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Da röchelt was

23. Februar 2018 | Von | Kategorie: Cottbus, Feuilleton, Region |

Anmerkung zu „Die Verwandlung“ nach Kafka  in der Kammerbühne

 

Staatstheater Cottbus
DIE VERWANDLUNG
Nach der Erzählung von Franz Kafka
Szenenfoto mit (v.l.n.r.): Matthias Manz (Vater), Lucie Thiede (Schwester), Henning Strübbe (Prokurist), Susann Thiede (Mutter) und Ariadne Pabst (Dienstmädchen)
© Marlies Kross

 

Cottbus. Wer sich sonst gern auf den absurden Franz Kafka einlässt, war hier enttäuscht. Jedwede Verwandlung bleibt aus.
Die Erzählung wird im Original, wenn auch in dritter Person, vom Käfer gewordenen Handlungsreisenden her aufgebaut. Ihn nicht erscheinen zu lassen, geht noch an. Aber warum passiert dann mit der Familie nichts? Warum referieren die nur schreiend den Text, anstatt sich zu spielen und zu verwandeln? Blass kostümiert und rothaarig irren sie durch die Leere vor der stoffbahnenverhängten Arena, aus der es gelegentlich poltert oder röchelt.
Ronny Jakubaschk hat sich diese Bühnenfassung erdacht und und führt Regie. Annegret Riediger schuf diese Nicht-Bühne und weigert sich, Kafkas ziemlich präzise Anzugsordnung, etwa für den hier in rosafarbenem Pullover rumstehenden Vater, zu akzeptieren. So reduziert sich die Parabel in platter Lesung auf den Wechsel vom ER (Georg) zum ES (das Untier) mit entsprechendem Fingerzeig. Zu wenig! Auch differenziertes, teils leidenschaftliches Spiel retet den Abend nicht. Gänzlich blass bleibt Mastthias Manz, dieser träge Vater, der im Druck des Entsetzlichen zwar Äpfel wirft, aber nicht erkennbar zu sich findet. Die Ausnahmesituation zwingt ihn zu sich selbst zurück. Nichts davon in diesem Ste-greif.
Gleich einbezogen ins Familiäre und damit schon darstellerisch ausgebremst ist der Prokurist, hier „der Herr“ genannt, von Henning Strübbe, dem ein sinnhafter Part zu wünschen wäre.
Mit großer Vehemenz beklagt Susann Thiede ihr Unglück. Aber wer ist sie eigentlich? Kafka beschreibt sie genau als die mühsame Maus. Jakubaschk lässt sie in verzweifelten Bücklingen verweilen. Regsam vermittelt Lucie Thiede als Schwester des nicht Anwesenden. Ihre Beziehung zu „dem Herrn“ rückt ins Zentrum, lässt früh ein Happyend aus plötzlich heiterem Himmel ahnen. Präzise setzt sich Ariadne Pabst als Dienstmädchen von dieser Verschwörung ab. Ihr bleiben die Vorgänge suspekt, und sie weiß das in Gesten, Platzwahl, vieldeutigen Blicken und Distanz zum Ausdruck zu bringen. Sie ist die einzige Figur, die Unklarheit erzwingt zu all den Vorgängen, die hinter der „Verwandlung“ und eigentlichen Abstrafung stecken.
Das Premierenpublikum, überwiegend aus der Kreativ-Szene, applaudierte höflich.

J.Heinrich



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