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Cottbus: MORD strengt an

27. Oktober 2017 | Von | Kategorie: Feuilleton |

Manche Szenen haben etwas Witz in „Sunset Boulevard“, wie etwa diese mit: Isabel Dörfler (Norma Desmond), Heiko Walter (Max von Mayerling), Hardy Brachmann (Joe Gillis) und Matthias Bleidorn (Jonesy) Foto: Marlies Kross

Anmerkungen zu „Sunset Bouleward“ im Cottbuser Staatstheater.

Cottbus. Nicht nur das Leben, sondern auch dieses Musical endet verlässlich mit dem Tod, zumindest für alle, die nicht schon vorher in Langeweile sterben.
Nach „Sugar“ bringt die Bühne noch einen Lloyd Webber ins Große Haus, besetzt mit erstklassigen Künstlern, durchweg seriösen Herrschaften aus der Opernsparte. Und sie zelebrieren eine ironische Klamotte wie Wagners „Siegfried“. Dabei ist der Protagonist sowieso schon tot, schwimmt als Auftaktvideo im Ausgehzeug im Pool der Diva. Die war mal ein Star (als Gast Isabel Dörfler mit vielen großen und immer auch schleppenden Gesten, schöne Stimme), und der arme Autor, der gern ein Star wäre, pflegt ihren Wahn, der ihm die Existenz erhält. Diesen Joe Gillis gibt Hardy Brachmann mit verzweifelter Emsigkeit, zerrissen und ein bisschen feige, dabei gesanglich immer überzeugend, auch in zartem Duett mit Betty (Debra Stanley), die wegen der Love-Story gelegentlich eingerückt wird.
Große Szenen hat Klaus Seiffert (Regie) in einem konstruktiv-schönen Bild (Barbara Krott) zusammengetrieben, über dem immer in großen (auch steifen!) Lettern HOLLYWOOD steht, damit keiner vergisst, was gemeint sei. Vom Flair allein würde keiner drauf kommen, und Webbers Songs sind ja in diesem Musical auch nicht seine ganz großen Bringer. Das Orchester (Alexander Merzyn) gibt sich merkliche Mühe zu Leichtigkeit, und schließlich steuert auch das Ballett (Choreografie Mario Mariano) ein paar manierliche Figürchen bei. Ein wenig Rauschen erfasst die Halle, wenn der Chor (Christian Möbius), der nicht nur sanges-, sondern auch derb spielfreudig agiert, seine Auftritte hat. Einprägsam auch der konsequent starre Buttler mit tiefem, schmerzvollem Geheimnis von Heiko Walter; der bringt stillen Witz ins Spiel.
Am 3., 24. oder 26. November kann jeder selbst sehen. J.Hnr.



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