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Hubers Hotel in Großräschen - Märkischer Bote
Donnerstag, 13. Mai 2021 - 19:38 Uhr | Anmelden
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Alte Niederlausitz: Erlebnisgastronomie in Großräschen

Alte Niederlausitz: Erlebnisgastronomie in Großräschen
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Alte Niederlausitz: Erlebnisgastronomie in Großräschen

19. Februar 2021 | Von | Kategorie: Bilder aus der alten Niederlausitz |

Hubers Hotel in Großräschen machte unter dem Erben Ulrich Acksel Furore.

Alte Niederlausitz: Erlebnisgastronomie in Großräschen

Das Hotel in Großräschen wartet auf einen dritten Frühling

Aus allen Richtungen – Cottbus, Senftenberg, Forst, Calau und auch Berlin und Dresden oder von weiter her – sind die Leute in den 1970er und ‘80er Jahren in dieses Hotel geströmt. Aber in Erinnerung blieb ein ganz anderes Bild als dieses, denn der Besitzer des Hauses hatte während der späten DDR-Jahre im Hofgarten eine Phantasielandschaft erbaut, die alle anderen Eindrücke verdrängte. So wussten diesmal wirklich fast nur Einheimische aus Großräschen die Lösung. Walter Trzenschik aus der Rembrandtstraße schrieb: „Das Hotel befindet in Großräschen. Die Aufnahme entstand ca.1920. Der damalige Hotelname war Kunz, Besitzer war Robert Huber.“
Auch Jochen Kunzmann aus der Karl-Marx-Straße hat sich gemeldet und weiß schon vom „zweiten Frühling“ des Objekts: „Das Hotel Huber war das erste Haus am Platze. Ich persönlich kenne es nach der Neueröffnung als Gaststätte Acksel. Der Bereich im Innenhof war auch einmal in der Sendung ‘Außenseiter – Spitzenreiter’ ein Thema.“ Hans-Joachim Wolfram (er erfand jene Sendung und moderierte sie von 1972 bis 2011) und seine Leute präsentierten den erstaunten Zuschauern die erste Erlebnisgastronomie der DDR. So jedenfalls schilderte es der Betreiber selbst.
Ulrich Acksel, geboren 1942 in Großräschen, der in Senftenberg Koch lernte und und in Leipzig das Gastronomiefach studierte, hatte das Haus mit der „einfachen volkstümlichen Nachkriegskneipe“, wie er selbst definierte, geerbt. Lange war nichts renoviert worden und die Großeltern hatten die Immobilie mit Schulden beladen. Alle Versuche, das Haus der Vorfahren für etwas Geld oder gar verschenkt loszuwerden, scheiterten. So sah sich der ganz und gar nicht glückliche Erbe trotz Studiums und damals schwerkranker Frau genötigt, die Gaststätte 1965 selbst in Betrieb zu setzen.
Die lieben Nachbarn machten’s ihm nicht leicht. In seiner 2012 erschienenen launigen Online-Publikation schrieb er: „Am Eröffnungstag goss jemand grüne Farbe in den Hausflur. Wir bemerkten die Fußspuren erst, als sie durch das ganze Haus verteilt und festgetrocknet waren. Man hätte bei dem unerwarteten Gästeansturm auch niemanden wegscheuchen und mit Eimer und Wischlappen herumfuhrwerken können. Wer uns ärgern wollte, hatte das raffiniert einkalkuliert. Das Muster blieb lange Zeit unser Markenzeichen. Die grüne Farbe ließ sich auch mit Verdünnung nicht entfernen. Erst neuer Fußbodenbelag schaffte Abhilfe.“ Trotz solcher und anderer Rückschläge steckte Acksel nie auf, sondern zauberte aus der Bier-und-Bockwurst-Schwemme ein Haus mit Flair. Eine Journalistin schrieb: „Verrückte Themenabende samt internationaler Küche mit üppiger Dekoration, prächtigen Kostümen und teils frivoler Note fanden statt.

Alte Niederlausitz: Erlebnisgastronomie in Großräschen

Ulrich Acksel (Jg. ‘42) war Koch, Gastronom, Hotelier, Schriftsteller, Gartengestalter, Stadtführer, Bildender Künstler und wohl noch manches mehr. Sein Hotel in Großräschen wurde zur Legende. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er sehr glücklich in Forst.
Foto: CGA-Archiv

Acksel als Multitalent und Unikum mit kuriosen Ideen wurde in jenen Jahren in einem Atemzug mit dem japanischen Erlebnisrestaurant ‘Waffenschmied’ in Suhl genannt.“ Die romantisierenden Mauernischen und ein gefliestes Wasserbecken im Hof – Acksel sprach vom „mexikanischen Bad mit Dachgarten“ – erinnerten noch lange an die romantischen und sicher auch turbulenten Tage und Nächte am und im Altstadt-Hotel. Bis zum 31.12.1987 hielt der „Großräschener Eulenspiegel“, wie ihn die Lektoren seiner späteren Texte nannten, durch. 23 Jahre, dann zwang ein erster Herzinfarkt zum gastronomischen Aus. Mit einigem Abstand verfasste er über all die Jahre seine „Schnurren und Schnaken aus der Lausitz“, die 2012 als Online-Publikation im Verlag mit dem passenden Titel „Autonomie und Chaos“ Berlin erschienen.
Acksel ließ sich in Forst nieder und verbrachte dort, wie er einmal zu Protokoll gab, mit seiner Frau Karin die glücklichsten Jahre seines Lebens. Der Wahl-Forster aus Großräschen ist 2018 gestorben.
Das Hotel „Zur Altstadt“ wurde zuletzt noch als Restaurant bewirtschaftet. Jetzt sieht es offenbar einem „dritten Frühling“ entgegen. Es wird aufwändig umgebaut und soll der Seestadt Großräschen wieder Gäste bringen.
Gewonnen hat in dieser Rätselrunde Walter Trzenschik aus Großräschen.

Alte Niederlausitz: Erlebnisgastronomie in Großräschen

Radsportler 1986 zu Gast bei Ulrich Acksel (r.) in Großräschen, dem einstigen Hotel Kunz im Besitz von Robert Huber. Foto: privat

Horst Uibel aus Burg-Spreewald, Schlossbergweg berichtet über Hubers Hotel, das Ulrich Acksel in DDR-Zeit zu einigem Ruhm geführt hatte: Auch ich war am 2. Mai 1986 anlässlich der Radsportfreundschaftsfahrt Cottbus-Zielona Gora – erstmals ohne Halt über die große Friedensbrücke in Guben – im vollen Haus mit Aktiven und Betreuern sowie den Organisatoren Gast bei Acksel in Großräschen. Ein bleibendes Erlebnis für die deutsch-polnischen Organisatoren und die Rennfahrer mit Bernd Drogan an der Spitze.
Von unseren „ungebetenen Gästen“ (Sicherheit?) ließen wir uns unser schönes Mai-Freundschaftstreffen bei Acksel jedenfalls nicht verderben. Ich persönlich hatte jedoch bereits das Glück, in Familie 1984 den Suhler Waffenschmied im Vollen zu erleben, welches uns Ulrich an diesem Tag vorenthalten musste.Es war für alle Teilnehmer ein großes Vergnügen, welches Radsport-Altmeister Gerhard Parnitzke mit Ulli Acksel eingefädelt hatte.
Schade um das Event-Lokal, zumal ich ja nach der Wende in der gleichen Straße bis 2001 meinen Fahrrad-Laden in Großräschen betrieb. In Cottbus war für mich kein Platz bzw. fehlten Verbindungen zu den neuen Obrigkeiten.

Weitere historische Beiträge aus der Niederlausitz finden Sie hier!

 




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