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Wolkenberger Kirche - Märkischer Bote - Märkischer Bote
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Wolkenberger Kirche

9. Juni 2012 | Von | Kategorie: Bilder aus dem alten Spremberg |

Wolkenberger KircheWolkenberger erinnern sich / Letzter Gottesdienst am 1. Oktober 1989 ging Einwohnern unter die Haut
Marianne Urban schreibt: „Das ist die Kirche Wolkenberg – die alte Backsteinkirche, die dem Kohlebagger zum Opfer fiel. Ich kann mich sehr genau an den letzten Gottesdienst erinnern, der sehr beeindruckend war. Er wurde zum Erntedank gehalten. Nach dem Gottesdienst wurde in einer Zeremonie der Altar Stück für Stück geräumt. Das ging unter die Haut. Der Pfarrer mit seinen Dienern führte mit diesen Sachen wie ein Trauerzug einen Umzug an, der durchs gesamte Dorf führte. Diesen Auszug werde ich nie vergessen. Es kamen so viele Menschen zum Gottesdienst, dass nicht alle an diesem Tage in die Kirche passten. Unser Kirchturm mit der Glocke steht heute in Pritzen, dessen Kirche – selbst Abbaggerungsort – wohl in Spremberg auf dem Schomberg neben dem Waldfriedhof steht. Weil sie dort originalgetreu errichtet wurde, heißt sie heute Auferstehungskirche. Nach der Wende blieb der Ort Pritzen stehen, doch die Kirche war schon weg. Damit sie neben dem Gemeinderaum wenigstens ein Stück Kirche haben, wurde der Holzturm aus Wolkenberg dort aufgestellt.“
Werner Lehmann schreibt: „Das Dorf entstand um 1350, befand sich nordwestlich von Spremberg und wurde 1998 durch den Tagebau Welzow in Anspruch genommen. Das auf dem Bild stehende Kriegerdenkmal 1914/1918 und die auf dem Friedhof bestatteten (Gräber) wurden ebenfalls auf den Waldfriedhof Spremberg umgesetzt.
Die Umsetzung des Holz-Kirchturmes erfolgte 1993 nach Pritzen. Aus der Wolkenberger gotischen Steinkirche kam der Taufengel ins Spremberger Museum“.
Helmut Mattke hatte gegenüber der Kirche gewohnt. Sein Vater war 60 Jahre (bis 1986) dort Küster. Helmut Mattke sagt: „Wir haben als Kinder die Glo-
cken geläutet und die Bäume und Sträucher geschnitten. Die Glocken sollten eingeschmolzen werden. Sie konnten aber gerade noch gerettet werden und hängen jetzt in Schwarze Pumpe in einer kleinen Kirchengemeinde (Auferstehungskirche)“. Als der Vater von Helmut Mettke starb, übernahm dieser mit seiner Frau und den Kindern die Küster-Arbeit.
Eva Kucher schreibt: „Der letzte Gottesdienst erfolgte am 1. Oktober 1989 zum Erntedankfest. Generalsuperintendent Richter aus Cottbus hielt die Predigt. Die Pritzener Kirche steht als Kopiebau in Spremberg. Der letzte Einwohner hat Wolkenberg im Frühjahr 1991 verlassen. Die meisten Einwohner sind in den Wolkenberger Weg an der Senftenberger Straße angesiedelt worden.“
Elli Nietzschmann aus Spremberg schreibt: „Ich bin in Wolkenberg getauft und konfirmiert worden – das Kriegerdenkmal steht jetzt auf dem Waldfriedhof in Spremberg“.
Manfred Gnida schreibt: „Zeitzeugen der Geschichte sind Kirchen und Überlieferungen aus den Kirchenbüchern. Eine wehmütige Erinnerung an das einst sakrale Bauwerk kommt den ehemaligen Einwohnern von Wolkenberg und den zur Kirchengemeinde gehörenden Dörfern Kausche, Jeserig, Papproth und Görigk zurück. Jahrelang intensiv betriebener Bergbau machte hier in der Lausitz auch keinen Halt, zahlreiche kulturhistorisch wertvolle Bauten zu vernichten. Unter den vielen erhaltenswerten Denkmalen sind auch etwa 27 Kirchenbauten als Opfer zu beklagen. Seit etwa 1968 konnte man in den Folgejahren erleben, wie Bauwerke den Baggern weichen mussten. Auf dem Foto ist die einstige Kirche von Wolkenberg und deren Umfeld zu sehen. Diese Kirche ist im 13. Jahrhundert als Holzkirche errichtet worden und im 15. Jahrhundert durch eine Feldsteinkirche ersetzt worden. Der Glockenturm, ein verbrettertes Fachwerk, stammt etwa aus dem Jahr 1420 und war eines der ältesten Holzbauwerke in der Niederlausitz. Er hatte eine Überlebenschance gegenüber dem Kirchenschiff und wurde am 15.Oktober 1993 per Hubschrauber nach Pritzen versetzt. Pritzen sollte eigentlich auch abgebaggert werden, blieb aber am Ende stehen und musste dem Tagebau nicht weichen. Eine gesamte Umsetzung der Kirche nach der politischen Wende war leider 1989 zu spät. Bevor ein Abriss der Kirche erfolgte, wurde damals ein Zeitwert ermittelt, der etwa 70?000 Mark betrug. Die Orgel, der ­Altar, die Glocken und das Taufbecken wurden bei der Wertermittlung herausgenommen. Um wertvolle Informationen zur Kirche zu erhalten, wurden noch vor dem Abriss bauhistorische Untersuchungen durchgeführt. Wolkenberg wurde 1991/1992 abgebrochen und die etwa 170 Einwohner umgesiedelt. An Kirchenfeste, Taufen, Hochzeiten bleiben heute nur viele Erinnerungen. Der letzte Höhepunkt, aber auch der so glaube ich traurigste, erfolgte am 1. Oktober 1989, wo der letzte Gottesdienst und auch gleichzeitig die Erntedankfeier in dieser Kirche stattfand. Die einstige Kirchenmauer und das Kriegerdenkmal im Vordergrund erinnert an die Kirchen- und Ortsgeschichte. Es soll am 22. März 1922 aufgestellt und laut Chronik am 30. April 1922 unter Beteiligung der Gemeinde feierlich eingeweiht worden sein. Im Tagebau Welzow-Süd auf einer Erhebung von 30 Metern, dem so benannten Wolkenberg, entsteht eine Erinnerungsstätte an den Ort.“ Rudolf Boslau, der das Foto zur Verfügung gestellt hat, möchte darauf hinweisen, dass am 7. Juli um 15 Uhr sich viele ehemalige Wolkenberger auf dem damaligen Standort um 15 Uhr treffen. Bei dem Bergfest will der Energiekonzern Vattenfall eine Überraschung präsentieren.




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