
Es ist schon erstaunlich, wieviel Handwerk sich auf dem Hof eine alten Hauses verbirgt. Viele Zuschriften erreichten uns – alle erkannten die Leipziger Straße, wie auch Renate Schwarz aus Cottbus: „Früher hieß sie Ethel- und Julius-Rosenberg-Straße“, erinnert sie sich. Vor allem zum nun sanierten Wohnhaus kann Dr. Mandres Busse berichten: „Ich habe sogar noch ein Foto von 1882. Meine Großtante war 1934 in dieses Haus eingezogen und hat mit ihrem Mann die Dachdeckerfirma Erich Goslau neu eröffnet. Hinter dem Haus gab es einen sehr großen Hof, wo die Schlosserei Palm zu finden ist – sie gehört wohl schon zum Inventar von Spremberg. Leider gibt es niemanden, der die Traditionsfirma in Zukunft weiter führen wird, das wäre sehr schade. Im hinteren Gebäude auf dem Hof war früher eine Dampftischlerei untergebracht, wir waren als Kinder dort gern zugucken. Der Schornstein der Dampfmaschine steht noch.
Nach dem Krieg gab es hier auch einige Zeit eine Kunsthonig-Fabrik. Wir Kinder durften dort die Fässer auslecken. Später war hier ein Konsum-Lager und eine Werkstatt des Konsum untergebracht.
Das Haus wurde kurz vor der Wende in städtische Verwaltung gegeben, denn Wohneigentum war ja eine einzige Belastung bei den kleinen Mieten. Da auf dem Haus eine Goldmark-Hypothek lastete, durfte es nicht verschenkt werden. Erst nach der Wende fiel es zurück an meine Mutter in Familienbesitz, dann konnten wir auch die Goldmark-Hypothek auslösen. Dafür wurde ein Teil des großen Hofes verkauft, auch für den Klinker-Neubau, wo sich heute die Arzt- und Zahnarztpraxis Sköries befindet.“
Stolz über das Foto ist auch die Familie Jurk: „Wir durften am 24. Oktober 1963 in den Neubaublock einziehen, ich hatte damals einen Gipsfuß, aber die Turbine-Sportler haben uns geholfen. Vor Freude haben wir alles rundherum fotografiert. Nur einen Tag nach dem Einzug kam unser zweites Kind zur Welt. Für die zweieinhalb Zimmer Wohnung der AWG Energie, heute Spremberger Wohnungsbaugenossenschaft, mussten wir 300 Stunden Aufbauarbeit leisten, vor allem beim Bau der Regenwasserleitungen haben wir mitgemacht“, weiß Günter Jurk noch wie heute. Sehr ausführlich zu den Gebäuden schrieb auch wieder Familie Hermann: „Das Wohnhaus rechts ist aus Hohlblocksteinen vorrangig für die Beschäftigten des ehemaligen Jugendkraftwerks ‘Arthur Becker’ in Trattendorf erbaut. Nach der Wende wurde es saniert. Das am oberen linken Bildrand erkennbare kleine und große Gebäude gehörte einst der Familie Richter, bei den älteren Sprembergern als ‘Eisen-Richter’ sicher noch bekannt. Das kleine Gebäude musste mit der Hofgestaltung für Parkplätze bzw. Garagen weichen. Im großen Gebäude befand sich lange Jahre die Polsterei und Gardinennäherei Härtel. In den letzten Jahren wechselten mehrere Kleinunternehmen. Das Gebäude gehört allerdings zur Gartenstraße. Wenn ich mich recht erinnere, waren bis zum Krieg Einrichtungen der Feuerwehr auf dem Gelände des ganz rechts erkennbaren Wohnblockes, zu dem ich anfangs bereits etwas schrieb.“
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