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Vom Weinberg zu den Kokstürmen

7. Oktober 2016 | Von | Kategorie: Radeln & Rasten |

Auf alten Postwegen nach Lauchhammer und ins sächsische Grenzland

Zum Glück ist das Frühstück im „Löwen“ gut und reichlich. Vis-á-vis der Senftenberger Dr.-Otto-Rindt-Schule, die nach dem „Erfinder“ der Seenlandschaft nach dem Tagebau benannt wurde, ist in der Calauer Straße ein altes Lokal nach Dämmerjahren wie Phönix aus der Asche erstanden. Vor der Tür dumpern noch bis nächstes Jahr Straßenbauer – aber nie an Wochenenden. Es schläft sich himmlisch in den originell gestalteten Zimmern. Wir sind gerüstet für runde 55 Radel-Kilometer.

Kunst am Bau in Lauchhammer: Reliefs des Erkers am Friedenseck würdigen die schaffenen Menschen der Region

Kunst am Bau in Lauchhammer: Reliefs des Erkers am Friedenseck würdigen die schaffenen Menschen der Region

Die Calauer stadtauswärts kommen wir gleich an den Vereins-Weinberg, der an Rauner Winzer von Höhe 304 erinnert. Die hat der Groß Räschener See geschluckt. Wir folgen dem Straßenbogen nach links und gelangen nach Schipkau. Das ist heute ein nobler Ort mit viel Weite zwischen den Häusern. Wir fahren genau südwärts durch den Ort und nach dem Ausgang noch etwa 300 Meter – hier geht’s rechts in den Wald. Gegenüber steht der alte sächsische Meilenstein, der den alten Postweg markiert, auf dem wir, zunächst bergauf ächzend, bleiben bis er, zuletzt in S-Kurven, Schwarzheide erreicht.

Die Stadt des Kunstgusses schmückt sich mit schönen Plastiken, zum Beispiel diesen Kindern mit sprudelndem Fisch von Walter Lerche (1881-1951) von dem es mehrere Plastiken im Tierpark Berlin und an anderen Orten gibt      Fotos: J. Heinrich

Die Stadt des Kunstgusses schmückt sich mit schönen Plastiken, zum Beispiel diesen Kindern mit sprudelndem Fisch von Walter Lerche (1881-1951) von dem es mehrere Plastiken im Tierpark Berlin und an anderen Orten gibt Fotos: J. Heinrich

Schade, dass noch längst nicht Mittag ist. Das Gasthaus „Zur knusprigen Ente“ (viertel Vogel samt Beilage für siebenfuffzig) wäre ein guter Halt (später kommt nichts mehr!). Wir sind also nach rechts in die Lauchhammerstraße eingebogen, befinden uns aber noch in Schwarzheide. Jetzt wird’s ganz leicht: Wir bleiben einfach auf dieser Straße, deren Bebauung sich so interessant wandelt, wie der Name. Ab Ortseingang Senftenberg wird sie nemen ruinösem Gleis Bahnhofstraße, dann Cottbuser Straße und Dietrich Heßmer-Platz (mit Kirche und geschlossenem Deutschen Haus), schließlich Wilhelm-Pieck-Straße (den gibt’s hier noch) und Grundhofstraße. Die schlängelt sich bis zur Finsterwalder Straße, in der, ein Stückl nach links, die Biotürme stehen. Vier mal vier – beeindruckende gemauerte Wunder. Im Sonnenlicht wirken sie verlockend, bei moesem Wetter eher mystisch. Man kann nach oben und hat einen guten Weitblick. Die Erkenntnis: Lauchhammer ist grün, grün, grün. Unten, wo Hobbyhistorigen Technik sammeln, stehen noch die Brenner, die früher Tag und Nacht über der Stadt Restgas abfackelten. Damals roch es hier streng und die Sicht war oft schlecht. Alles vorbei.

Jürgen Scadock gehört zu den 60 Mitgliedern eines Vereins, die Lauchhammers Industriekultur bewahren und Gäste führen.

Jürgen Scadock gehört zu den 60 Mitgliedern eines Vereins, die Lauchhammers Industriekultur bewahren und Gäste führen.

 

 Von der Großkokerei, die aus Braunkohlenbriketts Steinkohleersatz (Hochtemperatur-Koks) zauberte, ist nichts geblieben. Nur die Biotürme, in denen das Phenolwasser über bemooste Schlacke rieselte, sind erhalten. Der Geruch ist verflogen, hat der Phantasie Raum gewährt. Süditaliens „Castel des Monte“ glauben IBA-Interpreten hier zu sehen...

Von der Großkokerei, die aus Braunkohlenbriketts Steinkohleersatz (Hochtemperatur-Koks) zauberte, ist nichts geblieben. Nur die Biotürme, in denen das Phenolwasser über bemooste Schlacke rieselte, sind erhalten. Der Geruch ist verflogen, hat der Phantasie Raum gewährt. Süditaliens „Castel des Monte“ glauben IBA-Interpreten hier zu sehen…

Wir passieren den von Kyrill lädierten Park von Mückenberg (einer der vier Lauchhammerorte),  haben über schöne Landstraße Lindenau und die ersten sächsichen Hügel im Visier und kommen dann nach Tettau, wo wir glücklich einen Kaffeegarten finden. Herrlich bei Lindemanns! In Großkmehlen lernen wir den Mal-Lehrer im Schloss kennen und hören die Silbermann-Orgeln in der schönen Barockkirche. Den Rest heimwärts bewältigen wir per Zug ab Bahnhof Ortrand.

Wer sonntags im Revier auf Kaffee, Kuchen und Eis Appetit bekommt, ist über weite Strecken schlecht dran. Zum Glück gibt es Familie Lindemann in Tettau. Die Wirtsleute servieren im Garten oder auch in der hübschen kleinen Gaststube Federweißen, Kaffee, Kuchen, Eis, Plinze und andere Köstlichkeiten

Wer sonntags im Revier auf Kaffee, Kuchen und Eis Appetit bekommt, ist über weite Strecken schlecht dran. Zum Glück gibt es Familie Lindemann in Tettau. Die Wirtsleute servieren im Garten oder auch in der hübschen kleinen Gaststube Federweißen, Kaffee, Kuchen, Eis, Plinze und andere Köstlichkeiten

Still lauschen die Besucher der Großkmehlener St. Georgs Kirche den Klängen der Silbermann-Orgel. Das Gotteshaus in dieser Form schuf Frauenkirch-Baumeister Georg Bähr. Der spätgotische Altar einer Antwerpener Werkstatt stammt von 1495

Still lauschen die Besucher der Großkmehlener St. Georgs Kirche den Klängen der Silbermann-Orgel. Das Gotteshaus in dieser Form schuf Frauenkirch-Baumeister Georg Bähr. Der spätgotische Altar einer Antwerpener Werkstatt stammt von 1495

 




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