Please enable / Bitte aktiviere JavaScript!
Veuillez activer / Por favor activa el Javascript![ ? ]
Wenn die Lausitzer „Heede blieht“ - Märkischer Bote - Märkischer Bote
Donnerstag, 12. Dezember 2019 - 21:03 Uhr | Anmelden
  • Facebook

Wolkig
2°C
 

Anzeige

Wenn die Lausitzer „Heede blieht“

2. September 2016 | Von | Kategorie: Spremberg |

Wenn die Lausitzer „Heede blieht“

Auch bei Reicherskreuz steht die Heide in voller Blüte. Dort gibt es einen kleinen Lehrpfad Fotos: T. Richter-Zippack

Gegend zwischen Schwarzer Elster und Neiße sieht im Spätsommer Rosa

Spremberg/Senftenberg (trz). Alljährlich im Spätsommer zieht es die Lausitzer hinaus in Wald und Heide. Allerdings nicht nur wegen der dort reichlich wachsenden Pilze und Preiselbeeren. Sondern in erster Linie aufgrund der „Optik“. Denn traditionell Ende August/Anfang September sieht die Lausitz „Rosa“. Warum? Weil die „Heede blieht“, wie wir Einheimischen zu sagen pflegen. Die Heide präsentiert sich also in vollster Blütenpracht. Genauer gesagt, das Heidekraut beziehungsweise die Besenheide (Calluna vulgaris).
Schwerstarbeit
Der immergrüne Zwergstrauch, der durchaus Höhen von knapp einem Meter und ein Alter von mehreren Jahrzehnten erreichen kann, bildet die Charakterpflanze dieses letzten großen Blütenflors des Jahres. Und damit Schwerstarbeit für die Bienen. Wer in diesen Wochen aufmerksam durch die Heide wandert, beispielsweise bei Zschorno, Lieberose, Reicherskreuz oder südöstlich von Spremberg, erblickt gar nicht selten zahlreiche hölzerne Kisten, in denen die Bienenvölker leben. Derzeit sammeln die Insekten den Nektar der Heidekrautblüten ein. Daraus entsteht durch tüchtige Imkerhände der herb schmeckende Heidehonig, der sich durch einen besonders hohen Zuckeranteil auszeichnet. Kein Wunder, dass bei sonnig-warmem Wetter ein beständiges Summen über der Heide liegt.
Beste Voraussetzungen
Das Heidekraut bedeckt in der Lausitz nicht selten große Flächen, gern auch viele Hektar groß. Denn hierzulande sind alle Voraussetzungen für ein üppiges Wachstum gegeben. Nämlich trockene Sandböden, fehlender Kalk sowie nicht selten eine entsprechende Bewirtschaftung. Denn bliebe die Heide sich selbst überlassen, würde sich an den meisten Standorten innerhalb von ein paar Jahren ein Wald entwickeln. Kein Wunder, dass das Heidekraut besonders reichlich auf ehemaligen und noch aktiven Truppenübungsplätzen gedeiht. Durch die Panzer werden die Pflanzen immer wieder niedergewalzt. Das verträgt die Heide ganz gut, nicht aber aufkommende Bäume. Zudem sorgen Feuer für die Verjüngung dieser Gegenden. Schließlich gehört die Besenheide zu den sogenannten Mineralbodenkeimern. Soll heißen, sie benötigt möglichst vegetationsfreie Stellen, um sich ideal entwickeln zu können.
Um die typische Lausitzer Heidelandschaft mit ihrer einzigartigen Artenvielfalt dauerhaft zu erhalten, haben sich die Landnutzer gemeinsam mit den Naturschützern einiges einfallen lassen. Paradebeispiel bietet etwa die regelmäßige Beweidung durch Schafe. Die beißen unter anderem auch die kleinen Bäumchen weg, Stichwort Heidschnucken. Dann und wann gibt es diverse Arbeitseinsätze, bei denen aufkommende Kiefern von Hand entnommen werden. Hin und wieder werden Heiden kleinflächig abgebrannt, um ein reichhaltiges Aussamen zu ermöglichen.
Wege und Türme
Inzwischen entdecken auch die heimischen Touristiker die Reize der blühenden Heide. So sind beispielsweise gemütliche Planwagen- und Kremserfahrten durch diese Gebiete sehr beliebt. Unter anderem der Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft bietet solche Ausflüge durch die Prösa, ein riesiges Heidegebiet im Herzen der Liebenwerdaer Heide (Elbe-Elster), an. Reizvoll ist ebenso ein Blick vom hölzernen Aussichtsturm auf die blühende Reicherskreuzer Heide zwischen Lieberose und Guben. Dieser ist über die Ortsverbindung von Pinnow und Reicherskreuz schnell erreicht. In der Oberlausitz wird traditionell am zweiten Wochenende im September das „Heidetreffen“ gefeiert, das eigenen Recherchen zufolge auch von vielen Niederlausitzern gern und regelmäßig besucht wird. Die Veranstaltung findet im kleinen Dörfchen Commerau bei Klix statt. Das ist an der B 156 (Weißwasser – Boxberg – Bautzen) verkehrsgünstig gelegen. Und im Nochtener Findlingspark fand bereits Ende August das Heidefest mit mehreren aus Funk und Fernsehen bekannten Künstlern statt. Star war dennoch die blühende Calluna-Heide.
Ach ja, noch etwas Reizvolles hat die blühende Heide an sich. Denn gar nicht selten wachsen inmitten der Zwergsträucher die dicksten Steinpilze. Diese scheinen offensichtlich ebenso das rosafarbene Blütenmeer zu mögen. Kleiner Wermutstropfen: In häufiger Anzahl kommen dort allerdings auch die pilzfressenden Schnecken vor.
Übrigens, weitere bekannte und weniger bekannte Lausitzer Heidegebiete sind unter anderem die Neustädter Heide bei Spremberg, die Muskauer Heide südlich von Weißwasser, die Göbelner Heide nordöstlich von Bautzen sowie die Königsbrücker Heide zwischen Hoyerswerda und Dresden.




Anzeige

Schreibe einen Kommentar

 

Ich habe die Datenschutzerklärung der Cottbuser General-Anzeiger Verlag GmbH gelesen und akzeptiere diese mit dem Versenden des Kommentares.


Das könnte Sie auch interessieren