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Karl-Liebknecht-Oberschule - Märkischer Bote
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  • Altes Spremberg: Vor 70 Jahren musizierten diese Kinder in der Spremberger Karl-Liebknecht OberschuleAltes Spremberg: Vor 70 Jahren musizierten diese Kinder in der Spremberger Karl-Liebknecht Oberschule

Altes Spremberg: Vor 70 Jahren musizierten diese Kinder in der Spremberger Karl-Liebknecht Oberschule

Altes Spremberg: Vor 70 Jahren musizierten diese Kinder in der Spremberger Karl-Liebknecht Oberschule
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Altes Spremberg: Vor 70 Jahren musizierten diese Kinder in der Spremberger Karl-Liebknecht Oberschule

11. Juni 2021 | Von | Kategorie: Bilder aus dem alten Spremberg |

Aus der Sammlung eines Schulleiters und jahrzehntelang engagierten Kanuten.

Altes Spremberg: Vor 70 Jahren musizierten diese Kinder in der Spremberger Karl-Liebknecht Oberschule

Das Bild im Freundschaftszimmer entstand 1951.

Das wunderbare Foto – gleichsam ein Stimmungsgemälde jener frühesten DDR-Jahre – stammt aus der Sammlung von Werner Borjack, Jahrgang 1920, in Spremberg bekannt als Schulleiter der Aufbaujahre und vor allem als einer der ganz aktiven Kanuten, von 1953 bis 1968 sogar Vizepräsident des Deutschen Kanusportverbandes (der hieß tatsächlich so, obwohl es „nur“ ein Verband innerhalb der DDR war). Zuletzt war er Ehrenmitglied des SG Einheit. Das Bild zeigt tatsächlich schon 1951 das Freundschaftszimmer der Karl-Liebknecht-Oberschule in der Wirthstraße, und hier die Jungen Pioniere der Musik-Arbeitsgemeinschaft.
S. Sachse mailt: „Das kann nur ‘51 oder etwas später aufgenommen sein, denn bald danach wurden die Stalinbilder (l.) nicht nur in Schulräumen abgehängt. Ob es die bei mir (eingeschult 1954) noch gab, weiß ich nicht mehr, aber in den Lesebüchern standen noch diese Geschichten, wie der brave Bub Stalin mit seinen ärmeren Mitschülern die Stullen teilte. Rechts hängt Otto Grotewohl, der aus der SPD in die SED kam und dann Ministerpräsident wurde. In Cottbus war er anlässlich des 50. Theaterjubiläums Gast zur Uraufführung der sorbischen Oper ‘Jan Suschka’ im Oktober 1958.“
Auch Helmut Stephan tippt wie die meisten Einsender: „Das Foto entstand 1951, denn das Bild am rechten Rand zeigt Otto Grotewohl (1894-1964), der seit 1949 Ministerpräsident der DDR war. Mit Wilhelm Pieck gründete er 1946 die SED (aus SPD und KPD). Von 1920-1933 war Grotewohl als SPD-Politiker mehrfach Minister in Braunschweig. In der DDR galt er als einer der beliebtesten Politiker. Links unter dem sowjetischen Pionierabzeichen ist J.W. Stalin zu erkennen.“
Klaus Hirsch aus Großkoschen analysiert genau: „1951 – die Bilder an den Wänden sagen es eindeutig aus. Stalin starb 1953. Die Kinder tragen alle das blaue Halstuch der Jungen Pioniere. Meine Frau machte mich darauf aufmerksam, dass der ‘Hahnekamm’ bei den Mädchen zu der Zeit schon ein Auslaufmodell war. Zwei Mädchen spielen kein Instrument, waren vielleicht die Ansager. An der rechten Seite steht ein Schachtisch, also wurde dieses Zimmer auch anderweitig genutzt. Ein Aquarium gab es auch.
Otto Grotewohl, rechts im Foto, der 1964 starb, habe ich in den 50er Jahren auf einer Veranstaltung auf dem Neumarkt in Senftenberg erlebt. Beeindruckend für mich als 14-jährigen war sein Dienstwagen. Als er einstieg, stand ich zwei Meter entfernt. Es war ein zweitüriger DKW, schön gepflegt, aber für einen Ministerpräsidenten…? Der spätere ‘F8’ sah so ähnlich aus: zweitürig, 2-Takter mit etwa 25 bis 30 PS.“
Eigener Erlebnisse erinnert sich Jürgen Rhode aus Cottbus: „Links hängt, wie damals üblich, der große Generalissimus Josef Wissarionowitsch Stalin, der in keinem öffentlichen Gebäude fehlen durfte. Ich war zu der Zeit in einem Schulchor, nicht in Spremberg. Diesen Schulchor leitete eine talentierte Musiklehrerin, Frau Reefschläger. Aus dieser Zeit ist mir noch das Lied in Erinnerung: Stalin, auf dich schaun wir voll Vertrauen, dir sei unsre ganze Kraft geweiht. Mit dir wolln wir unsre Zukunft bauen, für dich sind wir allezeit bereit. – Wie zur Antwort ist über dem Stalinbild zu lesen (russisch): immer bereit.- Stalin schaut auf Grotewohl. Der aber schaut weg von Stalin nach links, war ja früher Sozialdemokrat. 1961 war die Stalinära offiziell vorbei, 1956 hatte Chrustschow auf dem XX. Parteitag der KPdSU die Geheimrede zur Abrechnung mit dem Terror Stalins gehalten. Alle Stalinbilder waren verschwunden. Sic transit gloria mundi – so vergeht der Ruhm der Welt.“
Es gab dann auch entsprechende Umbenennungen, schreibt Reinhard Semt, „wie die der Stalinallee in Berlin und von Stalinstadt in Eisenhüttenstadt. Grotewohl hielt sich bei nachlassender Bedeutung länger. Er kam erst mit der Wende endgültig aus der Mode.“
Michael Kuhrt aus der G.-Moritz-Straße in Cottbus ist sich sicher: „J.W. Stalins Bild hing spätestens nach der Entstalinisierung (1956 bis 1963) bestimmt nicht mehr dort! Ein Teil des Mobiliars und der Gardinen erinnert an die 60er Jahre.“ „Angesichts der Kleidung und der Frisur kann das Foto aus dem Jahre 1951 stammen“, findet Sabine Mischok aus der Sanzebergstraße in Cottbus „Es hängt noch ein Bild von Stalin an der Wand, der 1961 und 1981 längst aus der Gesellschaft verbannt war. Statt Grotewohl, würde man in jüngerer Zeit Porträts von anderen Politikern zeigen.“
„Mit meiner lieben Frau bin ich in einen kleinen Streit geraten, ich habe das Foto dem Jahr 1961 zugeordnet“, räumt Werner Mischok ein. „Ein Bild von Stalin hängt zwar noch an der Wand, aber erst im Verlauf jenes Jahres wurden Bezeichnungen mit Stalin umbenannt. Und Otto Grotewohl war bis 1964 Vorsitzender des Ministerrates…“
Trotzdem – 1951 stimmt, was Manfred Gnida aus Spremberg genau erläutert: „Mit dem Schuljahr 1950/51 kamen Musterpionierzimmer in der Karl-Liebknecht-Oberschule in Spremberg auf den Plan. In den Anfangsjahren fehlte es an nötigen Einrichtungsgegenständen. Trotz dieser Probleme konnte am 1. März 1951 um 15 Uhr mit einer hierfür gestalteten Feierstunde das fertige Pionierzimmer, wie es das Foto zeigt, in der Karl-Liebknecht-Oberschule übergeben werden. Die zwölf Pioniere mit dem abgebildeten Lehrer spielen hier ein Flötenkonzert, trugen aber oft auch Programme mit unterschiedlichen Instrumenten zur Freude besonders bei älteren Einwohnern vor. Musikalisch ist Spremberg bis in die heutige Zeit mit der Ausbildung von Musikern erfolgreich und Namen wie Hilmar Schenker oder Günter Semjank sprechen dafür. Ein Aufschwung begann 1978 in der ehemaligen Schule in Kochsdorf als ein Unterichtskabinett für Musik gegründet wurde. Jetzt findet im Schloss gute musikalische Ausbildung statt.“
„So ein schönes altes Foto, es erinnert mich an meine Kindheit“, schreibt Renate Brinke aus der Hagenwerderstraße in Cottbus. „Die Frisuren, Zöpfe und vor allem die netten ‘Hahnenkämme’ gab es 1961 und 1981 längst nicht mehr. Und den ‘großen Freund und Held’ Stalin gab es Anfang der 60er Jahre auch nicht mehr.“
Werner Lehmann kennt sich konkret in Spremberg aus: „Zu sehen ist ein Pionierraum der damaligen
Karl-Liebknecht-Schule (Grundschule I – am Kirchplatz 1). Solche AG gab in es jeder Fachrichtung für JP und sie waren sehr beliebt. Ab September 1956 wurden sie in die Rosa-Luxemburg-Schule eingegliedert. Dieses Gebäuden (Wirtstraße) wurde vor ca. zehn Jahren umfangreich saniert und erwartet zur Zeit eine umfangreiche Erweiterung. Das Bild von Stalin wurde kurz nach dessen Tod durch eines von W. Pieck ersetzt. Otto Grotewohl hatte weiter seinen gleichen Platz. Die Pionierlosung wurde mit dem Bilderwechsel ebenfalls geändert.“
Helga Jung aus der Hans-Beimler-Straße in Cottbus erinnert sich: „N. Chrustschow hat nach 1953 mit dem Personenkult um Stalin abgerechnet. Statuen wurden entfernt, Straßen und sogar Städte umbenannt. Folglich hing schon 1961 kein solches Bild mehr in einem Schulraum.“
Das bestätigt Arno Schulz aus Guben: „1958 wurde aus der Berliner Stalinallee die Karl-Marx-Allee, aus Stalinstadt wurde Eisenhüttenstadt usw. So verschwanden auch die Bilder von den Wänden. Stalins Schreckensherrschaft mußten auch Gubener erleben. Es gab eine kleine Gruppe von Bürgern, die es wagten, einfache bürgerliche Rechte einzufordern, die sogenannte Schubertgruppe. Verhaftungen erfolgten 1950/51. Die Verhöre durch die GPU fanden in der heutigen Gedenkstätte in der Lindenstraße in Potsdam statt. Von den 21 Verhafteten wurden elf zum Tode verurteilt, die Urteile wurden am 27. Juni 1951 in Moskau vollstreckt. Die Restlichen erhielten langjährige Freiheitsstrafen von 8 bis 25 Jahren und wurden teilweise in das berüchtigte Zwangslager Workuta gebracht. Die noch lebenden Häftlinge wurden nach Stalins Tod entlassen. Die Obermilitärstaatsanwaltschaft in Moskau hob die Urteile am 22.Juni 1995 auf. Eine Entschädigung gab es nicht.“
Familie Wasmus aus Cottbus-Ströbitz schreibt: „Wir sind zwar später Geborene, wissen jedoch, dass der Personenkult um den sowjetischen Diktator Stalin mit seinem Tod 1953 auch in der jungen DDR, Gott sei Dank, beendet wurde! Das vierte (hier sichtbare) von insgesamt zehn Pioniergeboten blieb gültig, aber das Bild des Georgiers verschwand.“

Weitere Beiträge über das historische Spremberg und das Umland finden Sie hier!
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