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Cottbus: Das wahrhaft unmögliche Theater

24. Januar 2020 | Von | Kategorie: Cottbus, Kultur & Service |

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Anmerkungen zu „Tagebuch eines Verrückten“ in der Kammerbühne

Cottbus: Das wahrhaft unmögliche Theater

Gleichermaßen am und im Kopf beschädigt (v.l.n.r.): Markus Paul, Sophie Bock und Gunnar Golkowski in „Tagebuch eines Verrückten“ nach Lu Xun in Regie von Marian Joel Küster Foto: M.Kross

Cottbus. Die Kammerbühne des Staatstheaters bleibt weiterhin Spielwiese für zweifellos begabte, teilweise aber erheblich überforderte Bühnenarbeiter. „Das unmögliche Theater“ hat Schauspieldirektor Jo Fabian sein Serienprojekt benannt und in Folge 2 schon mit der Stückauswahl das Motto sehr wörtlich befolgen lassen. Marian Joel Küster, ein junger Mann, der, wie weiland Honecker, russische Schapkas liebt und sich mit dieser sehr gut schützenden Kopfbedeckung im immerhin mittelmäßig starken Premierenbeifall verbeugte, hat nicht nur Regie geführt, sondern auch Kostüme und Sound bestimmt sowie die Bühnenfassung hergestellt. Das ist viel für einen allein, zumal an einem Prosastoff von Lu Xun, einem hochgelobten chinesischen Erzähler, der vor gut 100 Jahren das Reich der Mitte für westliches Denken öffnete.
Offen gesagt: Wohl niemand versteht, was Küster von dem bei Lu Xun Gelesenen vermitteln will. Dass unglaublich lange Texte mal im Chor, mal solistisch verlesen werden und die Darsteller, mal sportlich, mal müllmannmäßig gekleidet über Kisten und Leitern klettern, schafft noch keinen dramatischen Spannungsbogen – so hingebungsvoll sie das auch tun, die Menschenfresser  Sophie Bock, Markus Paul und Gunnar Golkowski. Ihnen gilt für ihr Leiden wohl dann auch der Beifall. Denn darum geht es: Ein Wahnsinniger glaubt, von Menschenfressern umgeben zu sein, und hält sich schließlich selbst für einen. Das klingt wie Kapitalismuskritik in Kindergartensprache. Aber es ist weder lustig noch beängstigend, sondern einfach nur befremdlich langweilend.
Als versöhnliches Menschenfresserchen versucht Sigrun Fischer einleitend, die tiefen Schluchten zwischen ihrem ganz privaten Leben und diesem Bühnenjob, den sie (vielleicht nicht immer?) abgöttisch liebt, zu erklären. Man komme klar oder nicht mit Filtern im Kopf.  Das kann, wie hier gesehen, scheitern, wenn die Filter so gar nicht funktionieren. Wo gibt es die beschworene Schnittstelle zwischen Fiktion und Realität, der die unmöglichen jungen Theater-Regisseure auf die Sprünge kommen sollen, wenn Verrücktsein nicht mal den Ansatz einer Utopie enthält? Theater geht, glaube ich anders. Und was Jo Fabian angeht, so steht seine Meisterschaft außer Frage. Aber er sollte seine Eleven an die Leine nehmen und loslassen, wenn das dem Publikum auch zumutbar erscheint. J.Heinrich




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