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Damals wars: Vom Eislaufen an der Steinteichmühle - Märkischer Bote - Märkischer Bote
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Damals wars: Vom Eislaufen an der Steinteichmühle

3. Januar 2020 | Von | Kategorie: Bilder aus dem alten Cottbus |

Weitere Beiträge über das historische Cottbus finden Sie hier!

Zwischen Ströbitz und Kolkwitz gab es das beliebte Vergnügungsetablissement

Damals wars: Vom Eislaufen an der Steinteichmühle

Das Foto zeigt die Steinteichmühle, die zu Cottbus-Ströbitz gehört, aber fast schon in Kolkwitz steht. Das Gebäude im Hintergrund hat heute moderne GWC-Wohnungen

Zum Jahresende war eine „harte Nuss“ zu knacken – eigentlich unlösbar, weil die Sicht heute nicht mehr besteht, obwohl es den (aktuell natürlich nicht zugefrorenen) Steinteich in ganzer Schönheit  und auch das große Gebäude – von der GWC vor etwa 25 Jahren zu attraktivem Wohnraum ausgebaut – noch gibt. Der Teich aber ist umgeben von einer abgeschlossenen Kleingartenanlage. Besser: Anlage von Erholungsgärten. So nannte man die kleinen Parzellen, die in den 70er Jahren an tüchtige Cottbuser verpachtet wurden. Sie unterlagen nicht dem gestrengen Kleingarten-Regime, in dem ein bestimmter Prozentsatz der Fläche unbedingt Nutzgarten sein musste, also Gemüse oder Obst zu produzieren hatte. Hier am Hechtgraben durften sich die Laubenpiper erholen und auch ein Stück Rasen haben. Baden mussten sie trotzdem im Ströbitzer Badesee, denn der Steinteich, vollkommen von Gärten eingeschlossen, ist ein ganz flaches Gewässer und eignet sich nicht zum Schwimmen.
Aber er fror, eben weil er flach war, in ordentlichen Wintern schnell zu, und daran erinnern sich viele ältere Einwohner von Ströbitz und auch Kolkwitz. Viele tummelten sich mit Schlittschuhen hier auf dem Eis, drehten ihre holprigen Pirouetten und hatten viel Spaß dabei. Davon erzählt ganz besonders gern Helga Nattke als Ströbitzer Ortschronistin: „Ich erinnere mich lebhaft an die Geschichten, wenn Freunde meines Vaters bei uns zu Besuch waren: der Turnwart Fritz Piesker von der Turnerschaft Ströbitz und Georg Schmell, Gründungsmitglied von Wacker 09. Sie prahlten von ihren Erlebnissen beim Schlittschuhlaufen. In der Gaststube gab es zum Aufwärmen heißen Tee und manchmal auch einen leichten Grog. Man beendete sportliche Wintertage in fröhlicher Runde. Bei Tanzveranstaltungen zu allen Jahreszeiten am Wochenende  rutschten dann alle im flotten Polkaschritt über das Parkett.
Hildegard Woithe (geb. Dobring), ein Ströbitzer Urgestein, die dem Bürgerverein noch immer die Treue hält, hat jetzt zu Silvester an ihrem 96. Geburtstag den Gratulanten von ihren Schlittschuhlauf-Erlebnissen auf dem Steinteich erzählt. Das Foto im Märkischen Boten hat Erinnerungen wachgerüttelt. Ihre ‘Eiszeit’ war etwas später, Mitte der 30er Jahre. Sie schwärmte damals für Maxi Herber, die Deutsche Meisterin im Eiskunstlaufen (1933-35, später Weltmeister im Paarlaufen mit Ernst Baier). Sie wünschte sich deshalb nichts sehnlicher, als Schlittschuhe – und die bekam sie zu Weihnachten. Dann war die kleine Hildegard auf dem Steinteich nicht mehr zu bremsen… Noch heute lacht sie herzlich über ihre missglückten Pirouetten, aber für die jungen Burschen war es ein Vergnügen, die beliebte ‘Eiskunstläuferin’ wieder auf die Beine zu stellen.
Helga Schwenzer erinnert sich als Zeitzeugin jener Jahre an romantische Kahnfahrten von der Gaststätte Altenburg zur Steinteichmühle – im Sonntagskleidchen mit Schleife im Haar oder Strohhütchen. Solch eine Fahrt kostete zehn Pfennige.“
Die Ströbitzer Chronistin kennt neben diesen Episoden auch die ganze Geschichte des abgebildeten Hauses: „Um 1840 wurde am Steinteich von Gustav Eduard Gebhardt eine Tuchfabrikation mit Wohnhaus und Wirtschaftsgebäude errichtet. Nach Zwangsversteigerung waren die neuen Besitzer Friedrich Bielitz und Karl Schmidt, die die Tuchfabrik mit neuen Antrieben in eine Mahlmühle umfunktionierten. Ab 1899 wurde Adolf Lehmann der neue Besitzer der Steinteichmühle. Er erkannte die Zeichen der Zeit und eröffnete jenes Ausflugslokal. Ab 1930 übernahm Gustav Stürze das Lokal, später Otto Stürze.
Nach dem Krieg wurden die Mühle und der Tanzsaal von Familie Stürze wieder hergerichtet. Ab 1947 etwa übernahm Frau Pischonka die Mühle. Sie war die letzte Betreiberin des Lokals im Flachbau neben dem großen Haus. Nach der Wende wurde aus dem Objekt eine Wohnimmobilie.“
Manche Leser haben sich von dem Schornstein im Bild irritieren lassen und vermutet, dass dies der Amtsteich sei. Nun sind sie aufgeklärt. Gewonnen hat Reinhard Schimpke aus Kolkwitz.

Damals wars: Vom Eislaufen an der Steinteichmühle

Ein Foto von dem Ausflugsunternehmen „Restaurant und Caffeegraten zur Steinteichmühle“ etwa in der von Helga Nattke beschriebenen Zeit. Auf dem Priorgraben gab es Kahnfahrten bis nach Klein Ströbitz. Das Lokal dort existierte noch kurz nach der Wende, ist aber heute ein privates Wohnhaus




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