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Der Specht klopft

29. Januar 2018 | Von | Kategorie: Kommentar |

Alle Jahre wieder flattert der Specht durch Lausitzer lokale Medien. Der Mauerspecht. Er ist keine ornitholigische, sondern eine gleichermaßen politische und wirtschaftliche Spezies. Gleich nachdem die Cottbuser Stadtsparkasse die Handwerkermesse erfunden und im heutigen Tanzhaus in der Rudolf-Breitscheid-Straße ausgerichtet hatte, wurden Marketingleute aktiv und kreierten diesen Vogel. Er symbolisiert bis heute, dass mit dem Niedermeißeln der Berliner Mauer auch die große Freiheit für das Handwerk begann. Das Handwerk hatte am schnellsten begriffen: Wer eine helfende Hand will, sollte am besten am Ende des eigenen Armes suchen. Selbst zupacken, etwas wagen, Tag für Tag die Ärmel aufkrempeln.
Inzwischen ist die jährliche Handwerkerausstellung in den Cottbuser Messehallen zum Ereignis geworden, das nicht nur Auftragsbücher für Monate füllt, sondern den tausenden Besuchern auch einen Einblick in die Situation des modernen Lausitzer Handwerks verschafft.
„Mauerspechte“ im wörtlichen Sinne jenes Novembers 1989 sind das nun nicht mehr. Selbst die Steinmetzen, denen das am ehesten zuzutrauen wäre, pickern kaum noch mit Hammer und Meißel. Moderne Technik hat überall Einzug gehalten, digitalen Entwürfen folgen elektronisch gesteuerte Ausführungen. Der Handwerker ist mehr denn je ein „Kopfwerker“, der anderen Berufszweigen aber noch immer ausgeprägtes handwerkliches Geschick voraus hat.
Nicht nur nebenbei klopft der Specht gut hör- und sichtbar an diesem Wochenende auch wieder für den handwerklichen Stolz, für die Attraktivität der Branche und für den Nachwuchs. Im Handwerk lernen, bleibt immer wieder ein gute Idee.



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