Es herbstelt deutlich. Exakt dem Kalender folgend, wechselte vom Sonntag zu Montag das Wetter von Sommer auf Herbst. Nun fröstelt uns ein wenig, aber wenn alles jahreszeitlich so präzise läuft, wird wohl der Goldene Herbst mit ein paar Wonnetagen nicht lange auf sich warten lassen. Das begünstigt nachbarschaftliche Kontakte übern Gartenzaun, wie wir Deutschen sie gern haben.
Wieder zunehmend gern, wie das eben veröffentlichte „Nachbarschaftsbarometer“ von EDEKA bekundet. Die Kaufleute interessieren sich sehr für die Befindlichkeiten der Menschen, denen sie Gutes tun möchten. Schon zum 6. Male haben sie deshalb eine repräsentative Umfrage angestrengt, um in Zeiten politischer Unsicherheit und wirtschaftlicher Sorgen herauszufinden, was den Leuten in ihrem unmittelbaren Umfeld wichtig ist. Und tatsächlich: 69 Prozent der Befragten gaben dem nachbarschaftlichen Zusammenleben Höchstwerte. 57 Prozent der Menschen empfinden Zukunftsängste im deutschen und weltweiten Desaster. Umso mehr empfinden sie gute Nachbarschaft als Halt im zunehmend ungewissen sozialen Gefüge.
Ostdeutschen war die vertrauliche Nähe zu Nachbarn stets zweckdienlich. In der Mangelwirtschaft half man sich gegenseitig mit Material, Werkzeug oder auch mal gutem Bier, das jemand unterwegs besorgen konnte. Solche Notwendigkeiten entfallen heute und die Zusammenkunft vor den „Tagesthemen“ im Sport- oder Gartenlokal sowieso, weil die Preise zu hoch und viele dieser gemütlichen Orte längst geschlossen sind. Der Alltag hat sich in der Weite von Baumärkten und in banaler TV-Flut anonymisiert. Nun aber, da Nachrichten Angst verbreiten, lebt Nachbarschaft frisch auf. Man redet mehr und hilft sich gern. Selbst unsere Grüne Zeitung profitiert vom neuen (alten) Sinn für gute Nachbarschaft. Sie wird jetzt in vielen Auslagestellen freundlich dargeboten, und wer sie beim Bäcker, im Markt oder in der Apotheke findet, nimmt seine und noch zwei weitere für die Nachbarn mit. Gut so! J.H.
Weitere Kommentare finden Sie hier!
