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Chicagos Gangsterboss ist eine Frau

9. März 2018 | Von | Kategorie: Cottbus, Feuilleton, Region, Unterhaltung & Freizeit |

Anmerkungen zum „Arturo Ui“ in der Gastregie von Malte Kreutzfeldt

Staatstheater Cottbus
DER AUFHALTSAME AUFSTIEG DES ARTURO UI
von Bertolt Brecht
Szenenfoto mit (Bildmitte): Sigrun Fischer (Arturo Ui)
© Marlies Kross

 

Cottbus. Brecht hat seine Gangstergeschichte 1941 ganz präzise gegen Hitlers Bande geschrieben. Die Spielanweisungen sind fast kleinlich genau. Das Ganze hat etwas Kabarettartiges und längst nicht die sprachliche Dichte, wie Brechts Meisterwerke. So kam dem Gastregisseur Malte Kreutzfeldt hier in Cottbus vermutlich sehr entgegen, dass er eine Ausnahmekünstlerin traf, die zudem schon unter Schroth die Courage gespielt hatte: Sigrun Fischer. Sie besetzt er als Arturo Ui und baute das Blumenkohlspektakel, gelegentlich mit Ketchup aktualisiert, um sie herum. Einzelne Szenen, besonders die gestenreichen, sind bis in jede Fingerbewegung hinein ausgeklügelt und wahre Meisterwerke. Andere schludern hin, wie etwa das makabere Gekose mit den blutverschmierten Leichen, das zu Müdigkeit im Zuschauerraum führt. Auch sonst gibt es manche Längen, beginnend bei der „Ouvertüre“ des stummen Bandenkrieges. Solche Szenen wiederholen sich und schaffen dann Aktion. Gott sei Dank, denn zum Ärger der Augen spielt die Gemüsemafia immer im Schwarzen (warum), wo doch eigentlich viel Spaß in den Dialogen steckt. Das Bühnenbild hat der Regisseur (leider) selbst verantwortet, elegant angezogen hat das von wenigen Leuten dargestellte reichliche Personal Katharina Beth.
Besonders interessant wirken die beiden Figuren von Boris Schwiebert (Butcher und Ingnatius), der gewagt pokernde und am Ende nur fast tote Ernesto von Volker Weidlich (a.G.), die drei Figuren der Kerstin Mutwill sowie Rolf-Jügen Geberts alter übervorteilter Mann, der noch am ehesten an Brechts Vorbilder-Konzept erinnert.
Das ganze Spiel wird wirkungsvoll in Filmmanier von Musik untermalt, was allerdings phasenweise die Textverständlichkeit belastet. Alles in allem ein spannender Theaterabend, dem bei Bedarf auch Diskussionen zwischen Ensemble und Publikum im Foyer folgen können. J. Heinrich



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