Dienstag, 19. Juni 2018 - 02:43 Uhr | Anmelden

Anzeige

Ostsee lässt Theologen auf Geologen treffen

12. Januar 2018 | Von | Kategorie: Region |

Der Geologe Ingolf Arnold (Redner) und der Theologe Burkhard Behr(am Rednerpult hinten links) beschäftigten sich am Dienstag auf einer Ringvorlesung an der BTU mit den Sorgen der Menschen, die durch die Entstehung des Cottbuser Ostsees hervorgerufen werden Foto: Mathias Klinkmüller

Ringvorlesung an der BTU versuchte am Dienstag die Ängste vor dem Cottbuser Ostsee zu nehmen.

Region (mk). Im Spreewald brauchen die Kähne Räder, in Maust werden die Wohnhäuser zu schwimmenden Häusern, statt einem Erholungssee gibt es einen Wasserspeicher und auch die beantragte vorzeitige Flutung im November bereitet Sorgen. Der künftige Cottbuser Ostsee verbreitet nicht allein Vorfreude, sondern auch Sorgen . Alle Sorgen werden ernst genommen. Das stellen der Moderator Pfarrer Burkhard Behr vom Zentrum für Dialog und Wandel der Evangelischen Landeskirche und der Abteilungsleiter Geotechnik bei der LEAG Ingolf Arnold auf einer Ringvorlesung am Dienstag im BTU-Hörsaal klar. Seit vergangenem Jahr ist der Theologe in der Lausitz beheimatet. Die evangelische Kirche möchte beim Strukturwandel als Gesprächspartner bereitstehen und zu einer Versachlichung der Diskussion beitragen. Und so ist es nur folgerichtig dass bei einer Diskussion um die Entwicklung eines ehemaligen Braunkohletagebaus ein Theologe auf einen Geologen trifft.
Nach einer kurzen Einleitung übergibt der Pfarrer an den Experten. In seinem Vortrag versucht Ingolf Arnold alle Berfürchtungen aus dem Weg zu räumen. Zu Rutschungen werde es nicht kommen. Die angewandte Rütteldruckverdichtung sorgt für Sicherheit oder wie der Fachmann verbildlicht: „Die Rüttelwände stehen wie ein Fels in der Brandung“. Kurz und knapp konnte er auch erklären, warum der ehemalige Tagebau Cottbus Nord nun bereits im November geflutet werden soll. Das Problem stellte er mit einer chemischen Formel dar, die im Hörsaal für Stirnrunzeln sorgte. Der Experte brachte diese so auf den Punkt: Je mehr Luftsauerstoff auf den pyrithaltigen Boden trifft, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es später zu einem Sauerwasserproblem kommt. Deshalb gilt es nun, den Boden so schnell wie möglich wieder unter Wasser zu setzen.
Auch die Spreewälder brauchen sich keinerlei Sorgen machen. Die Versorgung des Spreewaldes mit Spreewasser stehe auf Rang 1. Die Versorgung des ehemaligen Tagebausees mit Wasser lediglich auf Rang 4. Damit werde klar, wo hier die Prioritäten liegen, erläutert der Ingenieur. Auch der Eisengehalt des künftigen Sees sei zu vernachlässigen. Der See werde ph-neutral sein und der geringe Eisengehalt werde sich auf dem Seeboden absetzen und dort nur wenige Zentimeter ausmachen. Dass in Maust bei starken Regenfällen auch das Grundwasser künftig steigen wird, ist sehr wahrscheinlich. Der Cottbuser Ostsee habe damit aber nichts zu tun, versichert der Experte. Die Höhe des Cottbuser Ostsees ist exakt jene des bereits bestehenden Mauster Kiessees. Eines sei aber für Maust ganz wichtig, damit die Füße trocken bleiben: die Grabensysteme weiter zu pflegen, damit das Niederschlagswasser abfließen kann. Die Ängste der Mauster kann sich Ingolf Arnold nur so erklären, dass die riesige Wassermenge des künftigen Sees beeindruckend ist. Diese werde Maust aber nie überrollen, da der See eben kein See mit einer Staumauer ist, die brechen kann.
Durch den Ableiter kommt es auch nicht zu Überschwemmungen. Über den Schwarzen Graben werden pro Sekunde maximal 350 Liter Wasser pro Sekunde aus dem See abgeleitet. „Das sind nur zwei volle Badewannen“, verdeutlicht Ingolf Arnold, und erklärt, dass dies keine Wassermassen sind. Selbst bei Extremwettern mit starken Regenfällen können durch den Hammergraben 800 Liter pro Sekunde abgeleitet werden.
Und noch eine Frage erregt die Gemüter. Wird der See ein Stausee oder ein Erholungssee? Hier hat Ingolf Arnold eine klare Meinung: ein Erholungssee. Schließlich fließe das Wasser nur sehr langsam durch das Gelände. Durch die geringe Relieftiefe sind dem See zur Nutzung als Wasserspeicher natürliche Grenzen gesetzt. Zudem brauche es diesen Speicher nicht, sagt der Experte. Als aktiver Hochwasserschutz ist der künftige See allerdings so angelegt, dass er bei extremen Witterungsverhältnissen auch Wasser aufnehmen kann, erklärt Ingolf Arnold und beendet seinen Vortrag. Pfarrer Burkhard Behr lässt nun die Zuhörer zu Wort kommen. Erste Frage: Welche Auswirkungen hat der See auf das Grundwasser in Cottbus? Der Geologe verweist hier auf die 7,1 Kilometer lange Dichtwand und zahlreiche Messstationen, die keinen Anstieg ergeben haben. Die Dichtwand bleibt auch künftig im Boden, da es ohne diese zu einer Grundwasserabsenkung kommen würde. Ein anderer Zuhörer will wissen, welche Größe künftige Schiffe haben können? Für Fahrgastschiffe wie am Senftenberger See mit einem Tiefgang von 60 bis 80 Zentimertern sieht der Experte kein Problem. Zu großer Tiefgang wird jedoch nicht möglich sein. Während der See im Uferbereich bis zu 20 Meter tief ist, werden in der Mitte lediglich 2,40 bis 2,70 Meter Wassertiefe erreicht. Diese geringe Wassertiefe veranlasst einen Zuhörer zu fragen, ob der flache See denn an heißen Tagen nicht zu einer braunen Brühe wird. Dies schließt der Geologe aus. Durch den Pyritgehalt im Seeboden werde in geringem Maße Schwefelsäure abgegeben, die wie erwähnt dafür sorgt, dass der See ph-neutral bleibt. Die Entwicklung von Grün- oder Blaualgen schließt der Experte deshalb aus. Den See tiefer zu machen, wäre mit immensen Mehrkosten verbunden gewesen, begründet Ingolf Arnold zudem.
Nach dem Vortrag verweist er für alle, die sich für die Entwicklung des Tagebaus zum riesigen See interessieren, an das „Jahrbuch Niederlausitz 20-18“, welches im CGA-Verlag erhältlich ist. Auf 30 Seiten gibt Ingolf Arnold hier Einblicke in die Entstehung desCottbuser Ostsees, den er als ein Niederlausitzer Jahrhundertwerk bezeichnet.
Veranstalter der Ringvorlesung war der Wasser-Cluster-Lausitz-Verein.



Anzeige

Schreibe einen Kommentar

 

Ich habe die Datenschutzerklärung der Cottbuser General-Anzeiger Verlag GmbH gelesen und akzeptiere diese mit dem Versenden des Kommentares.


Das könnte Sie auch interessieren