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Klingt nach Sarrazynismus

Kaum jemandem hier ist es gelungen, Sarrazins Buch zu lesen: „Deutschland schafft sich ab.“
Trotzdem sind die Gespräche an den Stammtischen, und wie man hört, auch in den unterschiedlichen Parteigruppierungen, intensiv und emotionsgeladen. Der Bundespräsident möge dem scheinbar unbotmäßigen Staatsdiener kündigen, heißt es, und die Debatte, ob er soll oder nicht, erfasst ein ganzes Volk.
Soll er? Die arbeitsrechtliche und selbst die politische Bewertung des Vorgangs ist einem Betrachter aus der Ferne kaum möglich. Interessant bleibt allemal, wie sich die SPD als Ganzes verhält, die an ihrer Spitze unverbesserlich schwächelt und nach Jahren noch immer nicht den Querulanten Lafontaine verkraftet hat.
Muss sich eine Partei, muss sich die Gesellschaft von einem, der sorgenvoll auf eigenen Wegen denkt, dis-tanzieren, ihn eleminieren?
In Cottbus war Sarrazin erst nach Wochen zu haben und zwei Abende reichen nicht, sein Werk durchzuarbeiten. Immerhin hat es den Anschein, als sei es von großer Sorge getragen  um ein Phänomen, das dieses Land bedrückt.
Wir hier in der Lausitz kennen das Migranten-Problem nicht so dras-tisch, wie es der Ex-Finanzsenator der Hauptstadt anklingen lässt. Aber auch wir wissen, dass sich Menschengruppen einer gemeinsamen Herkunft gleich oder ähnlich verhalten. Ist das schlimm? Oder ist es schädlich, das zu benennen?
Zuviel Unausgesprochenes ist im Laufe von Jahrzehnten unaussprechbar geworden. Auch im Verhältnis Deutscher und Deutscher seit der Wende. Ob Sarrazin zum Syno-nym wird für eine weitere deutsche Untugend? Das wäre sarrazynisch. JH

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