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Kommentar: Dumm gelaufen

9. November 2018 | Von | Kategorie: Kommentare |

Kommentar: Dumm gelaufen

Jürgen Heinrich kommentiert

Damals, vor gut 29 Jahren, konnte niemand glauben, dass sie so bald fällt. Einfach so. Dieses Ungetüm von einer Mauer, dem zuletzt durch weiträumige Vorsperren von der Ostseite kaum jemand nahe kam. Sie war nicht sichtbar. Man kannte und fürchtete sie vom Hörensagen.
Diesen Freitag vor 29 Jahren – damals war das ein zunächst ganz unspektakulärer Donnerstag – brach der zitternde Mut „kleiner Leute“ die eisernen Tore auf. Das war keine organisierte Demonstration, das geschah einfach aus innerem Drang. Es gab nur diese Alternative für Ostdeutschland. Der Jubel traf die Grenzer fassungs- und ratlos. Als Leute das Betonteil von zwei Seiten erkletterten und zerpickten, waren das Bilder für die Welt. Mauerspechte beendeten ihre Teilung.
Der Taumel mündete in neuen Alltag. Niemand mochte nun glauben, dass die folgenden Jahrzehnte wieder trennen, was doch zusammengehört. Es gab drei Kilo Bananen für fünf Mark West und Busreisen nach Maishofen. Aber dort war die Bettwäsche schon zerfetzt. Jetzt galt es: Wurm oder Specht? Specht oder Wurm?
Nachbarn vergaßen sich zu grüßen. Anschwellende Zeitungen waren voll von glatten Figuren, die nie Kalk am Ärmel hatten. Die Kaste der Machtgeilen war (unter wenigen Tüchtigen) geboren. Sie hechelten zuerst in die Kreistage, dann möglichst schnell bis Bonn, wo das Parlament noch saß. Die Gemeindevertretungen waren nie überlaufen; dort gibt’s viel Arbeit, wenig Glanz und kaum Spesen.
Und nun? Deutschland feiert seit gestern (Fr.) zwölf Monate lang 30 Jahre Mauerfall. Ob bis zum Jubiläum jemand kapiert, was Dienst am Volke heißt? In Rathäusern angefangen? Falls nicht, ist wirklich was dumm gelaufen in diesem entmauerten Land. Jürgen Heinrich




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