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Gestörte Gespräche

26. April 2018 | Von | Kategorie: Kommentar |

Sie erreichen den Autor: j.heinrich@cga-verlag.de

Welch ein absurder Vorgang! Die Cottbuser Stadtverordneten beriefen zum letzten Sonnabend eine Sondersitzung ein. Im zweiten Teil dieser Veranstaltung sollten Einwohner sich „frei von der Leber“ dazu äußern, was schief läuft in dieser Stadt. Aber nur Cottbuser durften das tun; nicht etwa Kolkwitzer oder Dissener.
Der Ort des Scherbengerichts wurde aufwendig abgesperrt, Ordnungskräfte kontrollierten die Ausweise, Wortmeldungen waren auf Formblättern schriftlich zu beantragen. Kurz: glossierte „Demokratie“ an einem sommerlichen Frühlingstag.
Wer sich den aus Pflichtgefühl versaute, dachte vielleicht zurück an die mittleren 80er Jahre. Da gab es letztmals Diskussion mit Ausweiskontrolle. Das Theater zeigte auf der Probebühne in der Turnhalle der Blechenschule „Franziska Linkerhand“ von Brigitte Reimann. Ein Text voller Zweifel am Aufbauwerk. Nach dem Spiel durfte diskutiert werden. Die Personen waren ja erfasst – man wollte wissen, wer das Maul aufreißt. Damals gingen Menschen trotzdem hin. Weil es nötig war. Und diesmal? Sie kamen arglos, lästernd, fragend: Wo liegt der Sinn? Was soll eine Grenze um das kleine Cottbus? Viele, die hier das Leben gestalten, wohnen ohnehin außerhalb.Sie spielen hier Theater, führen Unternehmen, engagieren sich in Politik und Verwaltung der Stadt. Sie sind nicht Melde-, oft aber Herzens-Cottbuser. Ihretwegen Demokratie unter Polizei- und Ordnungsamtsschutz zu pressen, ist fatal bis leichtfertig. Solchermaßen gestörte Gespräche sind verstörte Gespräche. Vielleicht reden die Cottbuser einfach mal ganz normal miteinander. Über Projekte, die voran bringen. Und an denen sich auch Nachbarn beteiligen dürfen.




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Ein Kommentar auf "Gestörte Gespräche"

  1. Michel sagt:

    Der Sachverhalt ist unvollständig dargestellt. Wir normale Cottbuser wollten nach der ZH- Demo ist Stadthaus zur Diskussion. Wir bekamen gelbe Bändchen und wurden ohne Rederecht auf der Empore unter Aufsicht des Ordnungsamtes platziert.

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