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Die Seenland-Vision: Tourist-Information im Schrothaus in Lieske

Cornelia Schnippa präsentieret zum Denkmalstag in sorbischer Arbeitstracht ihr Schrotholzhaus in Lieske
Fotos:
T. Richter-Zippack

Cornelia Schnippa will sich in Lieske ihren Lebenstraum erfüllen / Restauration des 300 Jahre alten Gebäudes beginnt bald.

Lieske (trz). Wo gibt’s denn so etwas? Ein Haus, ganz aus Holz gebaut, aber ohne auch nur einen einzigen metallenen Nagel. Das gibt es tatsächlich: Schrotholz heißt das Zauberwort. In früherer Zeit wurden die meisten sorbischen Häuser der mittleren Lausitz sowie im Spreewald Balken auf Balken errichtet. Selbst manche Kirche, beispielsweise die Kapelle im winzigen Heidedörfchen Sprey bei Boxberg, besteht aus Schrotholz.
Cornelia Schnippa ist Bauherrin eines solchen Schrotholzhauses. Das befindet sich im Geburtsort der 48-jährigen Touristikerin. Und zwar nur wenige hundert Meter vom Sedlitzer See entfernt im 67-Seelen-Ort Lieske. „Es handelt sich um die erste Schule in Lieske“, weiß Schnippa, geborene Noack. Sie hat inzwischen herausgefunden, dass die imposanten Kiefernbalken ein Alter von rund 300 Jahren aufweisen. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts lag Lieske noch im tiefsten Sachsen, und August der Starke regierte das Land.

 

Tischler rücken an

 

Inzwischen hat aber der Zahn der Zeit massiv am Gebäude genagt. Ausgerechnet die Nordseite präsentiert sich stark löchrig. Daher rückt, so Cornelia Schnippa, bereits Ende September eine Kolkwitzer Tischlerei an, um zunächst Balken für Balken abzutragen. Was noch gebraucht werden kann, werde anschließend wieder eingesetzt. Zudem erhalte das Gebäude ein solides Fundament. Denn die Feuchteschäden sind bereits beträchtlich. Noch vor dem Winter solle die Maßnahme abgeschlossen sein.
Unterstützung erfährt die Bauherrin, die heute auf einem Bauernhof in Tätzschwitz lebt, von den Denkmalschützern. Ihr Liesker Schrotholzhaus wurde von der Zeitschrift „Monumente – Magazin für Denkmalkultur in Deutschland“ im April 2017 sogar zum „Denkmal in Not“ auserkoren. Dadurch sei eine nicht unerhebliche Spendensumme zusammengekommen, die für die Sanierung allerdings längst nicht ausreiche. Dennoch wolle Cornelia Schnippa alles daran setzen, Haus und Hof wieder in einen akzeptablen Zustand zu versetzen. „Meine Lebensaufgabe“, sagt die Touristikerin, die bisweilen in die Rolle der Hoyerswerdaer Standesherrin von Teschen schlüpft, mit Nachdruck. Jetzt ist sie 48 Jahre alt. „Meinen 50. Geburtstag möchte ich bereits in den historischen Räumen feiern“, gibt sie die Marschrichtung vor. Mehr noch: Mittelfristig könnten in das Schrotholzhaus eine Tourist-Information sowie ein kleines Heimatmuseum einziehen. Schließlich ist Lieske nicht irgendein Seenlanddorf, sondern besitzt eine reichhaltige Geschichte und berühmte Söhne. Beispielsweise den sorbischen Maler Carlo Noack, der im Spätherbst 1873 nur ein paar Häuser weiter das Licht der Welt erblickte. Dann gibt es die bereits sanierte Fachwerkkirche aus dem Jahr 1628. Und in wenigen Jahren auch den Strand am nahen Sedlitzer See. Das Schrotholzhaus, in dem bis 1983 eine ältere Frau lebte, umfasst auch eigene Attraktionen. Beispielsweise die „Schwarze Küche“. Oder den „Kriech- keller“, in dem kein Mensch aufrecht stehen kann. In Lieske existieren laut Cornelia Schnippa noch drei Häuser aus Holz. Bei den beiden anderen sei das Holz allerdings hinter Putz oder Mauerwerk verborgen. „Früher haben sich die Leute geschämt, das Holz zu zeigen, da es als Zeichen für Ärmlichkeit galt“, so die Fachfrau. Heute dagegen seien originale Schrotholzhäuser echte Schätze.

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