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Guben: Trunkenbolde nach Hause gebracht - Märkischer Bote - Märkischer Bote
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Guben: Trunkenbolde nach Hause gebracht

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Guben: Trunkenbolde nach Hause gebracht

6. April 2013 | Von | Kategorie: Bilder aus der alten Neißestadt Guben |

Guben: Trunkenbolde nach Hause gebracht

Gastwirtschaft ‘Wenske’ in Sembten um 1800

Gaststätte „Wenske“ gehörte Gustav Krüger / Später mit Fleischerei
Die Abbildung wurde schnell erkannt, jedoch nur von den Lesern, die mit dem Ort Sembten verbunden sind, wie Monika Schulz. Sie schreibt: „Das abgebildete Gebäude ist die ehemalige Gaststätte am Ortsausgang Sembten in Richtung Groß Drewitz, heute Schulstraße 6. Durch An- und Umbauten sieht es heute anders aus, das ursprüngliche Gebäude, wie auf der Abbildung, ist aber noch immer zu erkennen.“
Auch Heinz Götlich erkannte die Gaststätte und ergänzte am Telefon: „Der erste Besitzer, Gustav Krüger, hat diese Gaststätte 1903 gekauft. In den letzten hundert Jahren hat es mehrere Besitzer gegeben, die Umbauten vorgenommen haben. Der letzte Gastwirt war Kurt Schulz mit seiner Frau Helene. Er hatte die Gaststätte von 1947 bis 1977. In dieser Gaststätte habe ich auch einige Feiern selbst ausrichten und mitfeiern können. Für die Landjugend war der Kinobesuch, der wöchentlich einmal in der Woche stattfand, etwas ganz besonderes, vor allem für 80 Pfennige Eintritt, die wir damals gezahlt haben. Heute befindet sich gegenüber ‘Flieges Hofgaststätte’, eine Privatgaststätte, die ein junger Mann aufgemacht hat.“
Genau dieser junge Mann, Gotthard Drodowsky, Ortsvorsteher von Sembten, meldete sich ebenfalls bei uns und erzählte: „Die Gaststätte wurde bis 1977 von dem Ehepaar Schulz betrieben. Danach sind sie nach Guben gezogen. Diese Gaststätte sollte vom VEG Sembten zur Betriebsküche ausgebaut werden. Dieser Plan wurde aber wieder zerschlagen. Das Ehepaar Schulz hat dann wieder die Räumlichkeiten übernommen und eine Fleischerei aufgebaut. Seit zehn Jahren ist das Gebäude Eigentum der Familie Wieder und wird jetzt als Wohnhaus genutzt. 1998 wurde gegenüber die Gaststätte ‘Flieges Hofschänke’ eröffnet, welche systematisch erweitert wurde. Der Spitzname des Gastwirts ist Fliege.“
Verena Schade aus Sembten mailt: „Wer weiß, vielleicht steht ja sogar mein Uropa, Reinhold Stenzel, davor, der im alten Gessing wohnte, im einst schönen Gut arbeitete und den Sembtenern gut bekannt ist. Leider kann ich es nicht genau erkennen.“
Klaus Schulze ist ebenfalls begeistert und erzählt am Telefon: „Meine Schwiegermutter, Minna Krüger, war in dieser Gaststätte als Mädel in Stellung. Sie hat mir erzählt, dass der Besitzer Krüger dem Alkohol verfallen war. Seine Frau war zwar sehr herzlich, aber schlecht auf den Beinen, sie saß immer in einem Korbsessel. Der Schnaps kam damals in Fässern, den er abziehen musste, da ist viel danebengegangen, weil er so besoffen war. Das Ehepaar selbst hatte keine Kinder und deshalb ein Kind angenommen. Meine Schwiegermutter – etwa im gleichen Alter wie die angenommene Tochter Erna – erzählte, dass sie gemeinsam mit Erna die betrunkenen Gäste nach Hause bringen musste, die sonst ihr Haus nicht mehr gefunden hätten. Beide wussten genau, wann sie das Weite suchen mussten. Da gab es oft Ärger.
Wenn die beiden Fenster oben am Giebel offen standen, kam oft der Gutsbesitzer herein (der sonst nie in diese Gaststätte ging) und wies darauf hin, weil es sonst zu kalt wird für die Gäste.
Vor dem Krieg kam der Fleischer Wäger aus Ostpreußen nach Sembten, pachtete die Kneipe und baute eine Fleischerei an, die nicht auf dem Foto zu sehen ist. 1945 musste Wäger aus der Kneipe wieder raus, der Alteigentümer Kurt Schulz übernahm sie. Eigentümer waren eigentlich seine Schwiegereltern Pusch. Wäger durfte die Fleischerei weiter benutzten. Der Sohn von Kurt Schulz hat das Haus nicht fortgeführt, er ist nach Cottbus ­gegangen und dort die Gastronomie ‘Stadt Cottbus’ übernommen.
Erzählenswert ist noch, dass der Bruder von Gustav Krüger, Karl, ein begabter Geschichtenerzähler der Sonderklasse war. Seine Lügenmärchen wurden sogar von Lehrer Noack aus Grano niedergeschrieben. Karl hat oft die Leute im Ort mit seiner Erzählerei zum Narren gehalten. Aber in der Kneipe war längst bekannt, dass man ihm nichts glauben durfte.“
Und Margot Dammaschke ergänzt: „Gustav Krüger war der Bruder von der Großmutter meines Mannes. In Sembten wurde aber nur gesagt ‘Wenskens Onkel’. Warum, weiß ich nicht. Gustav war Neffe von August Krüger, dem vorn die Kneipe ‚Erbkrug Sembten‘, heute ‚Interkulturelle Begegnungsstätte‘, gehörte. Es ist sehr kompliziert, denn es gab drei verschiedene Krügers in Sembten. Das Haus ist um 1800 aufgenommen. Das Ehepaar Krüger hatte keinen Erben, der Fleischer Karl Wäger pachtete es. Nach seinem Tod hatte es Kurt Schulz übernommen, sein Schwiegervater Paul Pusch hatte es gekauft. Danach ist es an die Gebäudewirtschaft verkauft worden. Später pachtete es Berndfried Wieder als Fleischerei. Nach seinem frühen Tod kaufte es seine Frau. Heute ist es Wohnhaus und Lager des Tischlers von gegenüber.
Als wir jung waren, hatten wir hier so manches Fläschchen geleert und sehr viel getanzt. Bei Dammaschke im ‘Erbkrug’ sind die Bauern hingegangen, die Gutarbeiter sind hier bei ‘Wenskes’ eingekehrt. Einer der Einwohner ließ immer anschreiben. Einmal sagte er zu Minna: ‘Streich die alten Schulden, ich mach’ neue‘. Minna war die Gastwirtin, Minna Krüger, Gustavs Frau.“




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