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Region: Junge Szene wollte die alte Färberei

7. Februar 2020 | Von | Kategorie: Bilder aus dem alten Cottbus, Damals war´s |

Weitere historische Beiträge aus der Niederlausitz finden Sie hier!

 

…aber Stadt und Partei waren skeptisch und verordneten den Abriss

 

 

Region: Junge Szene wollte die alte Färberei

Hier wurde tatsächlich abgerissen – C war diesmal richtig

 

 

Wie zu erwarten war, ist das Rätselbild der letzten Woche vielfach kommentiert worden. Horst Hauptmann aus der Max-Grünebaum-Straße in Cottbus schreibt: „Das Foto zeigt das Fabrikgebäude der Firma Kronberg beim – C – Abriss. Der Standort war am Mühlgraben in der Neustadt. In der Fabrik wurden Stoffe gefärbt und weiter bearbeitet. Lange stand sie leer. In den 1980er Jahren gab es Bestrebungen hier ein Jugend- Kulturzentrum mit einem Szenetheater einzurichten. Diese Idee mußte aber leider begraben werden.“ Sebastian Sachs aus Cottbus bestätigt die Jugendkultur-These: „Genau das war der Grund, für den plötzlichen Abrisseifer. Die ‘Szene’, die sich für das Objekt kreativ bewegte, war den offiziellen Kulturpolitikern suspekt. So behielt man sie bei ‘forum k“ im Blick, baute den sogenannten ‘Töpferturm’ an der Klosterkirche und zertrümmerte das Kapitalisten-Nest. Das war noch Klassenkampf aus dem Bilderbuch. Einige Beteiligte, die überlebten, werden schmunzeln und schweigen.“
Ulrich Buder, Hubertstr. in Cottbus, hat Abenteuerliches erlebt: „Hinter dem Gebäude befindet sich der Mühlgraben, ein Abzweig der Spree. Auf der linken Seite befindet sich das neue Wichernhaus und das GWC-Parkhaus. Der Baumbestand ist noch wie früher. An der Stelle der Färberei ist jetzt eine Wiese. Ich habe mit meinem Kumpel in den 70er Jahren aus einem alten Schrank ein Boot gebaut. Wir haben den Schrank mit Teer und alten Planen abgedichtet. Wir wollten damit in See stechen, haben das Boot hinter der Fabrik in den Mühlgraben geschoben. Wir stiegen in das Boot und sind jämmerlich abgesoffen. Wir konnten uns aber noch retten.“
„Haha, Dachdecker am Werk! Das hab’ ich damals auch gedacht“, mailt Irina Lehmann aus der Räschener Straße in Cottbus. „Aber von wegen. Das schöne, schon lange leer stehende Gründerzeit-Fabrikgebäude wurde abgerissen. Es gab viele Vorschläge für eine weitere Nutzung, z.B. als Jugendclub. Angeblich ging das nicht, weil die Bausubstanz schlecht sei. Beim Abriss konnte man sich vom Gegenteil überzeugen lassen. Ich habe das Verschwinden dieses originellen Gebäudes sehr bedauert.“
Renate Brinke aus der Hagenwerderstraße in Cottbus meint: „Dieses Rätsel ist nicht so einfach aber ich denke, es wurde abgerissen. Im Hintergrund ist der Gerichtsturm zu sehen. Die Baumreihe weist auf den Mühlgraben hin.“
„Die Färberei wollten junge Leute als Kulturfabrik erhalten“, erinnert sich auch Jens Pumpa, Rostocker Straße in Cottbus. „Die staatliche Entscheidung aber lautete: Abriss! Es war die Lohnfärberei von Emil Kronberg am Kaiser-Wilhelm-Platz 40, Ecke zum Ostrower Damm. Diese Fabrik, direkt am Mühlgraben, wurde von dem Vorbesitzer Hermann Salm, der schon viele Jahre an dieser Stelle eine Färberei betrieb, 1891/92 fertiggestellt. Er starb bereits 1895 und die Witwe verpachtete zunächst die Färberei und verkaufte sie 1905 an den bisherigen Pächter Emil Kronberg.“
Romantische Erinnerungen hat Klaus Dinter, Ahornring in Cottbus: „Die alte Färberei war ein schönes Gebäude, ähnlich wie das E-Werk. Als Kinder haben wir den Bau mal genauer unter die Lupe genommen. Vom Mühlgraben aus kam man gut rein. Unten wurden große Ballen aus Lumpen gelagert. Die Wendeltreppe im Türmchen hatte nur noch teilweise Stufen. Man musste auf den vorstehenden Ziegeln hochklettern. Und das im Dunkeln. Als das Gebäude abgerissen wurde, ging das Gerücht, dass es ins Ausland verkauft würde. Vielleicht wurden die Klinker auch anderweitig nachgenutzt. Beim Abriss von Häusern in der Mühlen- und Goethestraße in der zweiten Hälfte der 80er Jahre haben sich die Leute die Biberschwänze vom Dach geholt (mit Genehmigung) und wieder verwendet. Ein alter Aschefahrer, bei dem ich meine Garage hatte, holte sich über 200 Jahre alte Dachbalken. Die haben wir zu Feuerholz zersägt. Bei Baumaterialien gab es in der DDR aus der Not heraus einem hohen Wiederverwendungsgrad, auch bei der Umsiedlung von Ortschaften für den Bergbau. Da wurden z.T. auch Türen und Fenster wieder verwendet.“
Auch Susanne Haupt aus der Inselstraße in Cottbus stöhnt: „Leider ist dieser imposante, an ein Märchenschloss erinnernde Bau Ende der 80er Jahre sinnlos abgerissen worden, obwohl das Mauerwerk noch als stabil galt. Das Foto zeigt hier schon einen zum Teil gekürzten Schornstein. Zuvor gab es Ende der 80er Jahre noch Bestrebungen, ein Jugend-Kulturzentrum in diesem Gebäude einzurichten, was aber durch den Abriss verhindert wurde. Heute be- findet sich an dieser Stelle eine Brache, und man kann sich kaum vorstellen, dass auf diesem kleinen Areal so ein architektonisch wunderschöner, gewaltiger Industriebau Platz hatte.“
Jürgen Klingmüller aus der Willy-Brandt-Straße bedauert: „Leider trifft C zu. Dieses schlossähnliche Fabrikgebäude wird abgerissen. Äußerlich sah man ihm den schlechten Zustand der Bau-
substanz nicht an, innen soll es wohl marode gewesen sein. Mit heutigen Verfahren wäre es bestimmt zu retten. Gott sei Dank sind uns in unmittelbarer Nachbarschaft zwei Gebäude mit ähnlicher Industriearchitektur erhalten geblieben. Die Philosophie des Bauens folgte zu jener Zeit nicht ausschließlich dem Zweck, sondern auch Regeln von Ästhetik und Nachhaltigkeit. Es sind das alte Elektrizitätswerk und die ehemalige Wilhelmsmühle (Fotos). Beide Gebäude wurden durch private Investoren aufwändig saniert und erfreuen somit den Betrachter.“

Danke allen Einsendern.
Gewonnen haben Susanne Haupt, Lothar Haase und Siegfried Hentschel.

Herzlichen Glückwunsch!

 

Region: Junge Szene wollte die alte Färberei

 

Region: Junge Szene wollte die alte Färberei

Jürgen Klingmüller zeigt, dass es in Nachbarschaft der Färberei gelungen ist, Industriegebäude in ähnlich verspielter Architektur zu erhalten. Links das Alte Cottbuser E-Werk, das den ersten Strom für die Straßenbahn lieferte, und rechts die prächtige Wilhelmsmühle sind mit erheblichem finanziellen Aufwand sanier worden




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