Please enable / Bitte aktiviere JavaScript!
Veuillez activer / Por favor activa el Javascript![ ? ]
Als Cottbus noch eine Schokoladenstadt war... - Märkischer Bote - Märkischer Bote
Freitag, 30. Juli 2021 - 01:55 Uhr | Anmelden
  • Als Cottbus noch eine Schokoladenstadt war...Als Cottbus noch eine Schokoladenstadt war...

Als Cottbus noch eine Schokoladenstadt war...

Als Cottbus noch eine Schokoladenstadt war...
18°C
 

Anzeige

Als Cottbus noch eine Schokoladenstadt war…

23. Dezember 2016 | Von | Kategorie: Bilder aus dem alten Cottbus |

Eine Original Burkbraun-Schachtel bekam der Herausgeber dieser Zeitung jetzt geschenkt: mit Ströbitzer Lebkuchen gefüllt

Cottbus (hnr.). Eine ältere Pappschachtel bekam kaum jemand je geschenkt. Diese war am zweiten Advent gefüllt mit feinen Ströbitzer Lebkuchen. Die schmeckten vorzüglich. Aber das eigentliche Geschenk und Anlass zu großer Freude war diese alte Schachtel.
Weinbrandbohnen ohne Zuckerkruste von Burkbraun. Wann mögen die genussvoll gelutscht worden sein? 1940? 1939? Oder gar früher?
Heute jedenfalls erinnern sie uns daran, dass Cottbus für gut zwei Jahrzehnte eine Schokoladenstadt war. Unsere Leserin Ursula Schütt notierte 2012 in einer Rätselzuschrift „Damals duftete es bei Burkbraun wie heute bei Felicitas.“ Wir hatten damals das „Schokoladenhäuschen“ am Bahnhofsberg gezeigt, an das sich noch viele Cottbuser erinnern. Es trug im runden Giebel das Burkbraun-Cottbus-Wappen, darunter stand aber Schnellimbiss-HO. Die Schokoladenfirma hatte in der Sprem und hier repräsentative Verkaufsstellen. Das Häuschen, das ganz sicher denkmalpflegerische Erhaltung verdient hätte, wurde 1986 abgerissen, als die Bahnhofsbrücke wegen der Elektrifizierung erhöht werden musste.
Burkbraun blieb den Cottbusern und auch den Lausitzern in Erinnerung, weil das Unternehmen für gute Qualität einst bis zu 1 500 Leute beschäftigt hat. Und die Schokolade in gleicher Verpackung gab es auch  noch bis etwa in die 1970er Jahre hinein. Storck in Halle/Westfalen hatte die Marke übernommen. Sie existiert im Grunde heute noch, allerdings als eine Agentur für Schokoladenwerbung im Storck-Familienunternehmen, das weltweit 5 600 Beschäftigte hat (Werter’s Beste, Nimm 2, Toffifee, Merci u.a.).
Im Jahr 1919 hatten sich der Cottbuser Kaufmann Heinrich Burk und der aus Leipzig stammende Werkmeister Paul Braun an die Gründung einer Süßwarenfabrik gewagt. Sie bauten ihr Unternehmen modern auf und hatten bald entsprechenden Erfolg. Auch, weil sie unkonventionelle Mittel nicht scheuten. Furore machten sie ab 1926 mit ihrer Radium-Schokolade. Marie Curie hatte 1898 das geheimnisvolle Element entdeckt, dem bald Wunderwirkungen zugeschrieben wurden, auch für menschliches Befinden. Die Cottbuser Schokoladen-Kaufleute stiegen darauf ein. Ihre „Radium-Schokolade nach Dr. Senftner, Deutsches Reichspatent“ wurde ein Verkaufsschlager. Sie wirke verjüngend, hieß es. Unter dem umstrahlt gedruckten Wort RADIUM stand zu lesen: „Sind Sie gesund, so erhalten Sie dadurch Ihr kostbares Gut, sind Sie leidend, so erhöhen Sie Ihre Aussicht, wieder gesund zu werden.“ Das war durchaus vorsichtig und unverfänglich formuliert. Dann ging es auch marktschreierischer: „Das ganze Jahr im Radium-Bade / durch Burkbraun Radium Schokolade.“
Inwiefern tatsächlich mit strahlendem Material gearbeitet wurde, bleibt unklar. Spezialisten der Kernforschung aus Karlsruhe haben nach 1990 hier keine messbare Radioaktivität nachweisen können.
Die schöne Schokoladenzeit ging nicht gut zu Ende. Die Wehrmachtsflieger, die Radium-Schokolade zur Pilotenausrüstung bekamen, blieben nicht länger am Himmel als ohne.  Ab 1943 wurde die Schokoladenproduktion sogar ganz eingestellt, und die Mitarbeiter, verstärkt um Kriegsgefangene, mussten Gewehrmunition herstellen.
Meister Braun, der in der Kaiser-Friedrich-Straße 8 gewohnt hatte, war da schon nicht mehr beteiligt. Heinrich Burk besaß die Villa in der Bahnhofstraße 15, später Sitz des Kulturbundes und des Carl-Blechen-Clubs. Er hatte sich, heißt es, beim Einmarsch der Russen im Keller erschossen. Schon Ende April ‘45 saß hier der von den Russen eingesetzte Bürgermeister und empfing Geschenkpakete von Fleischern der Stadt.




Anzeige

Schreibe einen Kommentar

 

Ich habe die Datenschutzerklärung der Cottbuser General-Anzeiger Verlag GmbH gelesen und akzeptiere diese mit dem Versenden des Kommentares.


Das könnte Sie auch interessieren