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Kommentar: Untergang lernen - Märkischer Bote - Märkischer Bote
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Kommentar: Untergang lernen

2. November 2018 | Von | Kategorie: Kommentare |

Kommentar: Untergang lernen

Jürgen Heinrich kommentiert

Immer weniger Menschen verstehen, was auf die Gegend, die sich einst stolz „Energiebezirk“ nannte, zukommt. Es gibt Ahnungen. Aber verstehen?
Im reichen Deutschland sitzt die Niederlausitz am Katzentisch. Wer sich umschaut, spürt den Abschwung. Es kommt darauf an, sich mit der Situation zu arrangieren, den Untergang zu lernen. Dafür gibt es zunehmend hilfreiche Angebote.
Wir sind ja nicht die ersten der Welt, denen fähige Köpfe und die Gunst starker Wirtschaft abhanden kommen. Klassisch schaut sich der Bildungsbürger in solchem Falle in England um. Da trat das Elend seit Dickens und Marx immer am plastischsten zutage. In unseren Theaterspielplan kommt deshalb in den nächsten Wochen „Brassed Off“. Das Stück wird nach einem Film eingerichtet, der in den 90er Jahren zu Tränen rührte. Die Zeche stirbt, aber die Kumpel musizieren. Arm, aber glücklich unglücklich.
Sicher, auch das wird schwer zu verstehen sein. Aber wie gesagt: Untergang lässt sich lernen. In diesem Falle hilft die auch nicht mehr so fest auf ihren akademischen Füßen stehende BTU Cottbus-Senftenberg. Sie hat in Kooperation mit der hiesigen Bühne ein Seminar zu „Brassed Off“ eingerichtet. Vielleicht lässt sich ja dem Strukturwandel, wenn schon nicht mit Pauken und Trompeten, wenigstens literaturwissenschaftlich beikommen. Keine schlechte Idee, wo doch immer mehr Leute viel zu viel Zeit haben.
Aber womöglich gerät allzu intensive Arbeit am Untergang in der Freizeit doch zur Zumutung. Für diesen Fall hat die Uni Deutschlands produktivste Krimi-Autorin, Franziska Steinhauer, unter Vertrag. Sie lehrt, wie man Figuren erfindet, die dann so handeln, dass höchstens mal ein Mord passiert und nicht gleich die ganze Gegend stirbt. Jürgen Heinrich

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