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Bilder aus der alten Neißestadt Guben: 80 Milliarden Mark für eine Tramfahrt

11. September 2020 | Von | Kategorie: Bilder aus der alten Neißestadt Guben |

Trotzdem überlebte Gubens meterspurige Straßenbahn noch weitere 15 Jahre.

Bilder aus der alten Neißestadt Guben: 80 Milliarden Mark für eine Tramfahrt

Die Kutsche steht vorm Gubener Rathaus, heute Gubin (C)

Brigitte Albrecht aus dem Striesower Weg in Cottbus meint am Telefon: „Das Foto liegt zeitlich sehr weit zurück. Nach 1945 hieß die Stadt Wilhelm-Pieck-Stadt Guben. Jetzt ist Guben erfreulicherweise wieder mit einer Brücke mit der polnischen Nachbarstadt verbunden.“ Reiner Höhne aus der Spremberger Straße in Welzow schließt an: „Das Bild zeigt viele Gaststätten, Konditoreien, Geschäfte. Guben ist eine der ältesten Städte der Niederlausitz. Momentan gibt es 22.000 Einwohner.“
S. Menzel aus der Klaus-Herrmann-Straße in Guben vertieft: „Der Markt zwischen der Klosterstrasse und der Herrenstrasse ist zu sehen – dicht bebaut mit Wohn- und Geschäftshäusern sowie der Konditorei Schmidt, Apotheke Helbing, Postamt, Kaufhaus Herrmann Meier sowie der Haltestellenpunkt unserer alten Straßenbahn vor dem Postamt. Einst war auch ein Monumental-Brunnen aus rotem Sandstein mit bronzenen Wasserspeiern und dem Doppelrelief Kaiser Wilhelm I. und Friedrich III. vorhanden. Wanderführer oder Wanderkameraden schwärmten von unserer Region.“
Gert Richter aus Alt-Deulowitz beschreibt: „Der Betrachter steht in der Klosterstraße mit dem Rücken zur Großen Neißebrücke. Links die Kutsche steht vorm Rathaus. Das links dahinter stehende Zwei-Kaiser-Denkmal wurde am 30. Oktober 1898 eingeweiht, aber kurz vor dem Krieg von den Nazis zerstört.
Rechts begegnen sich Straßenbahnen. Die Bauarbeiten für diese Straßenbahn begannen im Oktober 1903 – kein halbes Jahr später war Inbetriebnahme. Die Betriebslänge betrug 2,442 km vom Bahnhof bis zur Lubstbrücke. Man hatte die Meterspur gewählt, da sie eine bessere Anpassung an das Straßennetz ermöglichte und billiger als die Normalspur (1.435 mm) war. Die Strecke war eingleisig u. hatte 4 Ausweichstellen; eine davon sehen wir hier. Die EAG betrieb die Straßenbahn mit einem Betriebsleiter, 8 Fahrern, 1 Kontrolleur u. 4 Arbeitern von 8 bis 22:00 Uhr. Der Fahrpreis betrug anfangs 10 Pfg, steigerte sich aber auf 15, dann 60 Pfg, zum 1.5.1922 auf 2 Mark und ab 1.8.1923 auf 1.000 Mark. Höhepunkt war der 23.11.23 mit 80 Milliarden Mark für eine Fahrt. Die erste Stilllegung wegen fehlender Rentabilität erfolgte im Juli 1920; die endgültige am 8. Juni 1938, da jährlich ein Defizit von 1.000 M eingefahren wurde. Im Betriebsjahr 1919/20 wurden 1,27 Millionen Personen befördert; 1934 nur noch 800.000. Anschließend erfolgte der Betrieb von 4 Buslinien. Der 1. fahrplanmäßige Busverkehr erfolgte am 15.12.1927.“
„Über den ehemaligen Marktplatz von Guben (heute Gubin), neben dem Rathaus und der Ruine der Stadt- und Hauptkirche, bin ich erst vor wenigen Tagen geschlendert,“ berichtet unser Gubener Leser Arno Schulz und hängt ein Bild aus heutiger Sicht von fast gleicher Kameraposition an. „Von den abgebildeten Häusern steht nichts mehr, nur das Straßenpflaster hat die Kriegs- und Nachkriegszerstörung überlebt. Heute ist dort eine Grünanlage und in südlicher Richtung ein Kaufhaus entstanden. Die Straßenbahn ist der Zerstörung entgangen, denn sie fuhr nur bis 1938 mit sechs Triebwagen vom Bahnhof bis zur Lubstbrücke. Vor dem Rathaus war eine der Ausweichstellen, deshalb dort zwei Bahnen. Etwa vier Meter Gleis und die im Pflaster eingelassene Markierung erinnern noch an die Linienführung der Tram. Rechts im Bild beginnend mit Konditorei Erich Schmidt, dann die Apotheke von Arthur Helbig, das große Gebäude rechts war das Hautpostamt, aber auch Adolf Hoffmann, nicht mehr auf dem Bild, hatte in dieser Straße seine Möbelhandlung (heute Hoffmann-Möbel). Links der Zweikaiserbrunnen. Dieser mußte schon 1938 weichen. Der Markplatz war auch der Standort der Droschken, noch heute stehen in der Nähe die mit Benzin- und Diesel getriebene Droschen der polnischen Taxiunternehmen in reicher Zahl.“
Fritz Dieter Buddrus mailt schließlich: „Das ist diesmal aber sehr einfach, denn Forst und Senftenberg hatten nie eine Straßenbahn. Also bleibt nur Guben übrig.“
Immerhin regte das Bild Sabine Mischok aus der Cottbuser Sanzebergstraße zu selbstgereimten Worten an:
Lösung C möchte ich hier nennen,/ das alte Guben ist gut zu erkennen./ Marktplatz und Zwei-Kaiser Brunnen sind markant,/ wie ich sie in einem Bildband fand. / Als gebürtige Gubenerin / schau’ ich gern auf solche Bilder hin.
Gewonnen hat Sabine Mischok aus Cottbus.

Bilder aus der alten Neißestadt Guben: 80 Milliarden Mark für eine Tramfahrt

Die Perspektive unseres Rätselbildes heutzutage Foto: A. Schulz

Weitere Beiträge über das historische Guben und das Umland finden Sie hier!




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