
Geschichte eines Stellmachermeisters / Diamantener Meisterbrief:
Guben (ysr). Schon früh war Walter Bräuer klar: „Ich möchte etwas mit Holz machen.“ Sein Vater Stellmachermeister Friedrich Bräuer kam einst als Wandergeselle in die Region, fand in Neuzelle die Liebe und blieb. Eine Anstellung fand er in der etwa acht Kilometer weit entfernten Werkstatt von Karl Sturm. Als der Unternehmer krankheitsbedingt seinen Betrieb aufgeben muss, bietet er dem Vater von Walter Bräuer an, dessen damals erst zwölfjährigen Sohn seine Werkstatt zu schenken, wenn dieser den Beruf des Stellmachers erlernte. Am 31. Juli 1950 begrüßte der Meister den Jungen mit den Worten: „Kommst ja schon.“ Woraufhin dieser antwortete: „Ich dachte mir, die Woche fängt am Montag an.“ Nur wenige Monate später verstirbt der Lehrmeister. Walter lernt bei seinem Vater weiter, besteht seine Facharbeiterprüfung und meldet sich mit 19 Jahren zur Meisterprüfung in Cottbus an. 150 Mark kostet der Lehrgang damals. Ein kleines Vermögen gemessen an dem schmalen Gesellengehalt von wöchentlich 60 Mark. Nach vier Wochen wusste der jüngste unter den Meisteranwärtern: Hier bin ich richtig. Sein Meisterstück ein Ackerwagen inklusive Rädern, die er heute noch auf dem Boden stehen hat, fertigt er in gut zwei Tagen, besteht die Prüfung mit kanpp 90 Prozent. Den Weg von Cottbus bis nach Hause brauchte der junge Mann, um zu realisieren, was passiert ist.
Den meisten Umsatz macht die Stellmacherei mit der Landwirtschaft. Ackerwaren, Sensenbäume und Rechen werden gefertigt, Couch- und Sesselgestelle für Wohnungseinrichtungen kommen dazu. „Wir hatten immer ein paar Pfennige mehr durch die Möbelfertigung“, erinnert sich der heute 80-Jährige. Dafür stand er oft noch abends in der Werkstatt. Dann mit der Kollektivierung der Landwirtschaft fällt diese als finanzielles Standbein mit einem Schlag weg.
Heute zählt die Werkstatt mit angeschlossenem Wohnhaus zum einzigen noch erhaltenen Betrieb seiner Art in Guben und Umgebung. Einst waren es sieben oder acht. 66 Jahre sind vergangen, seit der spätere Direktor des Karosseriewerks Guben und spätere Geschäftsführer in seinen Berufsweg einschlug.
In diesem Jahr erhielt Walter Bräuer den Diamantenen Meisterbrief. Eine ganz besondere Auszeichnung für ein Traditionshandwerk.
