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Georgenkapelle - Märkischer Bote
Sonntag, 17. Oktober 2021 - 18:52 Uhr | Anmelden
  • Stahlphantom oder doch Kopiebau auf dem Spremberger Georgenberg?Stahlphantom oder doch Kopiebau auf dem Spremberger Georgenberg?

Stahlphantom oder doch Kopiebau auf dem Spremberger Georgenberg?

Stahlphantom oder doch Kopiebau auf dem Spremberger Georgenberg?
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Stahlphantom oder doch Kopiebau auf dem Spremberger Georgenberg?

1. Oktober 2021 | Von | Kategorie: Bilder aus dem alten Spremberg |

Die kleine Georgenkapelle auf dem gleichnamigen Berg scheint vergessen.

Stahlphantom oder doch Kopiebau auf dem Spremberger Georgenberg?

Auf dem Foto ist die Spremberger Georgenkapelle zu sehen.

Rainer Wollmann aus Kolkwitz-Hänchen schreibt diesmal: „Das Foto zeigt die Kapelle zum heiligen Georg auf dem Spremberger Georgenberg. Unsere Vorfahren hatten sehr oft Kapellen oder Kirchen auf Anhöhen errichtet, damit die Gläubigen dem Gott näher sind. Der Spremberger Georgenberg ist Teil der Endmoräne der südlichsten Ausdehnung der Eiszeitgrenze. Als höchste Erhebung von Spremberg mit 139 Metern war er ca. im 13. Jahrhundert geeignet für diese Kapelle. Georg ist ein legendärer christlicher Heiliger, der bei der Christenverfolgung um 300 ein Martyrium erlitt. Das Symbol ist das Georgskreuz. Den meisten Bürgern ist das rote Kreuz auf weißem Untergrund bekannt. Der Vorname Georg gehört zu den beliebtesten Vornamen in Europa. Der Vorgängerbau der St.-Georg-Kapelle war vermutlich eine schlichte Holzkapelle von 1189. Die Kapelle in ihrer letzten Form hat viele Kriege überstanden bis sie aus statischen Gründen und aus Geldmangel leider abgerissen wurde. Bei einem Besuch auf dem Georgenberg, der den Namen von der ehemaligen Kapelle bekam, kann man eine Hinweistafel zur Kapelle zum heiligen Georg vorfinden. Ein Ausflug auf den Georgenberg ist immer ein Erlebnis.“
Sehr ausführlich hat Manfred Gnida vom Weinberg in Spremberg geantwortet: „Der Stahlstich aus dem Heidemuseum in Spremberg mit der abgebildeten Kapelle ist ein Stück Stadtgeschichte mit aktuellem Bezug. In Büchern und auf Postkarten gibt es unterschiedliche Ansichten dieses Gebäudes aus jüngerer Geschichte. Persönlich kenne ich die Kapelle nur noch von der Aussenansicht mit ihrem Umfeld. Die St. Georg-Kapelle, im Volksmund Georgenbergkapelle, soll im 12.Jahrhundert als einfache Holzkapelle errichtet worden
sein. Der Sage nach soll Jutta von Kittlitz, Tochter des Grafen von Kittlitz, der Jungfrau Maria versprochen haben, wenn ihr Geliebter Seyfried von Loeben unversehrt aus dem dritten Kreuzzug 1189-1192 zurück kehrt, werde sie zum Dank eine Kapelle errichten. Er kam und sie hielt das Versprechen ein.
Im 17.Jahrhundert wurde nach Brandschaden eine neue Kapelle erbaut. Auch sie musste immer wieder saniert werden. Die Stadt war als Besitzer der Kapelle eingetragen. 1878 übernahm die evangelische Kirchengemeinde das kleine Kirchlein und benutzte es ab 1925 als offizielle Beerdigungskapelle. Umfangreiche Reparatur- und Instandsetzungen waren 1939 geplant, aber es kam Krieg. Danach wurde die Kapelle weiterhin bei Totenfeiern genutzt, aber leider erfolgten keine Instandsetzungsarbeiten mehr. Die Folge: Die Kapelle wurde am 30.Juni 1961 baupolizeilich gesperrt. Im Jahre 1962 erfolgte eine letzte Baubegutachtung zur Rettung, aber ohne Erfolg. Mit der Umgestaltung des Georgenbergfriedhofs zum Stadtpark verlor die Kapelle an Bedeutung und es traten langsamer Verfall und Vandalismus ein. 1968 erteilte am 13.August 1968 der damalige Bürgermeister Günther Frenzel die Erlaubnis zum Abriss. Nach Überlieferung soll das am 10. Juni 1968 durch Sprembergs Panzerregiment und mit Hilfe der einst in Welzow stationierten sowjetischen Truppen erfolgt sein. Keine archäologische Untersuchung begleitete damals diesen Abriss und es konnten somit keine wichtigen Daten dieses historischen Bauwerkes dokumentiert werden.
An den Standort der Kapelle erinnern heute ein Stapel aus Felssteinen und eine Hinweistafel und er wurde am 11. Januar 2017 in die Liste der Bodendenkmale aufgenommen. Ein Inventar der Kapelle kam noch vor dem Abriss in die evangelische Kirche. Es ist eine Mondsichelmadonna aus der Zeit um 1470/1480. Pläne des Laga-Vereins Spremberg zum Wiederaufbau der Kapelle wurden schon bei einer Begehung im Stadtpark 2009 diskutiert und 2014 wurden Konzepte ausgearbeitet um das Stück der Geschichte Sprembergs vor der Vergessenheit zu bewahren und der Nachwelt zu überliefern. Da finanziell ein Bau im Originalzustand kaum möglich ist, will man die Kapelle nun mit ihren ehemaligen Umrissen sichtbar machen und als Modell 1:20 mit einer offenen Stahlkonstruktion versehen. Der Stadtpark hätte durch dieses Bauwerk ein sichtbares Andenken.“
Klaus Reiter vom Cottbuser Eschenweg freut sich: „Endlich wieder etwas Bekanntes für mich. Wir sehen hier die St. Georgenkapelle auf dem Georgenberg. Da ich zwei Jahre in Spremberg gewohnt habe, ist sie mir noch in Erinnerung. Weder Stadt noch Kirche hatten
Interesse an der Kirche und deshalb wurde sie am 10.6.1970 (einige Unterlagen geben das Jahr 1974 an) abgerissen. Grund war die Neugestaltung des Stadtparks. Die kleine Holzkirche (8 m x 11 m, Turmhöhe 18,50 m) wurde 1189 von Jutta von Kittlitz gestiftet. Nach dem Dreißigjährigen Krieg war sie zerstört und wurde als Pesthaus wieder aufgebaut. Im 17. Jh. brannte sie ab und wurde erneut wieder aufgebaut. 1878 ging sie in das Eigentum der evangelischen Kirchengemeinde über. Am 30.6.1961 wurde sie wegen baulicher Mängel gesperrt.
Bei einem starken Sturm 1968 wurde das Dach abgedeckt und der Verfall ging weiter. Der Abriß erfolgte durch sowjetische Truppen und mit schwerer Technik der NVA-Panzerdivision.“
Auch Jens Pumpa aus Cottbus fand heraus: „Mit der Umgestaltung des alten Georgenbergfriedhofs zum Stadtpark ab 1965 verlor die Georgenkapelle an Bedeutung. Bei einem schweren Sturm im Jahr 1968 war das Dach erheblich beschädigt worden. Schleichender Verfall und Vandalismus setzten ihr weiter zu. Da die Stadt als Eigentümer des Grundstücks kein Nutzungskonzept und die evangelische Kirchgemeinde als Eigentümer der Kapelle keine finanziellen Mittel für den Erhalt hatte, entschloss man sich, die Kapelle abzureißen“.
„Jetzt soll eine befremdliche Stahlkonstruktion die Kapelle nachbilden. Die Eisenkrankheit auf dem Hügel geht scheinbar weiter“, meint S. Sachse. „ Schon jetzt ist der Blick auf den Bismarckturm mit Edelstahl-Unfug vergittert. Sollte es dem Spremberger Handwerk nicht gelingen, die kleine Kapelle nachzubauen?“ Viele weitere Leser wussten die richtige Antwort, leider gab es aber nur wenige Zuschriften aus Spremberg selbst. Die sehr schöne kleine Kapelle scheint ausserhalb des Initiativkreises, der jetzt eine Erinnerungsstätte plant, vergessen zu sein.

Stahlphantom oder doch Kopiebau auf dem Spremberger Georgenberg?

So präsentierte sich der Kapellen-Ort seit Jahrzehnten. Ein Kopiebau dürfte die handwerklichen Kapazitäten Sprembergs kaum überfordern.

Weitere Beiträge über das historische Spremberg und das Umland finden Sie hier!




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