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Sonntag im Revier: Das Spannendste war unser Zeitfenster - wir haben’s geschafft! - Märkischer Bote - Märkischer Bote
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Sonntag im Revier: Das Spannendste war unser Zeitfenster – wir haben’s geschafft!

26. April 2019 | Von | Kategorie: Sonntag im Revier |

Sie hatte beim Projekt „Cottbuser Ostsee“ die Fäden in der Hand, sie selbst nennt sich „Bergmann“

Birgit Schroeckh denkt lange Zeiträume minutiös.

Sonntag im Revier: Das Spannendste war unser Zeitfenster - wir haben’s geschafft!

Alles exakt im Budget und im Zeitplan. Leag-Referatsleiterin Birgit Schroeckh befasst sich seit 2001 mit dem Cottbuser Ostsee. Genau drei Jahre hatten sie und ihr Team Zeit, nach dem Bergbau die „Schüssel“ zu formen. Jetzt fließt Wasser in die Riesenwanne | Fotos: J. Heinrich

Cottbus (hnr.) Bergbauplaner denken in sehr weiten Zeiträumen. 40 Jahre, 50 Jahre oder mehr.
Sie sehen die Brücke baggern und die Kohlebagger schürfen, aber sie müssen auch die Landschaft danach planen. Gleich von Beginn an. Das lässt sich lernen, weiß Birgit Schroeckh.
Aber spätestens seit dem Projekt Cottbuser Ostsee kennt sie die allergrößte Herausforderung: Alle Aufgaben, von den Genehmigungen über die Leistungsverzeichnisse und die Vergaben bis zur Ausführung unter ständiger bergrechtlicher Begleitung und öffentlicher Beteiligung innerhalb eines exakt definierten Zeitfensters zu lösen. Drei Jahre waren bei Cottbus-Nord vom letzten Kohlezug bis zum ersten Wasserschwall vorgesehen. „Das haben wir hier geschafft!“ sagt sie stolz, und gönnt sich dabei nur ein kurzes Durchatmen. Denn die Arbeiten am Ostsee gehen weiter. „Alles auch künftig ganz genau wie geplant…“

Sonntag im Revier: Das Spannendste war unser Zeitfenster - wir haben’s geschafft!

Birgit Schroeckh erklärt Besuchern jederzeit mit großer Freude gigantische Erdbewegungen

Immerhin: 300 Millionen Euro hat der Bergbautreibende für den Bau dieses Ostsees veranschlagt. 80 Millionen sind noch offen. Und er erfüllt damit präzise seine bergrechtlich auferlegte Pflicht.
Birgit Schroeckh, Referatsleiterin für mittel- und langfristige Planungen für die Tagebaue Cottbus-Nord und Jänschwalde, kennt das Prozedere genau. Die geborene Lausitzerin hat im Senftenberger Revier ihre Berufsausbildung mit Abitur absolviert und dann an der Bergakademie Freiberg studiert. „Am Ende des ersten Studienjahres habe ich, wie all unsere Gesellen, den Arschledersprung absolviert“, erzählt sie und fügt hinzu: „Diese Bergakademie ist ein Traum von einer Universität. Schnell wurde mir die Bedeutung von Rohstoffgewinnung für die Menschheit klar. Es hatte mich gepackt…“ Prof. Klaus Strzodka war zu jener Zeit Rektor der Akademie, ein hoch angesehener Wissenschaftler mit Wurzeln aus dem Lausitzer Tagebau. Hierhin wollte sie auf jeden Fall zurück.

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Kein Schritt, an dem sie nicht die spätere Wassertiefe exakt weiß oder witzelt: „Hier mach’ ich mal mein Boot fest. Das wird meine Lieblingsinsel.“

Zunächst arbeitete sie in Schwarze Pumpe und Spreetal, aber schon 2001 wurde Cottbus-Nord ihr Revier. „Der Tagebau stand damals zwischen Schlichow und Merzdorf. Es war an der Zeit, den Abschlussbetriebsplan vorzubereiten und im südlichen Bereich die Pumpen außer Betrieb zu nehmen“, erklärt die Bergingenieurin.
In dem Satz steckt das Wesen ihres Tätigkeitsprofils: Immer verbinden sich für sie konkrete technische Herausforderungen mit berg- oder auch wasserrechtlichen Abstimmungen. Eines geht ohne das andere nicht.
Wenn das Land ganz am Anfang einen Braunkohleplan genehmigt hat, liegt darin schon die endgültige Abbaukante und das Bild der Folgelandschaft fest, damit sind die verpflichtenden Bedingungen der Raumordnung gegeben. Dann entsteht ein Rahmenbetriebsplan, den das Landesbergamt bestätigt, und auf dem basieren die Hauptbetriebspläne. „Jetzt baggert die Brücke, baggert die Grube. Und wenn wir fertig sind, ist im Rückbau die öffentliche Sicherheit herzustellen.“ So sieht, stark vereinfacht, der Ablauf aus, in dem Birgit Schroeckh mit einem erfahrenen Team den Takt vorgibt und auch die Mittel einsetzt.
In der Praxis gleiten die Prozesse ineinander. „Positiv war, dass der Braunkohlenplan schon früh die Wasserschwankungshöhe festgelegt hat: 1,70 Meter“, erzählt sie. Das gab uns die Möglichkeit, sehr zeitig an den Böschungen zu arbeiten. 2006 begannen die Erdbewegungen, 2009 folgte der erste Spatenstich für die gewachsenen Uferbereiche. „Jetzt haben wir die schönen flachen Strände. 1:15 geneigt.“ Wenn sie bei den vielen Seegrundbegehungen in den letzten Jahren mit Besuchern „auf ihren Stränden“ unterwegs war, wusste sie genau, wann sie „nasse Füße“ zu denken hatte, und geriet auch schon mal ansteckend ins Schwärmen.
Noch zu Bergbauzeiten setzte sich das Abflachen Richtung Merzdorf fort. „Den Cottbuser Hafenbereich haben wir ausgelassen. Wir wollten hier keine Tatsachen schaffen. Das war so mit der Stadt Cottbus abgestimmt.“ Die Absprachen mit den anliegenden Kommunen gehören zum Kerngeschäft der Bergbauplaner. Ebenso die Öffentlichkeitsarbeit. „Das macht uns Bergleuten auch Freude“, sagt sie. Immerhin kennt sie auch Zeiten, in denen sich nie ein Laie einem aktiven Tagebau auf Sichtweite nähern durfte. Spätestens seit der Cottbuser Bundesgartenschau 1995 sind die geführten Tagebautouren in der Lausitz gang und gäbe und immer sehr informativ und bildend.
Bis zum Ende der Kohleförderung waren die Böschungsarbeiten schon bis Lakoma vorangekommen, „alles ganz leise und ruhig.“
Schließlich schloss sich der planerische Kreis: Braunkohleplan am Anfang – Abschlussbetriebsplan für das Ende. Der wurde 2012 durch die Behörde nach langer Beteiligung in der Öffentlichkeit zugelassen. „Im schönen Dreiklang von Braunkohlenplan, Bergrecht und Wasserrecht“ kann sich nun alles vollenden. „Es ist“, sagt Birgit Schroeckh nachdenklich, „für die ganze Truppe ein besonderer Ehrgeiz, für Europa und Deutschland mustergültig zu zeigen, dass man den Rohstoff gewinnt und die Dinge in Einklang mit den rechtlichen Rahmenbedingungen und der Natur wieder herstellen kann.“ Hier beim Bau des Sees sei öffentlicher als sonst präsent, was die Grundprämissen im Tagebau-Prozess sind: die Sorgfalt, die Zuverlässigkeit, dass jeder an jedem Platz seine Aufgabe und auch die des anderen ausreichend kennt. „Und auch, dass man mit Geld sorgsam umgeht“, schließt sie ab.
Während sich der Ostsee füllt, bleibt noch viel zu tun. Die Brunnen werden betrieben bis zum stabilen Wasserstand. Vermutlich ab 2022 wird das Auslaufbauwerk mit dem anschließenden Schwarzen Graben entstehen, und so wie die Vereinbarungen im Flurordnungsverfahren gelingen, werde auch der dringend erwünschte Rundweg um den See entstehen, verspricht Birgit Schroeckh. Für das nördliche Ufergelände gibt es schon entsprechende Vereinbarungen zwischen LEAG und LMBV, die für die Kippe der DDR-Tagebauzeit zuständig bleibt.
Unterdessen wendet sich Birgit Schroeckh dem aktiven Tagebau Jänschwalde zu. Dort entstehen in den kommenden Jahren weitere drei Lausitzer Seen.

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