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Ortsfest mit musikalischem Fernweh

Seit 40 Jahren stompert die Horst-Kaschube-Olsenbande für rhythmisch gute Laune.

DER Mann in der Cottbuser Unterhaltungsmusik: Horst Kaschube (83) gründete und leitete viele Combos, die Saspower Dixieland Stompers prägt er bis heute. Foto: Hnr.

Cottbus. Große Orchester gab es im Cottbus der 70er und 80er Jahre, kleinere Kapellen und Combos auch, aber nur einmal „traditionellen Jazz aus New Orleans der 20er Jahre“. Blues, Ragtime und Skiffle – die frech-verwegene musikalische Ausnahme kam an im sozialistischen Kulturbetrieb und wurde sogar gefördert. Irgendwie hielten sich die Saspower Dixieland Stompers nach den 90er Knauserjahren sogar bis heute. Und wie! Auf feinste Art zelebrieren sie noch immer das musikalische Fernweh und mitunter auch das Flair der dänischen Gaunerbande um Egon Olsen, die sie an verschiedenen Bühnen vortrefflich spielten.
Die vielseitige Truppe um den Ur-Sandower Horst Kaschube besteht in dieser Saison 40 Jahre. Im Schmellwitzer „Friedenseck I“ feierte sie unter sieben „Melonen“ 1984 Weltpremiere, am Schlagzeug damals Heiko Walter, heute erfolgreicher Tenor am hiesigen Staatstheater. Das Herz der Stompers schlug und schlägt dabei von Anfang an bis heute bei Horst Kaschube, der virtuos Klarinette und Saxophon spielt.

 

 

 

Damals, Mitte der 80er Jahre, waren sie sieben, Heiko Walter am Schlagzeug.

Horst Kaschube ist 1940 in Sandow geboren, besuchte die nach dem Bombenschlag schnell reparierte Sandower Schule und wurde dann in Cottbus Eisenbahner, wo es ein renommiertes Blasorchester gab. „Mein Vater war Straßenmusikant, aber in Mutters Verwandtschaft in Schlesien gab’s mehrere Orchestermusiker“, deutet der Vollblutmusikant die Quelle seiner Begabung an. Er quälte sich erst lustlos am Klavier. Seines Bruders Erfolg blieb ihm versagt; der studierte Pianist blieb aber im Krieg.

 

 

 

 

Die aktuelle Besetzung (v.l.): Holger Handke (Pos), Frank Petzold (Piano), Host Kaschube (Klar, Sax), Rolf Arnold (Tuba) und Frank Grundewald (Drums).

Altersgerecht faszinierten den Jung-Bahner die Tanzmusik-Formationen. Er spielte ab ‘56 bei den „Carolls“, dann bei der „Rot-Schwarz-Combo“, der Hausband bei „Kaiser’s“. „Herbert Kadler, den jeder ältere Cottbuser kennt, hat mich entdeckt“, erzählt er und überrascht dann: „In der Kurt-Rotter-Combo war ich die Bassgitarre.“
„Kaiser’s“ wurde TKC-Kulturhaus, und so übernahm das Kombinat auch die Musiker. „Die delegierten mich 1971 zum Fernstudium an die Hanns-Eisler-Musikhochschule Berlin“, erzählt Kaschube mit gewisser Dankbarkeit. Er war erfolgreich und wagte 1976 den freiberuflichen Weg. Mit „Mediant“ (incl. Techniker elf Mann) ging’s auf Konzerttouren. Bei einem der bedeutenden Wettbewerbe teilte sich die Band mit „Elephant“ den dritten Preis – hinter „Silly“ und „Karat“.
Und dann mündete der Weg bald im New-Orleans-Sound. Als „Dixielandgruppe des Blasorchesters des TKC“ kündigte ein Jugendklub 1984 die „Stompers“ an. Kaschube war künstlerischer Leiter des Klangköpers, den es noch heute als „Saspower Blasmusikanten“ gibt, und er setzte seinen Jazzern nun die „Melonen“ auf und schuf damit ein festes Bild und die treffliche Klangfarbe – beides wertvoll genug für 40 Jahre anhaltenden Beifall!
Lang ist die Liste der Erfolgsbühnen – von den Arbeiterfestspielen über IGA Stuttgart und BuGa Cottbus bis zu Fernsehauftritten. Auch die Premiere unseres Verlages am 1.7.1990 gestalteten die Saspower Dixieland Stompers, und mit den Stöbitzer Trachtentänzern und OB Kleinschmidt sind sie 1999 bis Brasilien gereist.
Daheim – wozu auch das Dixielandfest in Dresden gehört – sind sie immer wieder gefeiert, und mit Gastbands laden sie seit immerhin 26 Jahren zu eigenen Musikfesten ein. Am 24. August ist das wieder in der „Oase“ zu erleben. J.H.

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