oder sie) räumt ein: „Dem Kampfplatz gegen DDR-Sternchen-Städtebau mit seinen Wende-Opfergaben steht dank Modellstadt eine sonst blühende Innenstadt gegenüber. Die geht wohl auf das Konto der Baubürgermeisterin, vermutlich einer ‘echten’ Cottbuserin (?).“
Ähnliche Stimmung vermitteln  andere Briefe. Brunhild Kaldun, Am Lausitzpark, schreibt: „Es fehlt die Fußgängerbrücke. Ich bin 1980 nach Cottbus gezogen, da war sie schon da. Das Sternchen haben sie verrotten lassen, das hatte sonst niemand, das ist sehr schade.“ Und bei Horst Hauptmann, Max-Grünebaum-Straße, lesen wir: „Es fehlt die später errichtete Fußgängerbrü-cke. Auch der wunderbare Krebsbrunnen wurde entfernt und durch ein unschönes Stahlrohrgebilde ergänzt.“ Auch Heinz Knobloch, Stadtpromenade,  bedauert: „Es fehlt eine Brücke, und zwar eine recht schöne mit einer Uhr. Man hatte von da einen schönen Blick auf das Blumenband. Aber leider musste sie, wie das beliebte Sternchen, weichen. Es blieb ein jahrzehntelanger Schandfleck.“  Und Klaus Reiter vom Eschenweg findet: „Es stimmt einen traurig, wenn man miterlebt, was alles abgerissen wurde, was bei den Cottbusern sehr beliebt war.“
Präzise  beschreibt Herbert Ramoth: „Wir sehen 1973 ein im Entstehen begriffenes Stadtzentrum der damaligen Bezirksstadt Cottbus. Das bauliche Ensemble mit ‘konsument’, ‘Sternchen’, Laden- und Gaststättenstraße (Pavillons) bis hin zur Stadthalle und gegenüber Gaststätte ‘Stadttor’ sowie Brücke mit der ‘Blauen Uhr’ kann als gelungen bezeichnet werden. Der Zustand nach der Wende ist hinreichend bekannt und bedarf keiner weiteren Aussage… Die Fußgängerbrücke (140 m lang, 3,50 m breit) wurde mit der Uhr im Oktober 1974 übergeben, so dass sie nicht auf diesem Foto von 1973 zu sehen sein konnte.“
Gewonnen hat mit dem richtigen Buchstaben C Waltraud Messer aus Burg, Am Bahnhof.
Herzlichen Glückwunsch!




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Ein Kommentar auf "Cottbus: Es mangelt an „echten“ Cottbusern"

  1. W. Herbst sagt:

    Nun mag ja die Fußgängerbrücke für stadtarchitekturentwöhnte Menschen ein Hingucker gewesen sein, an Lächerlichkeit war sie jedoch kaum zu überbieten. Damit sie überhaupt benutzt wurde, hatte man zwischen zwei Straßenbahngleise einen Zaun gesetzt, sonst wäre kein Mensch auf die Idee gekommen, vom alten zum neuen Stadtzentrum eine Brücke zu benutzen! Offiziell hieß es natürlich, man wolle damit verhindern, dass die Bürger gegen Straßenbahnunfälle geschützt werden, ja, doch, ab und zu kam mal eine Bahn, aber schaut doch mal nach Leipzig, Hauptbahnhof, da hat es noch nie eine Brücke gegeben und 4 Gleise liegen frei zum passieren nebeneinander und Bahnen und Busse fahren alle paar Augenblicke ein und aus. Nein, diese Brücke war wirklich ein Witz. Das einzige architektonisch gelungene Gebäude war das Sternchen, der Rest war sozialistischer Alltagsbohei. Heute ist es natürlich auch nicht besser, was offenbar daher kommt, dass es in Cottbus immer weniger alte Cottbuser gibt und Zugezogene -in jeder, aber auch jeder Hinsicht- der Stadt einen persönlichen Stempel aufdrücken wollen, was zu einem Experimentierfeld mit katastrophalen Folgen geführt hat. Die ganze Innenstadt ist leer und trist, verbaut, mit hässlichen „Kunstwerken“ verunziert und das ehemals „Neue Stadtzentrum“ zeigt, wohin Größenwahn gepaart mit leerer Brieftasche und Inkompetenz führt.

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