Nein, Schlangen gab es nicht an den Schaltern der an jenem Sonntag geöffneten Sparkassen. Die Leute hatten ihren ersten DM-Hunderter als Begrüßungsgeld längst „drüben“ abgeholt. Nun konnte ein blauer Karl-Marx gegen einen Clara-Schumann-Schein getauscht werden, an den sich seit der Euro-Einführung kaum noch jemand erinnert. 60 Milliarden Ostmark-Konten sind 1:1, 120 Milliarden 1:2 umgerubelt worden. Für die volkseigenen Betriebe war das eine Forderungs-Vervielfachung und damit das Aus, für tausende Gründer, teils unglaublich waghalsige, die Chance ihres Lebens. Mit keinem anderen Datum sind je so viele Anfänger in die Gewerberollen eingetragen worden. Übrigens auch unser Zeitungsverlag. Startkapital wie bei Tausenden anderen: Etwas Gespartes, von Oma Gepumptes, und zwei noch flotte Trabis. 50 000 DM mussten es sein für eine GmbH, Kredite waren mit einer guten Idee fast ohne Sicherheit zu erhandeln. Im Goldenen Osten wurden die Claims abgesteckt, aber in den Nachtbars lauerten längst die Konquistadoren.
Viele sind gescheitert. Viele andere, vor allem jene, die den Mut hatten, auf anerzogene Tugenden wie Fleiß, Ehrlichkeit, Loyalität zu setzen, ra-ckerten sich mit Erfolg durch. Steckten nie auf, auch wenn die Euphorie jenes 1. Juli längst in Fetzen lag.
Sie blieben bei Fontane: Am Mute hängt der Erfolg. Glückwunsch zum morgigen Jubiläumstag! Jürgen Heinrich
Der Mut zum Erfolg

