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Senftenberg: Stalinstraße wird der Steindamm

30. Dezember 2016 | Von | Kategorie: Senftenberg & Seenland |

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Der Steindamm ist eine der bekanntesten Straßen Senftenbergs. Er beginnt an der Kaufhauskreuzung und führt in Richtung des Stadthafens. Auf dem Foto ist die Kreuzung mit der Grünstraße zu sehen Foto: T. Richter-Z.

Senftenberger Straßennamen ändern sich immer wieder

Senftenberg (trz). Wer fremd in Senftenberg ist und sich nicht auskennt, hat es mitunter schwer. Da hilft selbst ein Navi nur bedingt. Warum? Weil die Straßennamen mitunter falsch geschrieben, verkürzt wiedergegeben werden oder gar nicht erst vorhanden sind. Beispiel gefällig? Da gibt es in Senftenberg die nach dem bekannten Leichtathleten benannte Rudolf-Harbig-Straße. Auf dem einen Schild ist der korrekte Name verzeichnet, auf dem anderen dagegen nur „Harbig-Straße“. Andere Bezeichnungen wechseln dagegen öfter. So die Dorothea-Erxleben-Straße nahe dem Krankenhaus. Heimathistoriker Steffen Kober hat herausgefunden, dass diese nur wenige hundert Meter lange Verbindung seit dem Jahr 1905 bereits fünfmal ihren Namen gewechselt hat. Anfangs hieß sie  Louisenstraße. Später kam ein „von Erxleben“ hinzu. Dann waren diverse Vornamen falsch geschrieben.
420 Straßen
Steffen Kober, einst Cottbuser Stadtarchivar, befasst sich bereits seit Jahrzehnten mit Straßen, ihren Namen und deren Geschichte. Und jetzt auch in seiner Wahlheimat Senftenberg. Allein in der Kernstadt gibt es 420 Straßen. Im Mittelalter waren es dagegen nur ganz wenige, die sich allesamt um den Markt gruppierten. Die ersten Straßennamen besaßen keinen amtlichen Charakter. Schließlich lebten nur ein paar hundert Menschen in der Stadt. Da kannte jeder fast jeden und wusste, wo er wohnte.
Peitzer Gasse
Die heute als Bummelmeile bekannte Kreuzstraße könnte in früherer Zeit Peitzer Gasse geheißen haben. Schließlich führte sie weiter über Cottbus in die benachbarte Festungsstadt. Die Riemergasse wandelte sich zur Schmiedestraße, aus der Badergasse wurde die enge Bahnhofstraße. Um das Jahr 1900, so hat Steffen Kober herausgefunden, gab es in Senftenberg 16 Straßen- und Platzbezeichnungen. Und zwölf Monate später erfolgten per Beschluss der Stadtverordneten die ersten amtlichen Namensvergaben. Das Adressbuch von 1914 enthält 71 Straßen mit ihren Bezeichnungen.
Im 20. Jahrhundert wurde der Höhepunkt politischer Umbenennungen erreicht. Bereits ab 1930 hieß die Kaiser-Friedrich-Straße Friedrich-Ebert-Straße. Drei Jahre später wandelte sich die Ostpromenade zur Adolf-Hitler-Straße. Ende der 1940er-Jahre folgte ein großer Schwung Straßen mit neuen Namen. Manche hielten sich allerdings nicht allzu lange.
Etwa die Stalinstraße. Im Jahr 1961 hieß dieser Abschnitt nach historischem Vorbild wieder Steindamm, und zwar auf Vorschlag des damaligen Museumsleiters Günther Wendt. Er hatte den vom ihm bevorzugten Namen mit den spätmittelalterlichen Bauern begründet, die im 16. Jahrhundert den Damm zur Regulierung des Elsterwassers bauen mussten. Da es sich  nach sozialistischer Lesart um „unterdrückte Menschen“ handelte, wurde der Straßenumbenennung vonseiten der Machthaber stattgegeben.
Nach der politischen Wende gab es wieder neue Straßennamen. Alte Bezeichnungen kehrten zurück, neue Trassen bekamen eigene Namen.



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