Politisch punkten kann regional oder gar lokal niemand mit dem Thema, auch die CDU nicht. Es bleibt ehrenwert, dass sie sich des vollkommen undurchsichtigen Genres trotzdem annimmt. Selten gibt es zu Podien so angeregte, auch sachkundige Diskussionen, wie hierzu diese Woche. Schade, dass sie nicht zielführend sein können. Denn einer, der Gastredner aus dem Kassengeschäft, brachte es auf den Punkt: „Das deutsche Gesundheitswesen ist nicht reformierbar; es leben zu viele Player von diesem Wachstumsmarkt“. Was übersetzt heißt: Dort ist nicht zu wenig, sondern unter Umständen sogar viel zu viel Geld im Spiel. Geld ohne Wettbewerb, ohne ernsthafte Kontrolle, ohne Augenmaß.
Was immer die Bundesregierung, die diese Angelegenheit wohl nächste Woche auf die Tagesordnung stellt, befindet – es wird, wie seit 1977 alljährlich, ein weiteres Reförmchen sein. Dieses Jahr gab es derer sogar schon zwei. Gesundheitsfonds und Kopfpauschale sind wieder nichts, als weitere Vernebelungen.
Die Praxisgebühr sollte überflüssige Arztbesuche abbauen. Damals ging der Durchschnittsdeutsche siebenmal jährlich zum Arzt. Seit es sie gibt, geht er 16mal.
Orthopädieunternehmer Zimmermann sagt: Wir haben für all die Abrechnungen in Büro-Hard- und -software mehr investieren müssen, als in unsere Orthopädietechnik. Und zu Orthopäde Dr. Schierack kommen Patienten in die Praxis, denen tut nichts weh. Vor sieben Wochen, sagen sie, als sie den Termin erbaten, hatten sie Schmerzen, jetzt nicht.
Alles für die Katz? Fürwahr nicht! Deutsche lassen sich Gesundheit viel kosten. Und Wunder sind hier Alltag. Wir brauchen eben Geduld.
